Stehen beim Konstanzer SÜDKURIER Jobs auf der Kippe?

Newsroom.de berichtet von angeblich massiven Einsparungen bei Mediengruppe Pressedruck – Konstanzer Zentralredaktion könnte laut Newsroom wackeln

Konstanz.  Nach einem Bericht des Portals newsroom.de plant die Mediengruppe Pressedruck  insgesamt zehn Millionen Euro in Verlag und Redaktion einzusparen. Diese Nachricht dürfte auch in Konstanz wie eine Bombe eingeschlagen haben und im Medienhaus im Konstanzer Industriegebiet Oberlohn für Unruhe sorgen. Denn zur Mediengruppe gehören neben der  „Augsburger Allgemeinen“ mit der „Allgäuer Zeitung“ auch der SÜDKRIER Konstanz und die „Main-Post“ Würzburg. 

Hohe Erwartungen vor einem Jahr

Vor fast genau einem Jahre hatte es noch wie eine Verheißung geklungen, als bekannt wurde, dass die Mediengruppe Pressedruck in Augsburg von der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck 51 Prozent der Anteile am Südkurier Medienhaus in Konstanz übernimmt. In einer Mitteilung hatte die Mediengruppe Pressedruck damals die Nachricht selbst verbreitet. Alexandra Holland, geschäftsführende Gesellschafterin der Mediengruppe Pressedruck und Herausgeberin der Augsburger Allgemeinen, erklärte im November 2011 selbstbewusst: „Wir sind sehr stolz, dass die Mediengruppe Pressedruck den Südkurier künftig gemeinsam mit der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck weiterentwickeln wird.“ Die Rede war von „Qualität“ und „Nähe“ und einer „erfolgreichen Zukunft“.

Geplatzte Träume in Konstanz

Die Hoffnungen auch im SÜDKURIER-Land waren groß. Der „Augsburger Allgemeinen“ eilte der Ruf voraus, eine sehr gut gemachte Regionalzeitung zu sein, vielleicht sogar eine kleine FAZ. Immer wieder wurde die Zeitung für die Nähe zu den Menschen und für das für eine Regionalzeitung außergewöhnlich kreative und ansprechende Layout gelobt. Doch der Mythos scheint zu verblassen. Die Hoffnung stirbt zwar auch in Konstanz immer zuletzt, die neuesten Meldungen aber dürften vor allem Anlass zur Sorge geben. newsroom-Chefredakteur Bülend Ürük berichtet auf dem Medienportal über Einsparungen, die auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Konstanzer SÜDKURIER betreffen könnten. Die Stimmung in Augsburg könnte, so beschreibt  es der Autor, jedenfalls nicht schlimmer sein als sie grade angeblich ist. So steht es wenigstens fast wörtlich in dem Beitrag, der vor zwei Tagen bei newsroom.de erschienen ist.

Krise der Papierzeitungen

Der Niedergang der Printzeitungen ging auch an der Mediengruppe Pressedruck nicht spurlos vorbei. Das dürfte niemanden überraschen. Newsroom.de berichtet, um „gegen die sinkenden Auflagenzahlen und massiven Anzeigenrückgänge anzukommen“, müsse alleine Chefredakteur Walter Roller bei der „Augsburger Allgemeinen“ in den kommenden drei Jahren 3,7 Millionen Euro einsparen. 37 Arbeitsplätze seien vorerst akut gefährdet.

Beunruhigende Nachrichten

Die Sparrunde aber gehe noch viel weiter, schreibt Bülend Ürük. Nach Informationen von newsroom.de sei auch der SÜDKURIER von den massiven Einsparungen betroffen. Das Portal berichtet, dass Verlagsdienstleistungen wie Buchhaltung, Personal oder Koordination angeblich zentral in Augsburg konzentriert werden sollen. Für den Standort Konstanz und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in diesen Abteilungen hieße das voraussichtlich nichts Gutes. Auch Redakteurinnen und Redakteure in der Zentralredaktion im Hause SÜDKURIER dürften angesichts solcher Nachrichten zunehmend beunruhigt sein und eher bang als zuversichtlich Nachrichten im Web lesen und in die Zukunft blicken.

