Solche Oberbürgermeister braucht das Land

Münchner OB Christian Ude seit gestern Abend Träger des Heckerhuts

Konstanz (wak) Ein Bayer in Baden. Einer der populärsten Oberbürgermeister Deutschlands, der Münchner OB Christian Ude, ist seit gestern Abend Träger des Heckerhuts. Aufgesetzt hat dem Münchner OB den roten Hut des badischen Revolutionärs der SPD-Bundestagsabgeordnete und Generalsekretär der SPD in Baden-Württemberg, Peter Friedrich.

Friedrich Hecker in Cincinnati

Ude, der 1993 zum ersten Mal und mittlerweile drei Mal wieder gewählte Münchner OB, hat den Heckerhut im Konstanzer im Wolkensteinsaal gern aufgesetzt. Dabei musste der Münchner Oberbürgermeister, wie er dem badischen Publikum freimütig gestand, erst einmal um die halbe Welt fliegen, um einen der populärsten Redner und Agitatoren der Märzrevolution von 1848 näher kennen zu lernen. Ausgerechnet in Münchens Partnerstadt Cincinnati machte Ude Bekanntschaft mit Friedrich Hecker. Mitten in einem grünen Park steht eine Statue, mit der die Amerikaner an den badischen Revolutionär erinnern, der später in der neuen Welt im Sezessionskrieg als Offizier auf Seiten der Nordstaaten gekämpft hatte. Ude musste „Friedrich Hecker“, wie er erzählte, hinterher erstmal  googeln.

Oberbürgermeister mit Humor

Der Träger des Heckerhuts, Christian Ude, ist ein Oberbürgermeister wie ihn sich nicht nur SPD-Mitglieder oder die Münchner wünschen. Er ist ein Oberbürgermeister mit Humor und zum Anfassen – einer wie ihn viele Städte bräuchten. Mit Witz, Selbstironie und trotzdem messerscharf und geistreich analysiert er den Zustand der Republik. Von 2005 bis 2009 war Christian Ude Präsident und seit seit Mai 2009 ist er Vizepräsident des Deutschen Städtetags. Wie ein bayerischer Löwe kämpft er im Städtetag für die Interessen der Kommunen.

Politiker Christian Ude

Ude führt die schwarz-gelbe Bundesregierung vor und geißelt vor allem die Steuerpolitik der FDP. Seine großen Themen sind die Bodenpolitik zur Schaffung von Bauland, der Kampf gegen die Abschaffung der Gewerbesteuer und die Daseinsvorsorge, die für Ude auch ein Kampf gegen die Privatisierung von Krankenhäusern ist. Der Münchner OB ist durch und durch ein Sozialdemokrat, der sich um bezahlbare Wohnungen, Kitas, Kindergärten und Schulen kümmert und sich dagegen wehrte, die Münchner Stadtwerke zu privatisieren.

Brandrede gegen Abschaffung der Gewerbesteuer

Ude sagte, die Kommunen dürften sich die Gewerbesteuer nicht weg nehmen lassen. In guten Jahren wie 2008 seien es 40 Milliarden Euro und in schlechten wie 2009 immer noch 33 Milliarden Euro. In Konstanz sagte Ude, um den Wegfall der Gewerbesteuer auszugleichen, die nur die Unternehmen bezahlten, die den meisten Gewinn machen, müsste die Mehrwertsteuer um vier Prozentpunkte erhöht werden, die Berufstätigen müssten eine höhere Einkommenssteuer zahlen oder viele Unternehmen, auch die, die weniger Gewinn machen, Körperschaftssteuer. Vom aufmerksamen sozialdemokratischen Publikum erwartet Ude, dass es von nun bestens gewappnet in Debatten geht.

Ein rundum gelungener Abend

Ude ist aber nicht nur Oberbürgermeister und Kritiker von Schwarz-Gelb, sondern auch einer, der die SPD vorführt, wenn es sein muss und die CSU sowieso. Er besticht als Redner, Meister der Satire und talentierter Autor. Gleich, als er zum Bürgermeister gewählt wurde, hat Christian Ude seine „Verfrühten Memoiren“ niedergeschrieben. Den Konstanzern las der Münchner OB, der mitterweile mehrere Bücher verfasst hat, als Zugabe denn auch noch ein Kapitel aus seinem neuesten vor, dass erst noch erscheinen wird. Ob er auch dem Heckerhut eines Tages noch ein paar Sätze widmen wird? Die Verleihung des Heckerhuts gestern Abend war, so der Eindruck,  eine rundum gelungene Sache und Christian Ude, der viel Beifall für seinen Auftritt bekam, ist wahrlich ein würdiger Träger desselben. Die Konstanzer SPD, auch das sei noch angemerkt, ist nach der Bundestagswahl, so wie es aussieht, wieder näher zusammengerückt. Die Genossen freuten sich Seit‘ an Seit‘.

Fotos: Winfried Kropp

Ein Kommentar to “Solche Oberbürgermeister braucht das Land”

  1. dk
    25. April 2010 at 09:53 #

    @ den roten Hut des badischen Revolutionärs

    Man sollte die Persönlichkeit von Hr. Hecker mit seinen revolutionären Gedanken breiter darstellen: in Erinnerung blieb ein badischer Aufständischer, der von der Obrigkeit militärisch gestoppt wurde.

    Durch Medien ist durchgesickert das Bundestags-Abgeordnete (inkl. deren Büros) für ca. 1,5 Mio. Euro neue EDV-Ausstattungen (PCs, Drucker, usw.) erhalten sollen. Die alten Geräte sollen an Bundesbehörden verkauft werden.

    Tip:
    rote Krawatten und Hüte aus chinesischer Billig-Produktion als Image-Werbung für Konstanz in Südbaden verschenken.

    Nichts mit dem roten Mao hat es auf sich, dass im Flachgebiet Norddeutschlands über Jahrhunderte Bauverordnungen teilweise gleichblieben:
    kleine Hütten am Strassenrand, auf den 2 m zum Gehweg sind Blumen zu pflanzen, die Strassenseite ist mit Einheits-Klinker zu verschönern, die abgewandte Grundstücks-Seite kann beliebig genutzt werden; empfohlen wird Ackerbau als Zukunfts-Sicherung.

    Man erkenne den Grund, weswegen Revolutionäre eher eine süddt. Angelegenheit sind und Revolutionen dort etwas anders enden.

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