Südkurier-Splitter: Konstanzer Oktoberfest-Sex und Überlinger Oberbürgermeisterin „verkaufen“ sich

Wirtschaftsverbund Überlingen (WVÜ) von „Akzent“-Aktion doch nicht überrascht – Blog dornröschen entdeckt Barbusige beim Südkurier

Konstanz/Überlingen. Zu einem Aufreger jazzte die Überlinger Heimatzeitung Südkurier am vergangenen Freitag eine im Magazin Akzent erschienene Sonderveröffentlichung „Auf Stadtführung mit der Stadtführung“ hoch, bei der die Überlinger Oberbürgermeisterin Sabine Becker ihre Stadt als Standort von Handels- und Dienstleistungsunternehmen präsentiert. Die OB tat es in einem Produkt, das mit dem Medienhaus Schwäbischer Verlag verbandelt ist. Der Südkurier stellte sie an den Pranger. In dieser Woche stehen nun ausgerechnet Saubermänner aus dem Medienhaus Südkurier selbst am Pranger, wenn auch in anderer Angelegenheit. Das Konstanzer Blog dornröschen berichtete am Montag, wie der Südkurier online neuerdings außer auf vermeintliche Skandale auch auf das Thema Sex setzt, um Leser zu gewinnen. 

Kampf der regionalen Medien-Giganten

Die Firmenbesuche der Überlinger Oberbürgermeisterin im Magazin Akzent hatten der Südkurier-Redaktion offenbar sehr missfallen. Die Redaktion sah sich jedenfalls berufen, einen vermeintlichen Skandal aufzudecken und fuhr schwere Geschütze oder auch Kronzeugen auf. Tatsache ist aber auch, dass das Magazin Akzent ausgerechnet zu den Trabanten des Schwäbischen Verlags gehört. Dies dürfte das Missfallen der Südkurier-Journalisten womöglich noch vergrößert haben. Denn der Anzeigenmarkt und die Anzahl der Leser von Printprodukten sind auch am Bodensee begrenzt. Die Leserzahlen vieler Lokalzeitungen schrumpfen.

WVÜ wusste doch von „Akzent“-Aktion

Anders als in der Heimatzeitung fälschlicherweise behauptete, unterstütze der Wirtschaftsverbund Überlingen (WVÜ) die Stadtmarketing-Aktion. Das stellte WVÜ-Vorsitzender Reinhard Haas am Montag klar. In Überlingen rückten Stadt und Wirtschaftsverbund Überlingen (WVÜ) in einer gemeinsamen Presseerklärung erst einmal zurecht, was die Heimatzeitung am Freitag irrtümlich berichtet hatte. Wo der Fehler lag, ist unklar. Vielleicht hatte Reinhard Haas der Zeitung spontan eine unrichtige Auskunft gegeben.

Stadt und WVÜ stellen klar

Der Vorsitzende des Wirtschaftsverbunds Überlingen e.V., Reinhard Haas, und die Oberbürgermeisterin der Stadt Überlingen, Sabine Becker, nahmen jedenfalls am Montag zur Überlinger Werbeaktion im Magazin Akzent vom September 2012 in einer gemeinsamen Mitteilung Stellung. In der Medienmitteilung stand zu lesen: „Die im Südkurier vom 14.09.2012 abgedruckte Aussage des 1. Vorsitzenden des Wirtschaftsverbund Überlingen e.V. Reinhard Haas, dass der Wirtschaftsverbund WVÜ in die gesamte Werbeaktion ,Akzent‘ Magazin vom September 2012 nicht eingebunden war, stimmt nicht. Tatsächlich wurde diese Stadtmarketingaktion in der WVÜ Vorstands- und Beiratssitzung am 22.05.2012 vorgestellt und besprochen. Anwesend dabei waren auch das für Aktionen zuständige WVÜ Vorstandsmitglied Sabine Bornberg sowie der 1. Vorsitzende Reinhard Haas. WVÜ Vorstand und Beirat begrüßten diese zusammen mit dem Akzent-Verlag vorgesehene Stadtmarketingaktion.“ Weiter teilen WVÜ und Stadt mit: „Oberbürgermeisterin Sabine Becker wurde über dieses Ergebnis informiert und erklärte sich daraufhin bereit, diese Stadtmarketingaktion des Akzent-Verlag und des WVÜ mit zu unterstützen.“ Soweit zu dem, was in Überlingen wohl wirklich geschah.

Playmate auf Südkurier online

Ähnlich anstössig wie der Überlinger Südkurier die Marketing Aktion der Oberbürgermeisterin im Akzent fand, findet das Blog dornröschen wiederum, dass der Südkurier auf seinen Seiten „die Hüllen fallen lasse“ und barbusige Playmates zeigt. Unter dem Titel „Wiesn-Playmate: Naturschönheit Kathrin in den Alpen“ stimmt der Südkurier sozusagen unisono mit dem „Playboy“ schon einmal auf die Oktoberfestzeit ein, die demnächst in München und Konstanz anbricht.

