Konstanzer Südkurier mit Bezahlschranke zur OB-Wahl

Heimatzeitung macht Inhalte im Netz kostenpflichtig – Infos über OB-Wahl ab 2,99 Euro

Konstanz. Jetzt probiert es auch die Konstanzer Heimatzeitung Südkurier mit einer Bezahlschranke. Wer sich bei Südkurier online über die Oberbürgermeisterwahl informieren will, soll 2,99 Euro zahlen. Neue Freunde dürfte sich die Heimatzeitung mit der Bezahlschranke im Web nicht machen.

Südkurier-Leser sollen zahlen

Auf der Website des Südkurier heißt es: Willkommen beim großen Online-Extra zur Konstanzer Oberbürgermeisterwahl! Zur Konstanzer Oberbürgermeisterwahl stellen wir exklusive Inhalte für Sie bereit. Zwei Artikelaufrufe sind für Sie kostenlos. Weitere Artikelaufrufe aus unserem Online-Extra erhalten Sie für einmalig nur 2,99 Euro und Sie verpassen keine wichtigen Informationen zur Oberbürgermeisterwahl in Konstanz. Für SÜDKURIER-Abonnenten ist dieser Service selbstverständlich kostenfrei. Nach der bequemen Registrierung können Sie alle Inhalte ohne zeitliche Begrenzung beliebig oft aufrufen, drucken und speichern.“

Gier nach höheren Einnahmen

Die Heimatzeitung reagiert mit dem Versuch, einen Bezahlbereich durchzusetzen, auf den dramatischen Auflagenverlust im Printbereich. Die Kostenloskultur im Netz bringt Verlage zusätzlich in die Bredouille. Einerseits möchten sie den Lesern im Web ein Angebot machen, andererseits müssen sie auch noch einen gewissen Aufwand betreiben. Die Einnahmen durch Online-Werbung sind derzeit meist noch überschaubar. Die Inhalte verwertet die Heimatzeitung übrigens doppelt und nutzt sie in der gedruckten Tageszeitung und im Web.

Kostenlos gibt’s den Lead

Wer die Story „Uli Burchardt will auf den OB-Sessel“ lesen möchte und schon mehr als zwei andere Beiträge angeklickt hat, bekommt kostenfrei nur noch den Lead zu lesen. „Neuer Kandidat im Rathauschef-Rennen: Der gebürtige Konstanzer und frühere Manufactum-Manager Uli Burchardt hat am Donnerstag seine Kandidatur erklärt“, heißt es da. Wer mehr wissen will, muss zahlen oder zum Beispiel bei See-Online weiterlesen.

Das Web braucht den Südkurier nicht

Damit, dass sie sich mit dem Bezahlmodell selbst ins Knie schießen könnten, rechnen die allwissenden Manager im Medienhaus Südkurier anscheinend nicht. Dass viele Nutzer bereit sein werden, 2,99 Euro zu zahlen, ist eher unwahrscheinlich. Schließlich zeigen sich die Kandidaten auch auf Facebook oder stellen eigene Websites online. Auch lokale Blogs informieren. Wichtige Nachrichten finden sich längst nicht mehr nur exklusiv auf gedruckten oder virtuellen Südkurier-Seiten. Wer sich vor der OB-Wahl über Persönlichkeiten und Inhalte informieren möchte, braucht dazu die Heimatzeitung längst nicht mehr. Mit der Bezahlschranke nimmt sich der Südkurier nur selbst aus dem Spiel.

Debatte über Kostenloskultur nötig

Statt Leser mit einer Bezahlschranke auszusperren, hätte das Medienhaus Südkurier auch einen anderen Weg gehen können und die Leser darüber aufklären, weshalb es nötig ist, dass es einen unabhängigen Journalismus gibt. Gerade auch in Wahlkampfzeiten ist das so. Der Südkurier hätte in diesen Wochen eine Debatte über die Folgen der Kostenloskultur im Web für den Qualitätsjournalismus anzetteln können. Die Heimtzeitung hätte zeigen können, dass sie verlässlich informieren und einordnen kann – und dass sie womöglich unentbehrlich ist. Auf diese Idee sind die schlauen Köpfe in der Max-Stromeyer-Straße aber anscheinend gar nicht gekommen.

