Theater Konstanz provoziert: Der Jude von Konstanz

Header_Jude-von-KonstanzKonstanz. Das Theater Konstanz bringt ein Stück des Dichters Wilhelm von Scholz auf die Bühne. Zu deuten ist das als Provokation. Denn der Dichter ist wegen seiner Nähe zu den Nationalsozialisten eine wenigstens umstrittene Person. Den Wilhelm-von-Scholz-Weg in Konstanz hat die Stadt 2010 in Hermann-Hesse-Weg umbenannt. 

Umstrittener Dichter

Einerseits ist Wilhelm von Scholz der vielleicht einzige Konstanzer Dichter von überregionaler Bedeutung, andererseits suchte er die Nähe zu den Nationalsozialisten im Dritten Reich, verehrte Hitler und leistete eine Loyalitätserklärung auf ihn. So steht es auch auf der Website des Theaters. Als 2007 öffentlich diskutiert wurde, ob sein Grab eingeebnet werden solle, brach in Konstanz ein Streit darüber aus, wie mit von Scholz umgegangen werden soll.

Theater führt Diskurs fort

Lautstark zu Wort gemeldet hatte sich in diesem Zusammenhang der berühmte Schriftsteller Rolf Hochhuth, der betonte, das aus dem Jahr 1905 stammende Drama „Der Jude von Konstanz“ sei von den Nazis verboten worden und habe sich gegen den Antisemitismus gerichtet. Eine Auseinandersetzung mit dem Autor und seinem Werk hält das Theater Konstanz in der Spielzeit, die sich mit dem Thema Heimat beschäftigt, für nötig.

Über das Stück

In seinem Stück rekonstruiert Wilhelm von Scholz das mittelalterliche Konstanz und setzt den Arzt Nasson ins Zentrum des Geschehens. Nasson ist ein zum katholischen Glauben konvertierter Jude – aus religiöser Überzeugung, nicht aus Opportunismus, wie Nasson betont. Er ist ein wohlhabender Bürger und lebt in einem vornehmen Haus der Konstanzer Altstadt. Anders als die jüdischen Bürger, die jenseits des Rheins in ihrem Viertel leben. Zwischen den Glaubensgemeinschaften schwelen Konflikte, die eskalieren und Nasson zwischen den Fronten zerreiben, denn für beide religiösen Gruppen ist er ein Außenseiter: Die Christen sehen ihn noch immer als Juden, und die Juden betrachten ihn als Konvertiten. Dieser Konflikt führt Nasson in die Tragödie, denn er sucht eine Heimat und findet sie nirgends.

Stoff mit Bezügen zu heute

Für das Theater Konstanz steht es außer Frage, dass es gute Gründe gibt, das Stück auf die Bühne zu bringen und sich derart mit auch heute noch hochaktuellen Fragen von Fremdenhass und Ausgrenzung von Minderheiten sowie den Möglichkeiten von Integration auseinanderzusetzen. Regie führt Stefan Otteni.

Premiere am Freitag, 7. Juni 2013 um 20 Uhr im Stadttheater.

Foto: Theater Konstanz

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