Skurrile Behauptungen noch im Internet

Spur im Kampusch-Fall in den Kreis Konstanz eine Ente

Konstanz (wak) Die Ermittlungen im Kriminalfall Natascha Kampusch sind beendet. Informationen eines angeblichen Zeugen aus dem Kreis Konstanz waren demnach falsch. Österreichische Ermittler kamen zum Schluss, dass Wolfgang Priklopil Natascha Kampusch ohne die Hilfe von Dritten entführt und gefangen gehalten hat. Ein Zeitungsbericht über einen angeblichen Zeugen, der anderes behauptete, und eine Spur, die in den Kreis Konstanz führte, war eine Zeitungsente. Der Redakteur,  der die Information groß aufmachte und verbreitete, hatte offenbar schlecht recherchiert. Die Internetseite, auf der der angebliche Informant, ein mehrfach vorbestrafter Mann aus dem Kreis Konstanz,  seine falschen Informationen verbreitet, ist aber skandalöser Weise noch immer im weltweiten Netz abrufbar.

Österreichische Medien sprechen von „Spinner“

„Haben sich die 9000 Arbeitsstunden der Soko Kampusch gerechnet? Hat es sich gelohnt, noch einmal das Verlies umzudrehen? Hat es sich ausgezahlt, jeden Spinner auszuforschen, der irgendwelche Verschwörungstheorien in die Welt setzt?“ fragt Ricardo Peyerl in der Online-Ausgabe des Wiener Kurier am Tag, als die Ermittler die Akte schlossen. In die Kategorie „Spinner“ dürfte der österreichische Redakteur auch den Mann aus dem Kreis Konstanz einordnen.

Spur in den Kreis Konstanz führte in die Irre

Seit dem Neuaufrollen des Falles 2008 hatten die österreichischen Ermittler 110 Personen, 30 davon als Zeugen, befragt. Das berichtet die Wiener Zeitung in ihrer Ausgabe vom Samstag und am Freitagabend schon online. In fast 10.000 Arbeitsstunden seien die Ermittler „selbst den skurrilsten und krausesten Theorien und Hinweisen“ nachgegangen. So hätten die Österreicher mit Hilfe deutscher Kollegen jenen Mann überprüft, der im Internet mehrere Seiten zum Thema eingerichtet und behauptet hatte, er verfüge über einschlägige Videos, auf denen Natascha Kampusch zu sehen sei. Man habe seine Festplatte beschlagnahmt und durchsucht, aber nichts gefunden.

Zeitung korrigiert indirekt frühere Falschmeldung

Zurück gerudert ist längst die Regionalzeitung, die am Freitagabend ebenfalls in ihrer Online-Ausgabe aktuell über das Ermittlungsergebnis berichtete. Der Mann aus dem Kreis Konstanz hätte bundesweit, in Österreich und weiteren europäischen Ländern zahllose Interviews zu angeblich brisantem Material gegeben, „das er zum Fall Kampusch gefunden haben wollte“, so die Zeitung. „Ein Video mit Hinweisen auf einen zweiten Mitwisser in diesem Entführungsfall wollte er im Internet entdeckt haben“, heißt es weiter. „Doch alle Hinweise und alles Material, das von der deutschen Polizei im Auftrag der österreichischen Ermittler sichergestellt worden ist, war für die Untersuchung völlig wertlos“, berichtet die Zeitung – ohne freilich klar zu stellen, dass sie selbst die Falschmeldung groß aufgemacht und – wenn auch nicht ganz exklusiv – verbreitet hatte.


Falsche Behauptungen noch immer im Internet

Wer den Suchbegriff Kampusch in die Suchmaschine bei Google eingibt, erhält 293.000 Treffer. Zu finden war auf diese Weise am Freitagabend auch weiterhin die Seite, auf der der angebliche Zeuge aus dem Kreis Konstanz noch immer seine Behauptungen verbreitete – ungeachtet der Erklärung der österreichischen Ermittler, die die Akte Kampusch endgültig geschlossen haben und die Informationen des Deutschen offenbar unter dem Kapitel Verschwörungstheorien abgelegt haben.

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