6 Kommentare to “Konstanzer Südkurier mit Bezahlschranke zur OB-Wahl”

  1. Biograf
    11. Mai 2012 at 15:13 #

    Für eine ernsthafte Debatte sollte man zunächst vorsichtiger formulieren. Das Wort „Kostenloskultur“ ist längst zum Kampfbegriff geworden, mit dem vor allem versucht wird, alte, in digitalen Zeiten nicht mehr funktionierende Erlösmodelle, auf Teufel komm raus zu retten. Bezahlschranken fallen auch in diese Rubrik, denn sie sind nichts anderes als die Übertragung von analogen Modellen in das Web.
    Die meisten Nutzer sind sehr wohl bereit, für gute Inhalte auch zu zahlen. Die ersten klassischen Medien verkaufen inzwischen mehr digitale als Printausgaben (New York Times). Das setzt allerdings Vertrauen in den Qualitätsjournalismus des jeweiligen Mediums voraus. Ob die Leser dem Südkurier so viel Vertrauen entgegen bringen, darf bezweifelt werden.

  2. 0711er
    11. Mai 2012 at 16:28 #

    Ich lache mich tot. Der Südkurier trägt sich selbst zu Grabe. Das blöde nur: Keinen juckts. Erst der völlig missglückte Relaunch der Seite mit Einführung der Klarnamenpflicht und nun der Versuch für die 5 Artikel, die in der Woche selbst geschrieben werden Geld zu verlangen. Das meiste ist ja ohnehin schon von dpa und Reuters zusammenkopiert. Ist ja nicht so, dass die Leute nicht bereit sind unter Umständen für Premiuminhalte zu bezahlen, aber doch bitte nicht für diese drittklassigen, mit Rechtschreibfehlern übersäten Grundschulaufsätze. Grotesk.

  3. antares
    11. Mai 2012 at 18:03 #

    wak schreibt von „unabhängigen Journalismus“ und „Qualitätsjournalismus“ – im Zusammenhang mit dem „Südkurier“. Nun will wohl niemand den dort beschäftigten Journalisten zu nahe treten, aber da gibt es wohl einen unüberbrückbaren Gegensatz. Die Richtlinien ehemals aus Stuttgart, neuerdings aus Augsburg, früher von der Familie Weyl verhinderten einen unabhängigen Journalismus und tun das gegenwärtig und in Zukunft. Beleg dafür ist der wohl von oben verordnete Umgang mit der Linken, nur als Beispiel. Schreiberlinge, gewiesnert und gegängelt, können keinen „Qualitätsjournalismus“ produzieren. Grotesk wird das dort, wo Rabauken über „Gelegenheitsjournalisten“ herziehen. Wohlwissend vertuschend, daß zwischen Fasnachts- und Kleintierzuchtvereins-Berichterstattung sich die Gelegenheit zum Journalismus an der wohlwollenden Haltung der Herren Wiesner, Holtzbrinck oder Holland auszurichten hat.

    Zur „Bezahlschranke“ ist anzumerken, daß dieser Versuch, Online-Marketing zum Blühen zu bringen, bei SPON diskutiert wird, aus gutem Grund kontrovers. In welcher aussichtslosen Lage muß ein Internet-User sein, ausgerechnet dem heimattümeligen Marionettenjournalismus 2, nochwas zu überweisen?

  4. antares
    11. Mai 2012 at 18:12 #

    P.S.: Alexandra Holland ist natürlich eine Frau. Bitte den Lapsus zu entschuldigen.

  5. Fafnir
    11. Mai 2012 at 22:20 #

    Deswegen dieses Blog. Aber die 2,99 zahle ich trotzdem. Und einen Flattr gibt’s hier aber auch.

  6. Fafnir
    11. Mai 2012 at 22:25 #

    Deswegen dieses Blog. Die 2,99 zahle ich trotzdem. Wir stecken so viel Geld in eine dem Untergang gewidmete Solartechnologie, da kann ich auch ein paar Euro eine dem Untergang gewidmete Zeitung hinterherwerfen. Rettung von Unrettbarem ist ja im Moment ganz chic. Einen Flattr gibt’s hier aber auch.

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