Sven Zylla will Oberbürgermeister in Konstanz werden

44-Jähriger mit SPD Parteibuch startete in den Wahlkampf – Erste Pressekonferenz im Café Wessenberg

Konstanz. Der 44-jährige Verwaltungswissenschaftler Sven Zylla will Oberbürgermeister in Konstanz werden. Am Dienstagnachmittag hat er sich in Konstanz bei einer Medienkonferenz im Café Wessenberg zum ersten Mal öffentlich vorgestellt. Der OB-Kandidat hat in Konstanz studiert und arbeitet heute als Regierungsdirektor im Ministerium für Arbeit, Gleichstellung und Soziales in Mecklenburg-Vorpommern.

Vorteil Unterstützung einer Partei

Wochenlang suchten die so genannten bürgerlichen Parteien nach einem geeigneten Bewerber. Ausgerechnet die SPD hat jetzt einen Bewerber gefunden, der nicht nur die Befähigung hat, Oberbürgermeister zu werden, sondern auch noch die Unterstützung einer Partei. Am Ende könnte das den Ausschlag geben. Sven Zylla trat bei seiner ersten Medienkonferenz schon einmal sehr gut gebrieft auf. Auch Unterschriftenlisten hatten die Wahlkampfhelfer gleich mitgebracht.

Den Kandidaten juckt’s

„Herzlich willkommen“, sagte Sven Zylla und teilte den Journalisten mit, dass er am Dienstag seine Bewerbung im Rathaus abgegeben hat. Der Regierungsdirektor wirkte entschlossen. Sein Ziel heißt Konstanz. Seit mehr als elf Jahren arbeite er in der Verwaltung, sagte Zylla. Seine Erfahrung aus Politik und Verwaltung und seine Herkunft sprachen aus seiner Sicht für die Kandidatur. Zylla sagte: „Das passt.“ Konstanz suche einen politischen Verwaltungschef. Für Zylla ist klar: „Mich juckt’s.“ Im April begannen die Gespräche. In den kommenden Wochen wohnt er bei einer Genossin hier in Konstanz – und er hat, was sicher hilfreich ist, auch noch viele Bekannte und Freunde in der Stadt.

SPD unterstützt Wahlkampf finanziell

Mit der Findungskommission der SPD, dem Ortsvereinsvorstand und der Fraktion habe er sehr seit April konstruktive, gute Gespräche geführt. Auch, was die Wahlkampfkosten angeht, sieht es für den SPD-Mann ganz gut aus: Die SPD habe Rücklagen gebildet und wolle den Wahlkampf auch finanziell unterstützen, sagte Hanna Binder, die Mitglied in der Findungskommission war. Außerdem hofft der Kandidat auf Spenden.

Drei große Themen für Konstanz

Als wichtigste Themen nannte er: Soziales Miteinander, Wohnen und Verkehr. Konstanz betrachtet er als eine spannende Stadt. Zylla sprach von Bodenständigkeit und Weltoffenheit. Zum Verkehr fiel ihm ein: „Konstanz zieht an“. Es müsse eine Lösung mit dem Einzelhandel und den Menschen geben. Zylla streifte eine mögliche Bebauung auf dem Döbele und den Mobilitätsplan. Berührungsängste mit anderen Parteien hat der Kandidat nicht: Zylla sagte, er habe schon unter rot-grün und unter großen Koalitionen gearbeitet. Sven Zylla ist einer, der außerdem schnell lernt und sich taktisch klug und auch nicht vorschnell festlegt. Zur Frage nach der Citymaut sagte er: Nicht jetzt. Das müsse man im Gesamtkontext überlegen. Was Zylla von den Schaumschlägern der vergangenen Wochen unterscheidet, ist dass er, auch wenn er vage bleibt, nicht nur Phrasen drischt.