Sex als letztes Mittel

Dornröschen schreibt: „Auf der Suche nach dem verlorenen Leser greift die Heimatzeitung zum letzten Mittel. Mit nackter Haut, wohlgeformten, blanken Busen und in Bier badenden jungen Frauen wird ebenso um Aufmerksamkeit gebuhlt wie mit aufklärerischen Berichten über den tieferen Sinn sexueller Erregung bei Frauen.“ Sex sells.

Nicht nur hehrer Journalismus

In beiden Fällen – im Überlinger Skandalbericht, bei dem allerdings eine durchgängig vollständig bekleidete Oberbürgermeisterin auftrat, und in der Schmuddelecke der Heimatzeitung – geht es anscheinend um Dasselbe. Die Heimatzeitung bemüht sich auf allen Kanälen darum, für möglichst viele Leser attraktiv zu sein. Sie wirbt  – mit einer durch den Kakao gezogenen Oberbürgermeisterin oder Playmates – an jedem Erscheinungstag neu um Leser und Klicks . Dahinter stehen knallharte wirtschaftliche Interessen, wie sie auch Zeitungsverlage verfolgen. Längst geht es in Überlingen oder auf Portalen nicht mehr nur um hehren Journalismus, sondern auch um Zahlen und um den täglichen Kampf in einer sich verändernden Medienwelt. Die nicht weniger spannenden Geschichte hinter der Geschichte erzählen die Redaktionen ihren Lesern aber meistens nicht so ausführlich.

5 Kommentare to “Südkurier-Splitter: Konstanzer Oktoberfest-Sex und Überlinger Oberbürgermeisterin „verkaufen“ sich”

  1. dk
    19. September 2012 at 20:16 #

    Wahrscheinlich wird Frau OB Becker noch einen Teilzeitjob als „Nanny“ anstreben: über einige Ecken habe ich gehört, dass junge Leute von ÜB nach KN umziehen möchten und ihren Job in ÜB behalten wollen.
    Begründung: „in KN ist immer was los“ (offizielle Version). Von „Sex, Erotik und Crime“ als Motivation wurde mir nichts berichtet.

    • wak
      19. September 2012 at 21:10 #

      @dk Selten so etwas Weltfremdes gelesen. In Konstanz gibt es keine Wohnungen und in Überlingen eine sehr gute Kleinkinderbetreuungsquote. Und wer will schon jeden Tag 2 Stunden auf der Straße verbringen?

  2. dk
    19. September 2012 at 23:09 #

    Es soll Einzelfälle geben, wo Personen aus KN aus beruflichen oder privaten Gründen wegziehen. Bei diesem mir zugetragenem Gerücht wurde eher eine Fahrgemeinschaft im bestehenden Freundes- und Bekanntenkreis erwähnt. Wie lange dieser Pendelverkehr dauern wird oder soll, wurde nicht genannt.
    Die Betroffenen interessieren sich eher nicht für den Kulturbereich, sondern für die Disco-Szene von KN bis Singen, Shopping und sonstige Freizeitangebote; der Aspekt „Kleinkinderbetreuung“ wurde nicht erwähnt, dürfte aber (noch) keine Rolle spielen.

    Ist man weltfremd, wenn Andere dem Ruf eines erfolgreichen Stadtmarketings folgen?
    Meine Aussagen kommen mir relativ plausibel vor: zumal es dank Hochschulen eine vergleichsweise junge Bevölkerung gibt; Modernität ist, wenn es in KN nicht nur Mittelalter-Fans gibt.

    • wak
      20. September 2012 at 07:49 #

      @dk In Konstanz fehlt bezahlbarer Wohnraum. Dass junge auch viele andere Leute größere Städte vorziehen ist klar, aber darum ging es in dem Beitrag nicht.

  3. dk
    20. September 2012 at 14:27 #

    Die Akzent-Ausgabe hat 116 Seiten und besteht überwiegend aus kürzeren Einzelartikeln; für Überlingen werden 20 Seiten verwendet. Es entsteht der Eindruck von einer vielseitigen Einkaufsstadt mit sympathischen Ladengeschäften, wovon nicht nur die einzelnen Werbenden Vorteile haben. In Konstanz hätte man wahrscheinlich eher die „Imperia“ als Logo auf jeder Seite eingeblendet.

    die Ausgabe
    http://bewegungsmelder.de/eBook/Akzent/Akzent0912_GB/flash.html#/1/
    der Verlag
    http://www.akzent-magazin.com/

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