Thorleifur Örn Arnarsson inszeniert König Lear

Shakespeares dunkle Tragödie auf offener Bühne – Heimo Scheurer nimmt Abschied

Konstanz. Thorleifur Örn Arnarsson zählt zu den anerkanntesten Regisseuren an deutschsprachigen Bühnen. In Konstanz inszeniert er nach „Mutter Courage und ihre Kinder“ jetzt „König Lear“. In der Schweiz brachte er im Sommer 2009 in St. Gallen mit großem Erfolg Shakespeares „Romeo und Julia“ auf die Bühne. Seine Inszenierung „Peer Gynt“ am Luzerner Theater wurde von der Theaterplattform Nachtkritik zur bemerkenswertesten Inszenierung gekürt. In der kommenden Spielzeit wird Thorleifur Örn Arnarsson in Konstanz kein Stück auf die Bühne bringen. Er macht eine Babypause.

Kreis schließt sich

Chefdramaturg Thomas Spieckermann sagt es so: Mit König Lear schließt sich der Kreis. Nach „Woyzeck“ und „Peer Gynt“, alle beide Figuren, die verschiedene Alter durchlaufen und wahnsinnig werden, bringt das Konstanzer Stadttheater jetzt „König Lear“ auf die Bühne. Noch ein Wahnsinniger. Warum jetzt, warum in Konstanz? Thomas Spieckermann hat drei Antworten: Noch immer heißt das Motto „Kämpfen wir noch?“. Es geht um Frauen und Männer. Dann ist da Thorleifur Örn Arnarsson, einer der besten Regisseure der deutschsprachigen Theaterlandschaft, wie Spieckermann entscheidet, der mit „Romeo und Julia“ in St. Gallen für Aufmerksamkeit gesorgt hatte.

Große Abschiedsrolle für Heimo Scheurer

Und dann ist da noch Heimo Scheurer, der nach 30 Jahren Abschied von der Bühne nimmt und noch einmal eine der größten Rollen überhaupt spielt. König Lear ist seine Abschiedsrolle. Thor Örn Arnarsson spricht von einer Untergangs- und Traumrolle. Auch der Vater des Regisseurs hatte sich mit der Rolle am Isländische Nationaltheater in Reykjavík einst verabschiedet. Bei der Premiere werden sich die beiden Schauspieler treffen.

Alles fällt auseinander

Der Regisseur spricht vom „Rad der Macht“. Er sagt: „Wir folgen dem Untergang.“ König Lear hat drei Töchter. Als er sein Erbe regeln und sein Reich unter ihnen aufteilen will, kommt es zum Eklat. Die Jüngste verweigert die von ihm eingeforderte Dankbarkeit. Lear verstößt sie und übergibt die Macht den beiden habgierigen älteren Schwestern, die den Vater bald wegschicken. Sie lassen ihn auf die Heide hinaus irren. Der entmachtete Vater versteht die Welt nicht mehr und verfällt dem Wahnsinn. Der Staat versinkt in Verbrechen und die zerstörerischen Kräfte der menschlichen Natur regieren die Welt. „Verstand, Reich und Stück fällt auseinander“, sagt Thor Örn Arnarsson.

Die Realität ist draußen vor dem Theater

Sein König Lear handelt von Macht, Politik und Schauspiel. Der Untergang der Machthabenden steht im Vordergrund. Saddam Hussein, Gaddafi oder Strauss-Kahn. Der Regisseur überlässt es den Zuschauern Vergleiche zu machen. Sie sind eingeladen, mitzudenken und mitzumachen. „Ich wohne in der Realität“, sagt der Regisseur. Auf der Bühne baut er eine Welt der Phantasie. Thor Örn Arnarsson lässt die Schauspieler auf einer offenen Bühne agieren. In der Spiegelhalle gibt es einen großen Raum, der zugleich Bühne und Zuschauerraum ist. 18 Tonnen Kies hat das Konstanzer Stadttheater in der Spiegelhalle verteilt.

Pause nach König Lear“

Nach der Spielzeit macht der in Kanada lebende Thor Örn Arnarsson erste einmal eine Pause. Er wird Vater. Wer noch einmal eine seiner Inszenierungen erleben möchte, darf den „König Lear“ nicht verpassen.

Premiere ist am 20. Mai um 20 Uhr in der Spiegelhalle. Weitere Termine sind am 22., 25., 26., 27. und 28. Mai sowie im Juni.

Die Theaterkritik bei Nachtkritik.de.

Foto: wak

 

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