Wahlprogramm umrissen

Beim Thema Wohnen redet der SPD-Mann selbstverständlich über Miet- und Eigentumswohnungsbau, von bezahlbarem Wohnraum und der Wobak. Beim sozialen Miteinander sei Konstanz schon sehr weit. Zylla redete über Kinderbetreuung und Schulen. Dass die Betreuungssituation und das Wohnen auch für den Standort Konstanz eine wichtige Rolle spielen, habe er im Gespräch mit Arbeitgebern erfahren. Zylla vergisst den demografischen Wandel bei seiner Vorstellung nicht und erwähnt auch gleich noch die Fastnacht. Kreuzlingen und den Nachbargemeinden will er Signale geben.

Bürgerschaftlich engagiert

Sven Zylla hat sich früher in der DLRG-Jugend engagiert. Er war Mitglied in Vereinen und sogar Gemeinderat in Gailingen am Hochrein. Die Liste war grün-rot, sozialdemokratisch und ein bisschen BUND. Konstanz, sagte er, sei eine Stadt, in der er sich wohlfühlen und leben möchte. Mindestens genauso wichtig: Seine Frau, eine Usbekin, könnte es sich auch vorstellen.

Zylla sucht nach Mehrheiten

Sein Ziel sei es nun, über seine politische Heimat hinaus mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Am Montagabend sprach er mit den Freien Wählern. Das Gespräch sei sehr konstruktiv gewesen. Er werde die Gespräche fortsetzen – auch mit allen anderen Fraktionen. Sven Zylla versprach einen intensiven, engagierten Wahlkampf. Viele Gespräche, auch mit Multiplikatoren, hat er schon geführt. In der kommenden Woche muss er noch einmal nach Schwerin. Die restliche Zeit kämpft er in Konstanz.

Sven Zylla mit auf der Pole

Der 1,83 Meter Mann hat es aus dem Stand in die erste Startreihe geschafft. Dort steht bereits Sabine Reiser, die als unabhängige Kandidatin antritt aber bisher keinerlei Unterstützung aus einer Partei erhalten hat. Mehrere Szenarien sind, seit Sven Zylla seine Kandidatur erklärt hat, nun vorstellbar: Sabine Reiser (CDU) und Sven Zylla (SPD) sprechen dieselben Milieus an und Sabine Seeliger (Grüne) profitiert. Oder aber das grün-rote Wählerpotenzial wählt Sven Zylla oder Sabine Seeliger, die Stimmen splitten sich und Sabine Reiser profitiert. Weil eine Oberbürgermeisterwahl vor allem aber eine Persönlichkeitswahl ist, könnte es auch sein, dass die Parteizugehörigkeit gar keine große Rolle spielt. Dann kommt es nur darauf an, wer bei den Menschen am besten ankommt.

Roter Stuhl steht

Fest steht aber bereits heute, die bürgerlichen Parteien haben durch ihr Zaudern den SPD-Mann Zylla ermuntert, in Konstanz anzutreten. Hätten sich die Bürgerlichen vor zwei oder drei Wochen hinter Sabine Reiser gestellt, hätte sich wohl jeder SPD-Bewerber überlegt, ob er sich noch zwischen den bürgerlichen und den grünen Stuhl setzen will. Sven Zylla hat nun selbstbewusst seinen roten Stuhl dazwischen gestellt.

3 Kommentare to “Sven Zylla will Oberbürgermeister in Konstanz werden”

  1. Carl
    16. Mai 2012 at 07:43 #

    Nun, mal schauen ob er Erfolg hat. Ich bin mal durch Konstanz mit dem Auto gefahren und muss sagen, das Thema Verkehr ist ein sehr grosses Thema. Für manche Bewohner ist das sicher stressig.

  2. Wo.Becker
    16. Mai 2012 at 08:04 #

    Wieso muss man immer nur an das Blechle denken.

    Von Fahrrad aus sieht man viel mehr und
    auch der Blick durch die Scheiben eines Busses ermöglicht dieses.
    Im Bus kann man dann auch so mach eine lustige Geschichte aus, über die Stadt vernehmen.

    Bin sicher, ein Teil des indirekten Wahlkampfes wird im ÖPNV stattfinden.
    Auf der Linie 4 sicherlich, denn diese ist Morgens, Mittags und Abends übervoll.

