Südkurier angeblich beste Regionalzeitung Deutschlands aber ohne Tarifvertrag für Redakteure

DJV schreibt wegen Arbeitsbedingungen beim Südkurier an Holtzbrinck und Adenauer-Stiftung

Berlin/Konstanz. Am kommenden Montag wird die Tageszeitung Südkurier als „beste Regionalzeitung Deutschlands“ ausgezeichnet. Vergeben wird die Auszeichnung von der Konrad-Adenauer-Stiftung. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hat anlässlich der bevorstehenden Auszeichnung des Südkurier durch die Konrad-Adenauer-Stiftung jetzt erneut einen Haustarifvertrag für das Blatt gefordert. In einem Brief an die Geschäftsleitung, die Adenauer-Stiftung und die Herausgeber forderte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken, den tariflosen Zustand der zu Holtzbrinck gehörenden Zeitung zu beenden. Dafür hatten auch Redakteure in den vergangenen Monaten gestreikt. Der Streik war aber in der Öffentlichkeit nur wenig beachtet worden.

DJV fordert bessere Arbeitsbedingungen

„Wenn die Zeitung nicht dem Flächentarifvertrag für alle Redakteurinnen und Redakteure angehört, dann muss es zumindest einen Haustarifvertrag geben, der Arbeitsbedingungen wie Entgelte der Journalisten verbindlich regelt“, heißt es in dem Schreiben des DJV wörtlich. Der DJV-Vorsitzende erinnerte daran, dass sich bereits seit Monaten die Beschäftigten des Blattes für einen Tarifvertrag engagierten.

Redaktion „verdiente“ Preis trotz schlechter Bedingungen

Die Journalistinnen und Journalisten des Südkurier „verdienten“ die Auszeichnung in doppelter Hinsicht: zum einen für ihren „guten Journalismus“, zum anderen dafür, dass sie ihn trotz des tariflosen Zustands umgesetzt hätten. „Wird eine Zeitung für ihren guten Journalismus ausgezeichnet, ist immer zu allererst die Redaktion gemeint. Denn es sind die Journalisten, die hartnäckig recherchieren, interviewen, Berichte verfassen. Aufgabe der Geschäftsführung eines Verlags ist es, die Rahmenbedingungen zu schaffen, die qualitativ hochwertigen Journalismus möglich machen.“

Verleihung mit großem Tamtam

Der Preis der Konrad-Adenauer-Stiftung soll dem Südkurier am kommenden Montag mit großem Tamtam verliehen werden. Eine Reaktion der Herausgeber Monika Schöller und Stefan von Holtzbrinck auf das Schreiben des DJV lag dem Deutschen Journalisten Verband bis Freitag noch nicht vor. Für einen Haustarifvertrag beim Südkurier haben sich, worauf der DJV aufmerksam macht, auch Landes- und Kommunalpolitiker in Baden-Württemberg ausgesprochen. Der Südkurier wird sich bei der Preisverleihung voraussichtlich in gewohnter Manier selbst beweihräuchern – die Mitarbeiter werden gezwungenermaßen Beifall klatschen und geladene Gäste dem Medienhaus huldigen und dem Anlass entsprechend Lobreden halten.

Tarifvertrag für andere Redakteure gilt nicht

Zeitungsverleger und Gewerkschaften haben sich in diesem Sommer auf neue Tarife für die Tageszeitungsredakteure – nur nicht für die des Südkurier – geeinigt. Gehaltskürzungen haben die Redakteure bundesweit noch einmal abgewendet. Der Gehaltstarif, den der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) mit den Gewerkschaften DJV und Verdi vereinbarte, hat für die Mitarbeiter des Südkurier aber keine Bedeutung. Der Südkurier ist aus dem Verband ausgetreten – auch um Personalkosten einzusparen.

Hier geht es zu einem Beitrag von dornroeschen.nu von Erich Gropper zum Thema Preisverleihung:

2 Kommentare to “Südkurier angeblich beste Regionalzeitung Deutschlands aber ohne Tarifvertrag für Redakteure”

  1. Hinterwäldler
    7. Oktober 2011 at 13:22 #

    Eine Tageszeitung, deren Onlineveröffentlichungen zu 90% aus Abschreibungen und Zusammenfassungen anderen Tageszeitungen besteht, ist immer hauptpreisverdächtig.

    Mal ein Beispiel:
    Zum Besuch des Papstes in Deutschland hat die Redaktion lauthals verkündet, das ein hochrangiger Journalist zur Sonderberichterstattung nach Berlin beordert wurde. Ich habe in der Onlineausgabe keinen einzigen Beitrag gelesen, der auf diesen SK-Journalisten zurück geführt werden konnte. Vermutlich hat es nicht mal für die Spesen gereicht.

    Lasst dem Unternehmen doch den Spass. Der Leser wird entscheiden ob er die Printausgabe noch möchte. Ich bedaure nur die ehrlichen Mitarbeiter dieser Zeitung und unterstütze sie bei ihrem Arbeitskampf.

  2. hans paul lichtwald
    7. Oktober 2011 at 13:49 #

    Zwei Dinge: Die Berichterstattung vom Papst-Besuch war ein eigenes Produkt. Um das zu beurteilen, muss man aber auch die Zeitung lesen und die Namenn kennen. Ansonsten ist die Kritik am Vorgang richtig. Nicht vergessen werden darf, dass Südkurier-Mitarbeiter und Redakteure jahrelang den Journalistenverband hier dominiert haben. Das Ergebnis ist ein berufspolitischer Scherbenhaufen. Die Adenauer-Stiftung macht das doch geschickt: Man zeichnet jemand aus, der ausgezeichnet werden will. Das sichert doch auf Jahre gute Werbung und PR – auch für die Partei?

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