„Stillstand der Rechtspflege“ in Sachen Wolfgang Horn

Wie kann das sein: Mittellos, aber auf Weltreisen?

Konstanz (gro) Mit einer geharnischten Beschwerde geht Rolf Dittus gegen die Staatsanwaltschaft Mannheim vor, die im Ermittlungsverfahren gegen den des Millionenbetrugs verdächtigen Anwalt Wolfgang Horn einen „Stillstand der Rechtspflege“ zu verantworten habe. Horn, der den Beschwerdeführer vor drei Jahren um einen sechstelligen Euro-Betrag erleichterte, erklärte vor über einem Jahr an Eides statt seine Mittellosigkeit, hat aber tatsächlich ausreichend Geld für grosse Reisen, die ihn jüngst nach Abu Dhabi und Peking führten.

Horns Machenschaften im mdr-Fernsehen

Inzwischen hat der Mitteldeutsche Rundfunk (mdr) Leipzig/Dresden über die Machenschaften Horns berichtet. Noch immer unterhält Horn, der in Konstanz in der Seestrasse 1 und zuletzt in der Lohnerhofstrasse residierte, ein Anwaltsbüro in Radebeul. In dem Fernsehbericht bestätigt ein ehemaliger Kanzleipartner, dass es bei den Verfehlungen Horns um Millionenbeträge geht. Es sei „nicht nachvollziehbar“, kritisiert Dittus, dass Horn sich nach wie vor auf freiem Fuss befinde „und reisen kann, wohin er will“. Bei der Gelegenheit teilt Rolf Dittus der Staatsanwaltschaft das Ergebnis eigener Ermittlungen mit: dass Horn das Geld, das er ihm 2007 abgeluchst habe, nicht – wie behauptet – für eine Anlage benötigte, sondern dafür, persönliche Schulden bei einer Firma Ellerhold auszugleichen.

Dittus: „Gefahr betrügerischer Spielchen besteht weiter“

Horn wird beschuldigt, Mandantengelder veruntreut zu haben, Anleger betrogen und Kreditsuchende ausgenommen zu haben. Hinzu kommen Vorwürfe wie Urkundenfälschung und Täuschung der Justizbehörden. Umso unverständlicher findet es Rolf Dittus, dass Horn auf freiem Fuss bleibt und sogar anwaltlichen Geschäften nachgehen kann. Der betrogene Konstanzer Bauunternehmer macht die Staatsanwaltschaft in seiner Beschwerde darauf aufmerksam, dass Horn „mit der gleichen Masche“ seine betrügerischen Spielchen weiter treibt. So habe er im vergangenen Dezember mit der „getürkten“ Bescheinigung einer Trafalgar Bank Ltd. versucht, die Zwangsversteigerung seiner Privatwohnung im Westflügel der Villa Scholz zu verhindern.

Dem hochbetagten Vater 30.000 Euro abgeluchst

Die kriminelle Energie Horns sei nach wie vor virulent, sagt Dittus. Beweis dafür sei die Tatsache, dass der Anwalt unlängst seinen hochbetagten Vater um 30.000 Euro erleichtert habe, um bei der Zwangsversteigerung eines seiner hoch belasteten Anwesen in Sachsen mitbieten zu können. Horns Ehefrau habe schliesslich über eine Million für die fragliche Immobilie geboten, die Finanzierung aber nicht zustande gebracht und damit eine zumindest an Betrug grenzende Transaktion versucht, sagt Dittus. Der Vater habe die 30.000 Euro nicht zurück bekommen.

Hinweis auf den kriminellen „Wiederholungsnachweis“

Rolf Dittus wartet gegenüber der Staatsanwaltschaft Mannheim mit etlichen weiteren Details in der Sache Wolfgang Horn auf und stellt die Frage: „Wie kann es sein, dass dieser Mann weiter am Rechtsverkehr teilnimmt?“ Statt hinter Schloss und Riegel verwahrt zu werden. Denn Horn, dem nach der amtlichen Feststellung seiner Vermögenslosigkeit im April des vergangenen Jahres zunächst die Ausübung seiner Tätigkeit als Anwalt untersagt worden war, darf seit vergangenem Dezember – wenn auch mit gewissen Einschränkungen – wieder als Anwalt tätig sein. Und dies, obwohl von Horn nicht nur eine kriminelle Wiederholungsgefahr ausgehe, sondern auch ein „Wiederholungsnachweis“ längst und mehrfach vorliege.

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