    Wie wäre z:B. es mit einem eigenen Bus für die Mainaugäste, denn sie machen zu bestimmten Zeiten an die 70% der Fahrgäste aus.

  3. dk
    20. Mai 2012 at 15:09 #

    Als wichtigste Themen nannte er: Soziales Miteinander, Wohnen und Verkehr.

    Der Kandidat sollte deutlicher herausstellen, dass alle 3 Begriffe auch mit dem Thema „Wirtschaft“ positiv verbunden sind, sozusagen als fördernde Voraussetzungen.

    Allerdings scheinen mir Bundesländer wie Schleswig-Hostein und M-Vorpommern vom Denken eher sehr weit von Börsen entfernt zu sein. Eher ist in grossflächigen agrarischen Regionen ein bodenständiges gesamtheitliches Denken zu finden, dass sowohl konservative als auch soziale und ökologische Gedanken verbindet, allerdings nicht auf Wunsch von Parteien, sondern als Meisterung von Randbedingungen der Natur und Gesellschaft.

    Als Bsp. für „diese Kultur“ möchte ich ein ehem. SED-Mitglied beschreiben, der als Bauingenieur für die LPG riesige landwirtschaftliche Anlagen durchführte, aber auch für und mit Freunden (auch für befreundete Arbeitnehmer) „ehrenamtlich“ Garagen und Häuser baute, einen eigenen beträchtlichen Spargel-Acker bewirtschaftete, zu bestimmten Terminen ein paar sozialistische Vokabeln zu einer kurzen offiziellen Ansprache verarbeitete, immer wieder für Monate die Bauverwaltung (ohne Ärmelschoner) leitete, wegen Nichtverzichts auf Westkontakt noch kurz vor der Wende an die polnische Grenze versetzt wurde und nach der Wende als Vertreter einer West-Firma das ganze Bundesland bereiste, um Verträge über Gastanks mit Zubehör zu verkaufen. So erfolgreich, dass er nach kurzer Zeit in der Firma zum besten Vertreter im ganzen Bundesgebiet aufstieg und vom Arbeitgeber regelmässig 1-Wochen-Urlaube für 2 Personen nach Österreich und Südtirol geschenkt bekommen hatte. Mit 65 Jahren wurde er entlassen: leider, er wollte gerne bis 75 Jahre weiter durch das BL erfolgreich reisen. Heute renoviert bzw. baut er eher Häuser von Verwandten und Freunden um und besucht eher seltene weit entfernte Kameradentreffen oder drinkt ein Bier mit der Dorfjugend.
    Zum Jahreswechsel habe ich mich für einen Foto-Kalender seiner Stadt bedankt. Auf „da hat sich viel geändert“ hat er geantwortet „es ist klar, woher das Geld kam“. Darauf ich: „viele Leute haben kostengünstigst sehr lange und dabei sinnvolle Arbeit gehabt.“ Die DDR-Hymne „auferstanden aus Ruinen“ wäre aus verschiedensten Gründen völlig fehl am Platz: es wurden nur normale (eingefärbte) Betonpflaster verbaut, Ruinen abgerissen bzw. alte öffentliche Bauten benutzbar gemacht, was einen Kalender der „sozialen Wirtschaftlichkeit“ als Ergebnis ergab.

    Ein anderer Kandidat, der wegen fehlender Förderung von Parteien, seinen Rückzug erklärt hatte, äusserte als wichtiges Ziel, eine „Willkommens-Kultur“ zu schaffen. Da Konstanz inzwischen nicht nur Partnerstädte in West-, sondern auch Osteuropa hat, wäre es wünschenswert, dass sich die Stadt auch für diese „heimatlich“ zeigen würde (also den Begriff „Region“ bzw. „Heimat“ etwas weiter auslegt). Bei einem grossen, farblich eher unauffälligem Werbeplakat an der 4-spurigen Durchgangsstrasse im Industriegebiet konnte man lesen, dass die Schweiz nach Krankenschwestern sucht. Ich würde heute Heimat minimalistisch definieren als „überall wo es Gastfreundschaft gibt“. Vielleicht wähle ich doch noch.

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