Taximord-Prozess: Dolmetscher für Russlanddeutschen im Gerichtssaal

Pflichtverteidiger: Mandant fängt an zu begreifen – Angeklagter kommt täglich im Einzeltransport nach Konstanz

Taximörder-Anwalt Klaus FrankKonstanz. Heute Morgen um 9 Uhr beginnt der Taximord-Prozess vor dem Konstanzer Landgericht. Der Angeklagte wird zweier grausamer Verbrechen an zwei Taxifahrerinnen in Singen und im Bodenseekreis beschuldigt. Die Taten ereigneten sich an aufeinanderfolgenden Tagen. Eine Taxifahrerin überlebte. Sie ist heute schwerbehindert. Das zweite Opfer starb, nachdem sie ihren Mörder ahnungslos zuerst noch zur Insel Mainau und wieder zurück gefahren hatte.

Einzeltransport an den Bodensee

Der Angeklagte, ein Russlanddeutscher, wird von heute an täglich mit einem Gefangenentransporter von Hohenasperg nach Konstanz gefahren und in den Gerichtssaal gebracht. In die Justizvollzugsanstalt Konstanz muss der Angeklagte nicht zurück. Der Grund: In der U-Haft in Konstanz war er nach seiner Verhaftung Repressalien von Mithäftlingen ausgesetzt.

Angeklagter spricht Russisch

In der vergangenen Woche hatte Pflichtverteidiger Klaus Frank den Angeklagten noch einmal in Hohenasperg besucht. Sämtliche Gespräche führte der Konstanzer Strafverteidiger mit seinem russisch sprechenden Mandanten mit Hilfe eines Dolmetschers. Auch während der Verhandlung wird ein Dolmetscher übersetzen.

Psychiatrie statt Gefängnis

Der Konstanzer Strafverteidiger Frank sagte, wenn die Schuld seines Mandanten festgestellt werden sollte, werde es darum gehen, zu klären inwieweit er schuldfähig sei. Im Falle, dass der Angeklagte verurteilt würde, würde sich der Anwalt wünschen, dass sein Mandant nicht in den normalen Strafvollzug käme, sondern psychiatrisch untergebracht würde. Er sagte, in der Psychiatrie könnte sich der Russlanddeutsche mit seinem Problem auseinandersetzen und damit beginnen, die Taten aufzuarbeiten. Sollte er dann jemals wieder auf freien Fuß kommen, wäre sicher gestellt, dass er keine Gefahr mehr für die Gesellschaft wäre.

Schwerbehindertes Opfer sagt nicht in Konstanz aus

Nach Aussage des Verteidigers beginne der mutmaßliche Taximörder gerade die Tragweite der Taten zu begreifen. Offenbar sei dem Angeklagten mittlerweile bewusst, dass sein erstes Opfer schwerbehindert ist. Frank sagte, die zum Tatzeitpunkt 44-jährige Taxifahrerin, die in Singen mit einem Messer niedergestochen und vergewaltigt worden war, werde noch immer in einem Krankenhaus behandelt. Dort sei sie auch vernommen worden. In Konstanz aussagen werde sie nicht. Die zweite Taxifahrerin, eine alleinerziehende Mutter, ist tot.

Pflichtverteidiger gibt Interviews

Das Medieninteresse an dem Fall ist gewaltig. Klaus Frank sprach von sechs Fernsehteams und mehr als 30 Pressevertretern, die berichten wollten. Er gab vor Beginn des Prozesses mehrere Interviews, darunter auch den öffentlich-rechtlichen Sendern. „Das Interesse ist größer als ich es erwartet habe“, sagte Frank am Vortag des ersten Prozesstages. Verhandelt wird voraussichtlich heute, am Mittwoch und Donnerstag. In den folgenden Wochen gibt es laut Anwalt dann jeweils zwei Verhandlungstage.

Hier geht es zu einem Beitrag zum selben Thema, der vor wenigen Tagen erschienen ist.

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