So melden sich Konzerthausgegner zu Wort

Erste Meldung „Nein zu Klein-Venedig“ im Wortlaut

Konstanz (red) ohne Einsatz von Werbeagenturen und mit der schwachen Hoffnung auf Einsicht des Gemeinderates in ökologische und finanzpolitische Tatsachen haben die Gegner des Konzerthauses auf Klein-Venedig ein Jahr dem Treiben der Befürworter einer Verbauung des Seeufers gelassen zugesehen.

Seriöse Finanzierungsstrategie?

Was brachten die Befürworter des Baus auf Klein-Venedig in einem Jahr zustande? Eine seriöse Finanzierungsstrategie? Eine Lösung der Verkehrsfragen? Ein vernünftiges städtebauliches Konzept? Eine sichere Finanzierung von Infrastruktur, Bauwerken (Sanierung Konzil), Sportstättenausbau und Kultureinrichtungen parallel zum geplanten Prestigeobjekt?

Konkurriernde Projekte in Konstanz

In der Schraubzwinge zwischen Finanzkrise und sturem Beharren auf einem Projekt an einem Standort, der das Vorhaben verteuert und von der Mehrheit der Konstanzer bereits in einer Abstimmung abgelehnt wurde, werden nun viele Bereiche der städtischen Entwicklung in Frage gestellt. Von der Haltestelle Sternenplatz über die Sanierung des Stadttheaters, den Sportstättenausbau bis hin zur sozialen Stadt Berchen/Öhmdwiesen. Hinzu kommt der Finanzbedarf für Krankenhaus/Vincencius und die Umgestaltung des Bahnhofsplatzes. In dieser prekären Finanzsituation soll jetzt Geld für die Versiegelung der letzten Grünflächen in der Altstadt, für ein Konzert- und Kongresshaus mit auftriebssicherer und wasserdichter Unterführung im Verbund mit einem Parkhausneubau mit Seesicht locker gemacht werden?

Angeblich ging laut eines Zeitungsberichts Zustimmung zurück

Die letzte und deutlichste Warnung an die Adresse der Befürworter eines Baus auf Klein-Venedig stand im Südkurier am 7.12.09.: Nach einem Jahr entschlossenem Einsatz von Stadtverwaltung, ‚Bürger für Konstanz’, und Großteilen der regionalen Presse für die Verbauung von Klein-Venedig. Nach Plakatierungen, Lobeshymnen und dem Einsatz von zwei renommierten Werbeagenturen vermeldet der Südkurier, dass die Zustimmung zu einem Konzert- und Kongresshaus in Konstanz um 11 Prozentpunkte zurückging.

Der Widerstand formiert sich

Der absurde Standort auf Klein-Venedig wurde in der Umfrage dabei noch gar nicht thematisiert Daher haben sich am Mittwoch den 27. Januar 17 Personen aus den verschiedensten Arbeitsbereichen und aus ganz unterschiedlichen Konstanzer Parteien (Grüne, CDU, SPD, Linke) zusammengefunden, um dem bunten Werbefeldzug der Klein-Venedig-Verbauer schwarz auf weiß die Fakten entgegenzustellen. Die Initiatoren sind: Angelika Bernecker, Dr. Patrick Brauns, Angela Büsing, Johannes Fuchs, Karin Göttlich, Rudy Haenel, Rainer Hamp, Peter Müller-Neff, Holger Reile, Andreas Rogg, Alfred Reichle, Dr. Jürgen Ruff, Dr. Günther Schäfer, Herbert Schaudt, Dr. Manfred Sernatinger, Bernd Sonneck, Gabriele Weber. Wir haben uns unter der Überschrift „Nein zu Klein-Venedig“ zusammengeschlossen.

Warnung vor städtebaulichem Jahrhundertfehler

Wir arbeiten im Vertrauen auf die Einsicht in Tatsachen und Argumente und in der Gewissheit, dass die Bebauung von Klein-Venedig ein städtebaulicher Jahrhundertfehler wäre. Gegen diese Gewissheit verblassen die bunten Bilder der Klein-Venedig-Werber. Letztlich dienten die bisherigen Werbekampagnen für den Standort Klein-Venedig nur ihrer Selbstvergewisserung – an der Bevölkerung sind sie abgeperlt. Das Mantra: „Konzerthausbau funktioniert nur auf Klein-Venedig“ hat nur wenige ergriffen – was will es auch ausrichten etwa gegen diesen klaren Satz von Herbert Schaudt: „Konzerthallen und Parkhäuser kann man kaufen. Das grüne Klein-Venedig mit seiner einmaligen Lage, zwischen See und Altstadt, gibt es nur einmal. Guter Städtebau schützt und schont solche wertvolle und einmalige Situationen. Guter Städtebau wertet unterentwickelte Stadtteile auf.“