Zweifel und Fragen

Schon längst müsste  manchem Redaktionsmitglied auch in Konstanz geschwant haben, dass es womöglich nur eine Frage der Zeit sein könnte, bis eine Mediengruppe auf die Idee kommt, dass es möglicherweise gar nicht nötig ist an all den verschiedenen Standorten jeweils Seiten wie Vermischtes, Weltnachrichten, Sport oder ein Feuilleton zu produzieren. Warum die Kräfte also nicht konzentrieren und Ausgaben für die Redaktion einsparen? Weniger mulmig dürfte es da nur den Lokalredakteuren sein, die schier krampfhaft versuchen, sich zu profilieren und immer öfter in den Lokalteilen den Anschein erwecken, veritable Skandale aufdecken zu müssen. Unfreiwillige Sparringpartner sind immer wieder Bürgermeister wie Claus Boldt in Konstanz, Bernd Gerber in Markdorf oder auch Oberbürgermeisterin Sabine Becker in Überlingen.

Nachgefragt im Medienhaus

Antworten die Zukunft der Verlags- und Redaktionsmitarbeiter in Konstanz betreffend kennen könnte mutmaßlich Rainer Wiesner, Geschäftsführer des SÜDKURIER. Sollten tatsächlich zeitnah Verlagsdienstleistungen wie Buchhaltung, Personal oder Koordination bei der Mediengruppe Pressedruck zentral in Augsburg konzentriert werden und in Konstanz diese Abteilungen reduziert oder sogar ganz gestrichen werden, müsste er wahrscheinlich bereits darüber informiert sein. Er müsste auch wissen, ob vorgesehen ist, Mantelseiten künftig möglicherweise nicht mehr in Konstanz zu produzieren und er dürfte auch darüber Bescheid wissen, ob in Zukunft ein Arbeitsplatzabbau in Konstanz geplant ist.

See-Online hat das Medienhaus SÜDKURIER heute Mittag um eine Beantwortung dieser Fragen gebeten. Wir berichten nach.

4 Kommentare to “Stehen beim Konstanzer SÜDKURIER Jobs auf der Kippe?”

  1. wak
    6. November 2012 at 21:05 #

    Newsroom.de hat noch einmal nachgelegt. Jetzt geht es um eine mögliche Kooperation zwischen dem SÜDKURIER und der Schwäbischen, von der aber die Schwäbische laut Beitrag nichts wissen will. Hier geht’s zum Beitrag. http://www.newsroom.de/news/detail/$HVGSLVDLHNNR/mediengruppe_pressedruck_schwbische_zeitung_zeigt_sdkurier_die_kalte_schulter

  2. Hans Paul Lichtwald
    7. November 2012 at 08:57 #

    Alles nur eine Frage der Zeit ( gewesen)? Schon bei der damaligen Übernahme durch Holtzbrinck musste man solche angestrebte „Synergieeffekte“ durch themenübergreifende Zusammenlegungen erwarten.
    Wer den aktuellen Fleiß mancher Redakteure sieht, spürt, was die Stunde geschlagen hat. „Print“ hat schwere Zeiten vor sich. Wer am Abend Sendungen in Privatsendern des Fernsehens gewusst anschaut, sieht, wo die Werbemillioren bleiben. Viele Tageszeitungen sind über die Jahre hinweg an der eigenen Arroganz gescheitert. Erst machte man sdich über Anzeigenblätter lustig, um dann selbst solche herauszugeben oder sich an deren Gewinnen zu beteiligen. Im Internet oder beim Privatfernsehen war oder ist das auch nicht anders. Zudem ist Konstanz nicht der Nabel der Welt. Ich habe immer wieder in der Öffentlichkeit gesagt, dass „Provinz“ im Kopf anfängt. Mit dem Phänomen muss sich jetzt die ganze Konzilstadt auseinandersetzen. Ihr Beitrag, Frau Kässer, heute möge ein Denkanstoß dazu sein.

  3. Andi M.
    7. November 2012 at 23:37 #

    Die gute Nachricht ist: Auch die Stelle des Online-Zensors wurde eingespart. Am Abend und am Wochenende kann man nun kommentieren wo man will (AUCH KRITISCH!) und es wird nicht gelöscht.
    Natürlich unter realistischem Namen.
    Nun, ich danke dafür!

  4. Hans Paul Lichtwald
    8. November 2012 at 10:47 #

    Na, wo bleiben die Blogger bei diesem Thema? Die Schweigsamkeit spricht nicht für eine allerseits gepflegte Medienkultur! Mehr Mut!

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