Sie prahlten mit ihrer Tat und fanden sich toll

Zeuginnen berichten von brutalem Überfall auf Passanten im Riedlewald

Friedrichshafen/Ravensburg (sig) Die Vorwürfe lauten auf schwere räuberische Erpressung und ebensolche Körperverletzung. Doch einige der sechs Angeklagten scheinen die Vorwürfe eher zu amüsieren. Auch gestern ging’s zwischen Beschuldigten und Sympathisanten im Saal heiter zu.

Zu ihrer eigenen Sicherheit mussten am zweiten Prozesstag Zeuginnen ihren Wohnort vor der 2. Großen Jugendkammer des Landgerichts Ravensburg unter Vorsitz von Richter Jürgen Hutterer nicht nennen. Sie standen zu einer der vorgeworfenen Tatzeiten in Beziehungen mit einzelnen Angeklagten. Trotz Versuchen einzelner Tatverdächtiger noch wenige Wochen vor Prozessbeginn soll es keine Kontakte mehr geben. „Ich habe mit der Rechten Szene nichts zu tun“, sagte die 21jährige Studentin und frühere Freundin eines Angeklagten, die den vorgeworfenen brutalen Überfall auf einen Passanten am 5. Juli vergangenen Jahres im Riedlewald am Rande miterlebt hat (wir berichteten).

Die 21-Jährige bestätigte den bisher genannten Tathergang, wonach die Gruppe nachts im Riedlewald den Überfall geplant durchgeführt hatte. Dabei war gegen 0.20 Uhr ein zufällig daherkommender 43-Jähriger niedergeschlagen, mit einer Flasche auf den Kopf geschlagen, mit Reizgas besprüht und mit Fußtritten (Springerstiefel?) ins Gesicht getreten worden. Außerdem hatte man ihm einen Rucksack samt Inhalt weggenommen. Das Handy des Opfers wurde weggeworfen, um angeblich nicht geortet werden zu können.

Die damals noch befreundeten Zeuginnen hatte das Sextett nicht eingeweiht, sie wurden von einem Mitangeklagten (der sollte „bei den Weibern bleiben“) abseits des Tatortes hinter Büschen geparkt. Sie sollten nichts mitbekommen. Was sich schließlich im Wald abgespielt hatte, erahnten sie dennoch, als sie den Mann schreien hörten. Der Mann habe verzweifelt und hilflos gerufen, berichtete eine der Frauen. „Ich dachte, die schlagen ihn tot“. Später habe einer der Angeklagten seine von Faustschlägen gegen das Opfer herrührende blutverschmierte Hand gezeigt, die Frauen aber beruhigt: „Dem Mann geht’s gut, der kann sich selber helfen, ich habe gar nicht so fest zugeschlagen“ . Im übrigen, so die Zeugin, seien die Angeklagten nicht betrunken gewesen, wie sie am ersten Verhandlungstag Glauben machen wollten („wir waren nicht mehr normal in der Birne“). Die hätten keinerlei Ausfallerscheinungen gehabt.

Mit der Tat geprahlt

Am späteren Treffpunkt an der alten Bücherei beim Graf-Zeppelin-Gymnasium hätten die Ex-Freunde mit ihrer Tat „geprahlt“, so, als ob das „was Tolles“ gewesen wäre, berichtete die 21-Jährige. Eine andere Zeugin meinte dagegen, die von der Tat Zurückgekehrten seien etwas gedrückt gewesen, weil der Überfall nicht so geklappt habe, wie sie sich das vorgestellt hatten.

Interessant: Um eine spätere Identifizierung angeblich so ausschließen zu können, hatte das Sextett die Frauen vor dem Gang in den Tatwald angewiesen, sich umzuziehen und in Schwarz zu gehen. Wie das so üblich sei bei Rechtsradikalen, hätten sie sich vor der Tat mit Quarzhandschuhen, Schlagstock, Pfefferspray und einem (braunen) Klappmesser ausgestattet, erinnerte sich eine Zeugin.

Der Prozess wird am 7. Juni fortgesetzt.

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