Torture Ship, CSD-Parade und Gender: Wie tolerant ist der Sommer 2011?

Am Pier war’s zu kühl für Dessous aus Lack und Leder – Outfits nicht ganz so spektakulär

Konstanz. Am letzten Samstag im Juni legt es an. Das Torture Ship, die schwimmende Party der SM-Szene. Zum 14. Mal zeigte sich die Szene in den Häfen von Konstanz und Friedrichshafen. Dieses Mal war das Happening weniger spektakulär, erregte die Zuschauer, die zur Show kamen, nicht so sehr wie in früheren Jahren und das war gut so. Am Samstag, 16. Juli, ziehen dann Lesben und Schwule mit  mit Fächern, Federboas und Pink bei der Christopher Street Parade durch Konstanz.

Anything goes

Anything goes. Fetischisten, wenige Dominas, kaum Sklaven, Pet-Player und weniger erotische Selbstdarsteller, weniger Exhibitionismus und weniger Partygäste in fantasiereiche Kostümen als in früheren Jahren standen an der Reling, als am Samstagabend die „Schwaben“, das Partyschiff der Sado-Maso-Szene, zum mittlerweile 14. Mal im Konstanzer Hafen anlegte. Tausende schlenderten an dem Abend über die Hafenmeile und die meisten bemerkten nicht einmal etwas vom Spektakel.

Hafenmeile in Schräglage

Im Biergartenam Hafen feierte die Erdinger Brauerei mit Volksmusik und Hau-den-Lukas ihren 125. Geburtstag. Teilnehmer von Junggesellenabschieden hüpften in Nikolauskostümen durch die Menge. Männer mit Hundehalsbändern wären dazwischen kaum aufgefallen. Um 20.50 Uhr sollte die Show am Pier 9 bis 10 beginnen und um 21.30 wieder enden. Der Auftritt der Herrinnen und ihrer Gespielen war weniger laut und weniger Aufsehen erregend als in den Vorjahren. Kaum ein kostümierter Gast ging von Bord, um sich an der Promenade zu zeigen. Brennende Fackeln wirbelten durch die Luft und aus Lautsprechern wummerte leise Musik. Als das Schiff mit ein bisschen Verspätung in arger Schräglage wieder ablegte, machten die Partygäste noch einmal kurz winke-winke. Ihr Fotohandy zückten die Passagiere in Lack und Leder in Konstanz genauso oft wie die Zuschauer am Pier. Man fotografierte sich gegenseitig.

Lust am Schmerz

Als Sadomasochismus beschreibt die wissenschaftliche Literatur eine sexuelle Devianz, bei der ein Mensch Lust oder Befriedigung durch die Zufügung oder das Erleben von Schmerz, Macht oder Demütigung erlebt. Diese Lust ist unabhängig von Geschlecht, Frauen und Männer empfinden sie – unabhängig auch von sexueller Orientierung. Schätzungen gehen davon aus, dass zwischen 5 und 25 Prozent der Bevölkerung regelmäßig Sexualpraktiken ausüben, die mit der Lust an Schmerzen, beziehungsweise mit Macht und Ohnmacht in Verbindung stehen. Der Bevölkerungsanteil mit entsprechenden Fantasien ist höher. In einer Befragung Anfang der 90-er Jahre gaben 11 Prozent der Frauen und 16 Prozent der Männer an, dass „weicher S/M“ schon einmal in erotischen Träumen vorgekommen sei – in nächtlichen Träumen oder in sexuelle Phantasien. 5 Prozent der Frauen und 7 Prozentder Männer haben auch schon von „hartem S/M“ geträumt.Wenn Erwachsene freiwillig etwas mit einander tun, ist es kein Problem.

Christopher Street Day am Bodensee

Der Christopher Street Day am Bodensee steht am Samstag, 16. Juli, unter dem Motto „trau’ dich!”. Auf die Straße gehen homosexuelle Männer und Frauen an diesem Tag traditionell, um für ihre politische Forderungen nach rechtlicher Gleichstellung von Schwulen und Lesben einzutreten. Wahrscheinlich wird es ein bisschen bunt und schrill. Im Konstanzer Stadtgarten feiern sie nach der Parade – und abends geht die Party dann im Konzil weiter. In Berlin stand der CSD am Wochenende unter dem Motto „Fairplay für Vielfalt“.

Kinsey-Report: Alle sind ein bisschen bi

Der längst verstorbene US-amerikanischer Sexualforscher Alfred Kinsey, der das Sexualverhalten von Menschen erforschte, fand zum Beispiel heraus, dass die meisten Menschen ein bisschen bisexuell sind. Bei einer repräsentativen Emnid-Umfrage aus dem Jahr 2000 schätzen sich dagegen nur 1,3 Prozent der Männer und 0,6 Frauen Prozent der in Deutschland lebenden Befragten als schwul und lesbisch sowie 2,8 und 2,5 Prozent als bisexuell ein. Gleichzeitig gaben aber 9,4 Prozent der Männer und 19,5 Prozent der Frauen an, sich vom eigenen Geschlecht erotisch angezogen zu fühlen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotos: wak

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