Taximörder auf der Flucht: Andrej W. beging zwei bestialische Verbrechen an Taxifahrerinnen am Bodensee

Anwältin der Nebenklage wollte Gefängnisstrafe und anschließende Sicherungsverwahrung

Mutmaßlichem Taximörder wird schlechtKonstanz/Friedrichshafen. Im Juni 2010 hatte der Taximörder vom Bodensee eine ganze Region in Angst und Schrecken versetzt. An zwei aufeinander folgenden Tagen hatten sich zwei bestialische Verbrechen ereignet. Die Opfer des Taximörders, zwei Taxifahrerinnen, hatten schier unbeschreibliche Martyrien durchlitten. Im Januar und Februar stand Andrej Welz in Konstanz vor Gericht. Nicht ganz ein Jahr nach den brutalen Überfällen ist er aus der Psychiatrie geflüchtet. Am Samstag, 7. Mai, gegen 10.30 Uhr entkam er aus der Forensik des psychiatrischen Zentrums PZN Heidelberg-Wiesloch.

Bestialische Verbrechen

Dem aus Russland stammenden Angeklagten, der deutscher Staatsbürger ist, hatte die Staatsanwaltschaft beim Taximord-Prozess vorgeworfen, im Juni vergangenen Jahres zwei arglose, ahnungslose Taxifahrerinnen aus Singen und Friedrichshafen an zwei aufeinander folgenden Tagen brutal überfallen zu haben. Während die damals 44-Jährige schwerverletzt überlebte, gab es für die 32-Jährige, eine alleinerziehende Mutter zweier Kinder, keine Rettung mehr. Das Verbrechen hatte sich damals am Rande der Hagnauer Strandbad- und Campingplatzidylle ereignet.

Polizei fürchtete Mordserie

Die gesamte Bodensee-Region stand nach den Bluttaten unter Schock. Die Polizei hatte damals nicht ausgeschlossen, dass sich ein weiterer Mord ereignen könnte. Im Januar 2011 begann dann der so genannte Taximord-Prozess vor dem Konstanzer Landgericht. Der später als Mörder verurteilte Angeklagte, der Russlanddeutsche Andrej W., wurde während des Prozesses täglich mit einem Gefangenentransporter von Hohenasperg nach Konstanz gefahren und in den Gerichtssaal gebracht. In die Justizvollzugsanstalt Konstanz, wo er nach seiner Festnahme kurze Zeit einsaß, musste der Mörder nicht mehr zurück. Der Grund: In der U-Haft in Konstanz war er nach seiner Verhaftung Repressalien von Mithäftlingen ausgesetzt.

Entscheidung zwischen Haft und Psychiatrie

Das Konstanzer Gericht hatte auch darüber zu entscheiden, ob der geständige Taximörder vom Bodensee in ein Psychiatrisches Landeskrankenhaus eingewiesen werden sollte oder ob er eine lebenslange Freiheitsstrafe möglicherweise mit anschließender Sicherungsverwahrung in einer Haftanstalt antreten sollte. Das Gericht entschied sich für die Psychiatrie. Der Staatsanwalt wollte den mutmaßlichen Mörder, der unter anderem durch DNA-Beweise überführt war, in einer psychiatrischen Klinik unterbringen.

Mörder schwer psychisch krank

Dafür hatten sich auch die beiden Pflichtverteidiger des Angeklagten, die Konstanzer Anwälte, Klaus Frank und Rudy Haenel, ausgesprochen. Frank sagte damals, die DNA-Beweise seien so klar, dass er von Anfang an gewusst habe, dass sein Mandant am Ende verurteilt werde. Er fagte aber: „Wir konnte es bei Herrn W. so weit kommen?“ Frank sprach davon, dass der Angeklagte ein „ungeliebtes Kind“ gewesen sei. Er glaubte, dass sein Mandant tatsächlich nekrophil sei. Frank sprach von einer „schweren seelischen Abartigkeit“. Andrej W. könne keine Empathie spüren. Sein Mandant sei „schwer psychisch krank“. Er plädierte dafür, ihn in einer psychiatrischen Klinik unterzubringen und sagte, die Forensik sei sicher.

Vergebliches Plädoyer für Gefängnis und Sicherheitsverwahrung

Strafverteidigerin Christine Thurau, die Anwältin des Singener Opfers, sagte in einem eindringlichen Plädoyer: „Wir haben hier einen Serienmörder gestoppt.“ Für sie stand außer Frage: „Für mich ist der Angeklagte voll schuldfähig.“ Sie sah auch eine „besondere Schwere der Schuld“. Auf die Frage Sicherheitsverwahrung ja oder nein, hatte sie am letzten Prozesstag vor der Urteilsverkündung nur eine Antwort:  „Ja natürlich.“ Andrej W. sei für die Allgemeinheit gefährlich. Die Anwältin hatte über das Verbrechen an der Singener Taxifahrerin gesagt: „Er wollte es, weil er Lust hatte.“

Mörder seit heute spurlos verschwunden

Dann der Schock am Samstagnachmittag: Der Taximörder vom Bodensee, Andrej Welz, ist auf der Flucht. Aus bislang ungeklärten Umständen ist er aus der Psychiatrie in Heidelberg-Wiesloch geflohen, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. Vom Mörder fehlte seither jede Spur. Klar ist der Jurstiz nur, er hat einen Bezug zum Bodensee. Deswegen schlossen die Ermittler auch nicht aus, dass er in die Region zurückgekehrt ist.

