Take-off in Konstanz: Abheben von der Graspiste

Im April fällt die Entscheidung über Verkehrslandeplaz in Konstanz

Konstanz. Aus der Vogelperspektive sieht der Bodensee anders aus. In wenigen Wochen fällt in Konstanz die Entscheidung über die Zukunft des Verkehrslandeplatzes mit seiner Graspiste. Piloten und Geschäftsreisende, unter ihnen auch Formel 1 Weltmeister Sebastian Vettel, würden ihn vermissen. Dass die Piste Gewerbefläche werden könnte, ist für die, die den Betrieb kennen, unvorstellbar. „Es ist ein veränderter Blick“, sagt die Pilotin Helga Schönfeld. Ach ja, Friedrichshafen ist nur drei oder vier Flugminuten entfernt. 

Cessna 414 A im Landeanflug

Am Donnerstagmorgen schwebt wieder einmal ein dicker Brummer ein. So kündigt einer das Flugzeug an. Die Cessna 414 A nähert sich der Graspiste. Von weitem sieht sie eher mickrig aus, später dann schnittig wie ein Porsche vielleicht. Pilot Alfred Filsecker meldet sich beim Tower, als er gerade die alte Rheinbrück überfliegt. Die Maschine kommt am Morgen aus Zell am See in Österreich. An Bord ist ein Geschäftsmann. Direkt an der Piste wartet ein Auto auf ihn. Ruckzuck ist der Passagier auf dem Weg in die Stadt.

Veränderte Perspektive

Im Tower sitzt Helga Schönfeld. Später startet sie mit ihrem Ultraleichtflugzeug zu einem Rundflug. Sie sagt, dass von oben die Welt sehr klein aussieht und vieles unwichtiger erscheint. Fliegen verändert die Perspektive. Das ist so. Die Pilotin ist überzeugt, dass Abheben sogar gegen Depressionen hilft, die Welt einmal von oben anzuschauen eröffnet neue Perspektiven. Und fliegen, sagt sie, sei auch nicht teurer als Skifahren. Eine Stunde mit dem Ultraleichtflugzeug kostet 100 Euro. Viele Urlauber gönnten sich eine Rundflug. Andere fliegen an den Bodensee, weil es hier schön ist. 400 oder 500 Kilometer kann ein Ultraleichtflieger einfach so zurücklegen.

Umwegrentabilität des Flugplatzes

Der Österreicher Alfred Filsecker steht im Tower und trinkt einen Becher Kaffee. Er fliegt regelmäßig Geschäftsleute nach Konstanz. Mit dem zweimotorigen Propellerflugzeug landet er gern auf der Graspiste. Das BootCenter ist nur ein paar Hundert Meter vom Flugplatz entfernt. Einige seiner Passagiere – mehr als ein Dutzend – seien nach Konstanz gekommen, um eine Yacht zu kaufen, sagt der Pilot. Überhaupt die Umwegrentabilität des Flugplatzes – viel zu wenig werde darüber geredet. Wenn sie nur an die Taxifahrer denke, sagt Helga Schönfeld.

Entfernungen schrumpfen

Friedrichshafen ist drei oder vier Flugminuten von Konstanz entfernt – falls er ausweichen müsste. Die Reise über den See würde eine Stunde dauern. Nur so zum Vergleich: In zwei Stunden wäre Filsecker von Konstanz aus in Hamburg und in 15 Minuten in München. Der Konstanzer Flugplatz sei sehr kooperativ auch außerhalb der Öffnungszeiten, sagt er. Bis ein Businesskunde den Züricher Flughafen verlassen habe, würde es eine Stunde dauern – in Friedrichshafen wäre es eine halbe Stunde. Außerdem müssten Zeiten eingehalten werden. Niemand möchte deswegen dort landen, sagt der Pilot über seine Passagiere.

Graspiste reicht

Mit der Graspiste hat der Pilot keine Probleme. Die Startbahn ist 760 Meter lang und die Landesbahn 615 Meter – das liegt an der Mindesthöhe über den Häusern, die einfliegende Flugzeuge einhalten müssen. Um starten zu können, muss Filsecker die Cessna 414 A auf 150 Stundenkilometer beschleunigen. 2000 Kilometer weit könnte er fliegen. Die Reisegeschwindigkeit liegt zwischen 300 und 400 Kilometer in der Stunde.

Piste besser geworden

16.000 Flugbewegungen gibt es in Konstanz jedes Jahr, sagt Robert Leitner, der Helga Schönfeld im Tower ablöst. Die Piste, sagt er, sei viel trockener geworden. Das hänge mit den Bauarbeiten an der B 33 zusammen – der Riedgraben ist wieder frei und das Wasser läuft ab.

Foto: wak/ Video: Rangiroabluesky Mediathek

httpv://www.youtube.com/watch?v=ZHWAk4nW8iE

 

2 Kommentare to “Take-off in Konstanz: Abheben von der Graspiste”

  1. maximilian.s
    24. März 2011 at 21:20 #

    Der Flugplatz in Konstanz ist eine große Bereicherung für die Stadt und die dort lebenden menschen im umkreis. Konstanz kann froh sein über den tollen Flugplatz, denn er macht Konstanz als Touristenstadt noch viel attrktiver.
    Ich weiß dass nur zu gut, da ich auch selber fliege und den Segelflugschein mache. Die Landschaft ist wunderschön dort oben und es wäre äüßerst schade,wenn ich das nicht mehr genießen könnte in Konstanz starten zu dürfen. Ich kann es jeden empfehlen, das fliegen zu lernen und große Freiheit erleben zu dürfen.

    Maximilian S. 15 Jahre

  2. Julian S.
    25. März 2011 at 11:25 #

    Für den Erhalt des Flugplatzes

    Ich bin in den letzten Zügen meines Studiums in St. Gallen und überlege mir anschliessend meinen Wohnsitz nach Konstanz zu verlegen, da ich in meiner Freizeit am liebsten Fliege. Aus diesem Grund beobachte ich die Entscheidung über die zukünftige Verwendung des Konstanzer Flugplatzgeländes gespannt.

    Bei einer Entscheidung gegen weiteren Flugbetrieb würde ich jedoch nach Freiburg i. Br. ziehen. Natürlich wird mein Einzelfall die Entscheidung der Konstanzer Politiker nicht beeinflussen, jedoch sollten sich die Damen und Herren darüber im Klaren sein, dass Konstanz viele weitere Unternehmen und Bürger mit einer Entscheidung gegen den Flugplatz verärgern oder gar vertreiben könnte.

    Die Unternehmen die sich bereits in Konstanz angesiedelt haben, geniessen die Vorzüge des Flugplatzes, wie in obigem Artikel geschildert. Einen bestehenden Standortvorteil einfach so aufzugeben, in diesem Falle müsste man m.E. eher von „wegschmeißen“ sprechen, wäre äußerst töricht. Insbesonders vor dem Hintergrund, dass in Deutschland kaum neue Flugplätze entstehen und andere Städte und Kommunen mit größten Hürden und Hindernissen zu kämpfen hätten, um einen Flugplatz einrichten zu dürfen.

    In der Hoffnung darauf dass Konstanz einen Teil seiner Tradition und Identität bewahren kann und ich persönlich mein Zuhause in Konstanz finden kann, warte ich nun auf die Entscheidung der Konstanzer Politik.

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