Nächstes Treffen der Konzerthausgegner am Mittwoch

Wir freuen uns auf einen Austausch der Argumente bis zum Bürgerentscheid. Gleichberechtigte SprecherInnen der Initiative sind: Dr. Günther Schäfer, Dr. Patrick Brauns, Angela Büsing, Dr.Manfred Sernatinger, Gabriele Weber. Der Ansprechpartner für Presse und Organisationen ist Günther Schäfer, die Kasse verwaltet Karin Göttlich. (Unterzeichnet war die Pressemitteilung von Günther Schäfer.)Das nächste Treffen für alle, die sich aktiv gegen den Standort Klein-Venedig engagieren möchten findet am Mittwoch, 3. Februar, um 19:00 Uhr im Hotel Barbarossa statt.

Foto:  wak

Ein Kommentar to “So melden sich Konzerthausgegner zu Wort”

  1. Fenedig
    2. Februar 2010 at 13:58 #

    Die Aussage des Konstanzer Architekten und „Venedig-Zweiflers“, Herbert Schaudt, Stadtplanung hätte mit „Aufwertung unterentwickelter Stadtgebiete“ zu tun, ist in sich schlüssig und hat weltweit viele Beispiele. Nun ist gerade „Klein Venedig“ weder ein „entwickeltes Gebiet“, noch werden von den strickten Gegnern aller Konstanzer Couleurs Argumente vorgebracht, die sich in Einigkeit profilieren. Entweder: „Nur gegen Klein Venedig“, „Grundsätzlich gegen ein Konzerthaus“, „Gegen alles, was von der Stadt kommt“, usw. Es ist ein Spiegelbild divergierender Interessen quer durch alle Parteien, sowie parteiloser Bürger, unter Federführung, wie es scheint, grosser Teile der SPD. Damit ist noch kein Staat, respektive eine Stadt zu machen. Wer grundsätzlich davon ausgeht, das aufstrebende Konstanz, die Universitätsstadt, brauche für die kommenden Jahrzehnte keine neuen kulturell-und kongresstourismusorientierten Veranstaltungsräume, keine neuen Impulse in dieser Richtung, das „Konzil“ tauge noch weitere Jahrhunderte, andere Städte am See könnten die Aktivitäten übernehmen, welche Konstanz nicht beisteuern kann, muss zwar noch kein „Vorgestriger“ sein, doch argumentativ ist damit noch nichts über die Zukunft der Stadt in dieser Hinsicht ausgesagt. Bis jetzt hat die Gegnerschaft bis zum „gefühlten Hauptargument“, dass andere Aufgaben der Stadt darunter „leiden“ würden, gerade heute „kein Geld“ vorhanden wäre, und folglich gar nicht erst erwogen werden sollte, ein solches Haus zu erstellen, wenig Konkretes vorgelegt. Immerhin verweist Herbert Schaudt auf sinnvollere, stadtplanerische Vorstellungen, lehnt folglich das Vorhaben an sich nicht grundsätzlich ab. Jedoch ein klares: „Wo denn?“, fehlt bis heute. Sein ehemals potuliertes „Konzertschiff“ ist zum Geisterschiff mutiert: Die ab und zu in der Konstanzer Bucht auftauchende „Sonnenkönigin“ ist diesbezüglich, wie sich zeigt, nicht nur aus ästhetischer Sicht beileibe keine Steilvorlage. Anders verhält es sich um die lose Projektgruppe „Lutherplatz“, die immerhin mit konkreteren Vorstellungen – zwar in einem „entwickelten Gebiet“ – hausiert. Was ist zu tun? Von der Stadt ist zu verlangen, dass die Dimensionen, welche einmal das „unterentwickelte Gebiet“ Klein Venedig aufwerten soll, noch vor der Abstimmung mit entsprechenden Profilstangen, sogar mit Fassadenplanen, für die Bürgerschaft optisch darzustellen versuchen sollte. Nur so kann man sich ein räumliches Bild machen, was da im Guten – oder allenfalls weniger Guten – zur Stadtentwicklung an der derzeit „verlotterten“ Nahtstelle zur Schweiz beitragen kann. Von den Gegnern, die sich nur gegen Klein Venedig aussprechen, ist zu fordern, dass