Shakira in Salem: Skandal oder Skandalisierung?

Allgäu Concerts: Suche nach Headlinern für Salem Open-Airs – KOKO Entertainment: Noch nie Absage wegen Künstler

Fans bei Rock am See in KonstanzBodenseekreis/Konstanz. Shakira spielt in diesem Sommer nicht in Salem. Das ist entschieden. Salems Bürgermeister Manfred Härle sagte, die Absage kam direkt vom Finanzministerium und nicht von Schlossverwalter Michael Hörrmann, dem Geschäftsführer von Staatliche Schlösser und Gärten. Das sorgte für Empörung. Der Salemer Bürgermeister möchte, dass es drei große Open-Airs jedes Jahr gibt und dass die Gemeinde in Zukunft mitsprechen darf. Dass es Open-Airs gibt, will auch Franz Bernhard vom Konzertveranstalter Allgäu Concerts, und auch Michael Hörrmann hat grundsätzlich keine Einwände gegen Popkonzerte. Shakira aber passte offenbar nicht.

SPD-Politiker machte Fall überregional publik

Verdutzt reiben sich Shakira-Fans die Augen Was ist in Salem schief gelaufen? Hat es einen Skandal gegeben oder ist etwas skandalisiert worden, was gar kein Skandal ist? Fakt ist: Den Anstoss gab der Nicht-Auftritt der Sängerin Shakira im kommenden Sommer. Sie soll angeblich nicht nach Salem gepasst haben, wo es bisher regelmäßig Konzerte mit Weltstars wie Santana oder Pink mit bis zu 10.000 Besuchern gegeben hat. Bemerkenswert: Nicht etwa der Konzertveranstalter Allgäu Concerts, sondern der der Salemer Bürgermeister Manfred Härle und der Landtagsabgeordnete Norbert Zeller (SPD) machten die Shakira-Absage und den „Skandal“ publik.

Vorwurf: Einmischung in Künsterauswahl

Der Abgeordnete, der vom Salemer Bürgermeister auf das Vorkommnis aufmerksam gemacht worden ist, hatte öffentlich schwere Vorwürfe erhoben: „Ein Beirat, dessen Zusammensetzung, Zuständigkeiten und Aufgaben unklar sind, versucht sich massiv in die Musikausrichtung bzw. Künstlerauswahl einzumischen“, so Zeller. Das klang nach Empörung und sogar nach Zensur.

Salemer Bürgermeister stösst Debatte an

Auch Salems Bürgermeister Manfred Härle legt noch einmal nach. Er fordert weiterhin jährlich drei Open-Airs. Gemeint seien Großveranstaltungen mit 5000 bis 10.000 Besuchern, so Härle. Das sei beim Verkauf des ehemals markgräflichen Schlosses Salem an das Land Baden-Württemberg so besprochen worden. Härle sagte, es habe eine konkrete Anfrage wegen Shakira gegeben. Die Entscheidung, das Konzert nicht stattfinden zu lassen, habe nicht Hörrmann, sondern das Finanzministerium in Stuttgart getroffen.

Finanzminsterium dürfe nicht entscheiden

Härle sagt, Weltstars wie Shakira dürften nicht abgelehnt werden. Härle meint weiter, dass auch Veranstaltungen für ein jüngeres Publikum in Salem stattfinden sollten. Ein Konzert mit so vielen Besuchern betreffe auch die Gemeinde. „Die Hauptlast tragen die Bürger vor Ort“, so Härle. Er denke dabei auch an die Gemeindeverwaltung, die Feuerwehr und die Rettungskräfte. Dass über die Köpfe der Salemer hinweg bestimmt wird, möchte er nicht hinnehmen. Das Finanzministerium dürfe nicht allein entscheiden. Der Bürgermeister suchte deswegen auch Kontakt den Landrat des Bodenseekreises, Lothar Wölfle. Noch vor Weihnachten soll es ein Gespräch mit Wölfle geben. Die Rede ist von einem gemeinsamen Positionspapier und auch von einem runden Tisch mit dem Staatssekretär des Finanzministeriums. Härle ist felsenfest davon überzeugt, dass es ein gemeinsame zukünftige Nutzung geben kann. Noch aber schlagen die Wellen hoch. Nur Heiner Geißler ist noch nicht als Schlichter vorgeschlagen worden.

Hörrmanns Bedenken: Schloss Salem nicht überbelasten

Michael Hörrmann, Geschäftsführer von Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, sagte es sei kein Shakira-Konzert abgesagt worden. Er sprach von einem ganz normalen Planungsvorgang. Staatliche Schlösser und Gärten ist eine Anstalt des öffentlichen Rechts, die dem Finanzministerium zugeordnet ist und auch das Kloster und Schloss Salem verwaltet und vermarktet. Nach einer internen Absprache sei man zu den Ergebnis gekommen, das Projekt Shakira nicht weiterzuverfolgen. „Mit der Künstlerin hatte das nichts zu tun“, sagte Hörrmann. Es sei vielmehr um die Belastung des Platzes und die Dichte der Veranstaltungen gegangen. Er habe die Entscheidung getroffen. Es gebe im Schloss immerhin 400 Bewohner, eine Schule und zwei Kirchengemeinden.

