Taximord-Prozess: Öffentlichkeit bleibt weiter draußen

Gutachter setzt seinen Vortrag heute überraschend fort – Plädoyers kommende Woche

Konstanz. Der Prozess gegen den mutmaßlichen Taximörder vom Bodensee zieht sich in die Länge. Offenbar hat Hans-Eugen Bisson, Facharzt für Psychiatrie, Neurologie, Psychotherapie und forensischer Psychiatrie und medizinischer Leiter des Justizvollzugskrankenhauses Hohenasperg,  seinen Vortrag gestern nicht beendet. Er trägt heute unter Ausschluss der Öffentlichkeit weiter vor. Das erfuhren die Medienvertreter heute Morgen kurz vor 9 Uhr im Flur des Gerichts vom Anwalt und Staatsanwalt, als diese auf dem Weg in den Gerichtssaal waren.  

Staatsanwalt und Anwälte plädieren nicht

Bereits am Dienstag sprach der Gutachter sehr langsam. Die Dolmetscherin, die dem Angeklagten Wort für Wort ins Russische übersetzt, hatte darum gebeten, als der Mediziner als Zeuge aussagte. Sowohl der Pflichtverteidiger des 28-Jährigen als auch der Staatsanwalt schlossen es heute Morgen aus, dass sie plädieren. Voraussichtlich wird die Verhandlung in der kommenden Woche fortgesetzt. Damit verschieben sich alle Termine, auch der der Urteilsverkündung, die am 8. Februar geplant war. Sie soll jetzt am 10. Februar sein.

Entscheidende Fragen vom Gericht zu klären

Die entscheidende Frage, die das Gericht zu klären hat, dürfte nicht lauten schuldig oder nicht-schuldig. Offenbar geht es vor allem darum, ob der mutmaßliche Mörder, sollte er schuldig gesprochen werden, in ein Gefängnis oder in eine forensische Anstalt kommt. Gegebenenfalls ordnet das Gericht darüber hinaus Sicherheitsverwahrung an. Vor Gericht hat der Angeklagte bisher geschwiegen. Gegenüber dem Psychiater hatte er begründet, warum er weder mit der Kripo noch vor dem Gericht sprechen möchte. Der Polizei wirft er vor, Fotos von ihm veröffentlicht zu haben, so dass er erkannt werde und in der Folge von Mitgefangenen bedroht worden sei. Das passierte in der Justizvollzugsanstalt in Konstanz.

Fraglicher Ausschluss der Öffentlichkeit

Über den Inhalt des medizinischen Gutachtens wollte gestern nicht einmal der sonst sehr gesprächige Anwalt Klaus Frank etwas sagen. Da der Gutachter unter Ausschluss der Öffentlichkeit informiert, kann bisher höchstens darüber spekuliert werden wie krank der mutmaßliche Mörder möglicherweise ist oder welche Erlebnisse ihn prägten und ihn vermutlich zu einer krankhaften Täterpersönlichkeit werden ließen. Klar zu sein scheint, dass die Öffentlichkeit geschützt werden muss. Gestern hatte der Gutachter noch im öffentlichen Teil der Verhandlung davon berichtet, wie der Täter im Singener Rathaus nach dem ersten Verbrechen nach einem neuen Opfer suchte.  Der Ausschluss der Öffentlichkeit ist für einige Prozessbeobachter unverständlich. Denn der 28 Jahre alte Angeklagte genießt offenbar mehr Schutz als seine beiden Opfer und deren Angehörige. Auch die überlebende Taxifahrerin sagte aus Gesundheitsgründen zwar nicht öffentlich aus, jedes Detail der grausamen Taten war bei Gericht aber zur Sprache gekommen.

Foto: wak

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