sie genau so konkrete Vorstellungen vorlegen, wie es die Stadt bis jetzt gemacht hat. Die Gruppe derer, die alles ablehnt, „was da von den Stadtoberen auf sie zukommt“, hat sich auf ihrer spezielle Weise darzustellen. Noch ein kurzes Wort zu den beiden einzigen, konkret vorliegende Projekten der Stadt für Klein Venedig – mal angenommen, der Standort ist schlüssig: Beide haben ihre Stärken und Schwächen. Hätte das unterlegene Architektenteam aus Wien nicht ein einfältiges „antikes“ Oval als Grundfläche gewählt, wären die Ideen der inneren Gestaltung aufgewertet worden. Nun heisst es zwar – zumindest seit Bauhaus, dass die Form der Funktion folgt. Bei näherer Projektanalyse hätten jedoch einige wenige raumplanerische Eingriffe bereits eine andere, optisch weniger klotzige, grossspurige Gebäudeform ermöglicht, wie sie bereits „in anderen Gesellschaftsformen“ schon mal geprobt wurde! Zu Erkennen ist jedoch, dass die innere Gestaltung, besonders der eigentliche Konzertraum, in seinem harmonischen Charme sich gegenüber dem gewählten Projekt der Vorarlberger Architektengruppe in keiner Weise zu verstecken hat, da der Gesamteindruck durch eine nicht so auffallend lang gezogene Rechteckigkeit, wie beim Siegerprojekt (das ist die einreihige Längsgalerie geradezu absurd!) besticht. Zudem erscheinen bei den Wienern die kleineren Kongressräume sinnvoller integriert, und das grosse Glasfoyer macht gegen den See hin mehr Sinn, als eine Konzerthaus-Glasscheibe hinter der Bühne „auf Erdbodenhöhe“, wie bei den Vorarlbergern. Immerhin ist ja auf der Sichtachse zwischen dem Gebäude und der Seekante keine parkähnliche Gestaltung mit dem See als Hintergrund vorhanden, sondern sehr oft wochenlang eine „gut bürgeliche“ mit Oktoberfest, Zirkus, Gewerbeausstellung, usw. Fachmännisch wäre zu prüfen, ob es grundsätzlich sinnvoller ist, bei einer „Kongressbestuhlung“ die Raumhöhe bei zu behalten und jeweils die Konzertsitze zu demontieren wie bei den Wienern, oder eine deutliche, etwas zweifelhafte Reduktion der Raumhöhe durch eine komplizierte Bodenmechanik unter Belassung der meisten Konzertsitze unterhalb des „Konferenzbodens“ zu „riskieren“, wie bei den Vorarlbergern. Bei Hotel und Parkhaus liegen die Vorteile wohl bei den letzteren, wobei sich in den Grundformen platzbedingt keine grösseren gestalterischen Möglichkeiten ergaben. Was bei beiden Projekten fehlt, ist ein „seeluftbezogenes“ Restaurant. Die Wiener deuten es zumindest im östlichen Hotelbereich an. Den energetischen Bedingungen ist heute aus Prinzip mehr Beachtung zu schenken. Sie können argumentativ eingebracht werden, was aber bereits architektonischer Standard sein sollte. Über die Zufahrt zum Areal ist schon viel Wasser den Rhein hinunter gelaufen. Mit der Möglichkeit, von der Schweizer Seite aus einen Teil des Fahrzeugverkehrs „Bodanstrasse“ aufzunehmen – sofern es die Beziehungen D-CH derzeit zulassen (!), wird diese Vorstellung aufgebessert. Das Augenmerk gehört jedoch dem Öffentlichen Verkehr. Und da sind die Bedingungen arealbezogen günstig. Es ist sogar „verwegen vorstellbar“, eine Bedarfs-S-Bahn Haltestelle „KKH“ einzurichten. Ein allfälliger Busverkehr zum und ab Konzerthaus dürfte, sofern er keine eigene Spur bekommt, im zu- und abfliessenden Veranstaltungsverkehr stecken bleiben. Ob das ganze Projekt letztlich stecken bleibt? Abwarten…..

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