Kein Kommentar über Härle und Zeller

Staatliche Schlösser und Gärten habe keine Einwände gegen Popkonzerte. Hörrmann, der aber lieber von Freiluftveranstaltungen als von Open-Airs spricht, sagte, er schätze Konzertveranstalter Franz Bernhard. Die Zusammenarbeit sei erfolgreich. Hörrmann sagte, er hoffe, dass ein David Garrett Konzert stattfinde. Laut Tourplan des Künstlers ist es für 15. Juni in Schloss Salem geplant. Zur Empörung und Kritik, die die Konzertabsage oder das Nicht-Statt-Finden eines Shakira-Konzerts beim SPD-Landtagsabgeordneten Norbert Zeller und beim Salemer Bürgermeister Manfred Härle ausgelöst hatte, wollte Hörrmann keinen Kommentar abgeben.

Bernhard: Shakira passte nicht

Der Konzertveranstalter Franz Bernhard äußert sich sehr zurückhaltend. Er sagte, Shakira spiele nicht in Salem. Das sei richtig. Die kolumbianische Sängerin passte nicht, sagte Bernhard. Er suche jetzt nach anderen Künstlern. Mehr nicht. Darüber, weshalb, warum und wem genau Shakira nicht passte, gibt er keine Auskünfte. Bryan Adams trete nun in Dornbirn auf, so Bernhard. Möglicherweise hätten – das ist Spekulation – beide Künstler im Sommer in Salem spielen können. Oft finden die Konzerte an aufeinanderfolgenden Tagen statt, um Kosten für Infrastruktur und Bühne niedrig zu halten. Bernhard äußert sich dazu aber nicht.

Rammstein passt vor kein Münster

Dass Künstler nicht auf bestimmten Plätze spielen, sei nichts Außergewöhnliches, so Franz Bernhard. Der Geschäftsführer von Allgäu Concerts sieht es so: Die deutsche Rockband Rammstein, die für ihren brachialen Musikstil und Texte über tabuisierte Themen wie Inzest, Missbrauch oder über Religion bekannt ist, würde auch nicht auf dem Münsterplatz in Ulm spielen. „Rammstein passt nicht vor eine Kirche“, sagte Bernhard.

Dieter Bös musste noch keinem Künstler absagen

Dieter Bös, einer der beiden Geschäftsführer von KOKO Entertainment in Konstanz, sagte zum Thema Einflussnahme und unerwünschte Künstler. Von einer Absage könne seiner Meinung nach in Salem tatsächlich eher nicht die Rede sein. Denn das Konzert sei noch in einer frühen Planungssituation gewesen, so der erfahrene Konzertveranstalter. Weiter sagte Bös, der bisher keine Opena-Airs in Salem veranstaltet hat, er arbeite beim Stimmenfest in Lörrach, bei den Meersburg Open-Airs oder beim Hohentwielfest jeweils sehr eng mit den jeweiligen Städten zusammen. Er schlage Künstler vor und seine Partner äußerten Wünsche. Zum Beispiel in Sigmaringen sei angeregt worden, die Multi-Kulti-Gruppe Culcha Candela zu verpflichten. Er sei ganz froh, wenn solche Anregungen kämen. Dass er einem Künstler absagen musste, weil dieser an einem Ort unerwünscht war, sei noch nie vorgekommen. Bös, sagte, er wäre damit auch nicht einverstanden. Denn er müsse gerade stehen, wenn es einen Verlust gebe. Der Konzertveranstalter trägt das finanzielle Risiko.

Immer wieder umstrittene Bands

Auch KOKO verpflichtet hin und wieder Künstler, die auf Ablehnung stoßen. Es habe schon Auftritte von heftig umstrittenen Künstlern gegeben, so Bös. Abgesagt wurden die Konzerte nie. Marilyn Manson, die US-amerikanische Rock-Band, die für ihre schockierenden Auftritte bekannt ist, war so ein Fall. Es habe sogar Podiumsdiskussionen im Vorfeld gegeben, so Bös. Während es für Marilyn Manson Auftrittsverboten in einigen Städten der USA gab, spielte Marilyn Manson zum Beispiel bei Rock am See in Konstanz. Das Bodenseestadion ist allerdings kein Kirchenvorplatz, kein ehemaliges Kloster oder Schloss und auch die schwarz-gelbe Regierung in Stuttgart hat nichts zu sagen.

Foto: wak

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