Hier geht’s zum Psychiatrischen Zentrum Nordbaden in Wiesloch.

8 Kommentare to “Taximörder auf der Flucht: Andrej W. beging zwei bestialische Verbrechen an Taxifahrerinnen am Bodensee”

  1. TB
    7. Mai 2011 at 20:12 #

    Während Anwalt Frank die rührseelige Geschichte vom „ungeliebten Kind“ breit getreten hat, hat das Gericht für die Forderungen von Anwältin Thurau wohl nur ein empörtes Kopfschütteln übrig gehabt. Das Opfer wird nun zum dritten Mal erniedrigt und lebt in Angst: Erst die Tat, dann das lächerliche Urteil und jetzt der Ausflug des Täters.

  2. justiziaistblind
    7. Mai 2011 at 21:11 #

    Wieder einmal war es den „Verantwortlichen“ nicht möglich einen irren, eiskalten und debilen Serienmörder an einem Ausflug zu hindern.

    Was wird der Gestörte wohl tun ?
    Er wird wieder töten oder versuchen seine nekrophilen Neigungen auszuleben.
    Um seine Flucht fortzusetzen wird er weitere Straftaten begehen und bei dieser Gelegenheit sicher erneut seiner gestörten Sexualität nach gehen.

    Man sollte den Psychopathen wieder nach Sibirien zurück bringen und in den Weiten der Tundra aussetzen. So weit weg von jeglicher Zivilisation, daß er nie wieder einen Menschen zu Gesicht bekommen wird.

  3. Gerechtigkeit
    8. Mai 2011 at 08:44 #

    Warum werden solche Menschen im Namen der Justiz geschützt. An die Opfer denken diese Leute nicht, sondern nur wie sie sich hervorheben können. Normal hätte der zu den anderen Gefangenen untergebracht werden, das hätte Vater Staat ne menge Geld gespart. Aber in Deutschland ist es ja nun heute so, für Verbrecher. Erst schützen, dann laufen lassen. Alles in allem Armes Deutschland

  4. dk
    8. Mai 2011 at 09:32 #

    Was wird der Gestörte wohl tun ?

    Er wird seine Mutter mit einem Rosen-Strauss besuchen., was üblich ist am Muttertag.

  5. dk
    8. Mai 2011 at 11:25 #

    Es verwundert etwas, dass man Gefangene nicht per GPS-Sender orten kann. Der Vollzug scheint etwas rückständig gegenüber der Technik und Justiz zu sein.

    Datensammlungen von IT-Konzernen gehören zum Alltag und sollen sogar beim Staat im Rahmen der „inneren Sicherheit“ beliebt sein/werden. Sollte bei einem Schwerverbrecher der Datenschutz einen so hohen Stellenwert bekommen, wirkt es ziemlich paradox.

  6. Frieder Hannspeter
    9. Mai 2011 at 13:56 #

    Mindestens drei Mal Biertischpropaganda bei den Zuschriften:

    1) Ein „lächerliches Urteil“. Tatsache: Verwahrung bis ans Lebensende. Lächerlich?

    2) „Er wird wieder töten(…)weitere Straftaten begehen“. Tatsache: Wird er nicht und hat er nicht, weil er postwendend wieder eingefangen wurde.

    3) Verbrecher „erst schützen, dann laufen lassen“. Tatsache: Der Verbrecher wurde nie geschützt, sondern angeklagt und verurteilt. Er wurde nie laufen gelassen, sondern ist geflüchtet – und wurde prompt wieder eingefangen.

    Also, ein bißchen an die Wahrheit halten und Eure Fantasien, wie Ihr es gerne hättet, zurückstellen!

  7. Bolle Knallquist
    9. Mai 2011 at 18:22 #

    An Nummer 6, den Moralhygieniker: Es mindestens ebenfalls Stammtischgeschwätz, anderen Stammtischgeschwätz vorzuwerfen.

  8. Frieder Hannspeter
    10. Mai 2011 at 14:20 #

    Nicht ablenken, Nr. 7! Wer hat in den Zuschriften wahrheitswidrige Stammtisch-Propaganda gemacht und wer hat sie zur Wahrheit hin korrigiert? – Alles jederzeit nach den Fakten überprüfbar. Also, keine Ablenkungsmanöver mit Nebenkriegsschauplätzen machen, sondern versuchen, zur Sache zu schreiben, wenn Sie denn dazu etwas beizutragen haben.

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