Taximord-Prozess: Öffentlichkeit ausgeschlossen

Verteidiger Klaus Frank beantragte Gutachten des Sachverständigen unter Ausschluss der Öffentlichkeit vorzutragen

Konstanz. Beim Konstanzer Taximordprozess ist die Öffentlichkeit heute Mittag ausgeschlossen worden. Während des Vortrags des 63-jährigen Gutachters tagt das Gericht unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Das hatte Pflichtverteidiger Klaus Frank so beantragt. Das Gericht stimmte zu, da der Angeklagte möglicherweise am Ende des Prozesses in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen werde.

Angeklagter wollte Mutter töten

Am Vormittag hatte der Angeklagte gesagt, dass er nach seiner Rückkehr aus Russland ursprünglich seine Mutter töten wollte. Das sagte der Gutachter, der stundenlang mit dem Angeklagten im Justizvollzugskrankenhaus in Hohenasperg geredet hatte, am Vormittag in öffentlicher Verhandlung als Zeuge aus. Weiter habe der Angeklagte gesagt, dass er auch gegenüber seiner Ex-Freundin Tötungsabsichten hatte. Er verschonte sie offenbar nur, da sie mittlerweile Mutter ist. Geäußert hatte sich der mutmaßliche Mörder ausschließlich gegenüber dem Mediziner. Vor Kripobeamten und dem Gericht schweigt er.

Mutmaßlicher Mörder galt als gesund

Der Schutz des Angeklagten wird am Nachmittag bei der Präsentation des medizinischen Gutachtens höher bewertet als das öffentliche Interesse. Verlesen wurde am Vormittag lediglich die Strafliste des Angeklagten. Auffällig war er vor allem wegen Diebstählen. Er entwendete vor allem Bekleidung. Wenig aufschlussreich war auch das Verlesen von Krankenunterlagen, die doch noch aus Russland eintrafen. In einer Strafkolonie wurde der mutmaßliche Mörder mehrfach untersucht. Die Diagnose lautete im wesentlichen, er sei gesund. Der Sachverständige sagte vor Gericht, er halte die Diagnose Oligophrenie für falsch. In russischen Schulunterlagen war dem Taximörder Schwachsinn attestiert worden. Sämtliche Details der bestialischen Verbrechen, die der schweigende Angeklagte an den beiden Taxifahrerinnen in Singen und Hagnau begangen haben soll, wurden an den ersten Verhandlungstagen naturalistisch geschildert. Prozessbeobachter reagierten teilweise empört: Der Schutz der Opfer sei weniger weitreichend als der Schutz der Persönlichkeit des mutmaßlichen Mörders. Offenbar ist das so, weil es sich bei dem Angeklagten um eine kranke Täterpersönlichkeit handeln könnte.

Foto: wak

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