Tour der Leiden des ADFC im Bodenseekreis

ADFC-Vorsitzender Bernhard Glatthaar: Der Bodenseekreis verschläft den Fahrrad-Boom

Bodenseekreis (wak) Der Kreisverband Bodenseekreis des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) ist unzufrieden mit dem Engagement des Landkreises in Sachen Fahrradförderung. Nach Einschätzung des Fahrradclubs werden wichtige Verbesserungen seit Jahren nicht umgesetzt. Das sagte Bernhard Glatthaar vom ADFC.

Touristiker kämpfen nicht

Gerade im Sommer und zur Eurobike werde deutlich, wie wichtig Fahrradfahren und der Fahrradtourismus im Besonderen für die regionale Wirtschaft im Bodenseekreis ist. Tausende von Fahrradfahrern aus nah und fern schätzen die wunderbare Landschaft und die vielen Freizeitmöglichkeiten, heißt es in einer Mitteilung des ADFC. Auch bundesweit sei ein anhaltender Trend zum Fahrradurlaub erkennbar, weshalb viele Tourismusregionen mit attraktiven Angeboten und einer Verbesserung der Radinfrastruktur reagieren, zum Beispiel mit dem Ausbau von Radwegen oder auf Radfahrer zugeschnittenen Dienstleistungen. Von den Touristikern im Bodenseekreis kommt wenig Unterstützung. Glatthaar spricht von Kirchtumpolitik. Vom der Internationalen Bodensee Tourismus GmbH kämen keine Impulse. Vielleicht sei es aber auch gar nicht Auftrag der IBT oder sie habe dafür kein Geld, mutmaßt Glatthaar.

Radwegenetz nicht weiter ausgebaut

Seit der Aufstellung der kreisweiten Fahrradbeschilderung in den Jahren 2007 und 2008 sind nach Aussage des ADFC keine Fortschritte mehr erkennbar. Radwege, die in der Radwegenetzkonzeption vorgesehen sind, würden nicht gebaut. Darunter leide nicht nur der Radtourist, sondern gerade die hiesige Bevölkerung, denn es seien nicht selten Radwege, die für sichere Schul- und Alltagswege erforderlich wären. Das einzige konkrete Radwegprojekt, nämlich an der K7783 zwischen Meersburg und Daisendorf, werde vom Landkreis dazu missbraucht, die Kreisstraße unnötigerweise von 6,0 m auf 6,5 m Breite auszubauen.

Viele Brennpunkte im Bodenseekreis

Noch immer nicht befriedigend ist die inzwischen verbreiterte Radstrecke zwischen Meersburg und Unteruhldingen. Auch Fahrradstrecken in Überlingen sind alles andere als vorbildlich. In der Innenstadt müssen Fahrradfahrer ganz absteigen – eine Umleitungsbeschilderung für Radler fehlt. Im östlichen Kreis ist die Situation nicht besser: Wer durch Fischbach an der B 31 in die Eurobike-Stadt Friedrichshafen radelt, reibt sich verwundert die Augen.

Enttäuschte Hoffnungen

Die Zusammenarbeit des ADFC mit dem Landratsamt wurde 2008 auf eine neue Basis gestellt, als der Runde Tisch Radverkehr gegründet wurde. Die Hoffnung des ADFC war, nun im regelmäßigen Kontakt mit den zuständigen Ämtern Schritt für Schritt die notwendigen Maßnahmen voranbringen zu können. Ein langjähriger Vorschlag des ADFC war zum Beispiel die Aufstellung von Informationstafeln an touristisch wichtigen Orten, um den ortsunkundigen Radfahrern das Routennetz im Bodenseekreis vorzustellen. Leider habe das Landratsamt diese wichtige Einrichtung für den Radtourismus nie angepackt. Ein weiterer Vorschlag des ADFC, am Gehrenberg im Rahmen eines Pilotprojektes Mountainbike-Strecken für Touren-Biker auszuschildern, sei am Runden Tisch zerredet und schließlich zu den Akten gelegt worden. Ein Blick in die Schweiz, wo Velofahrer jeder Couleur in den Genuss von beschilderten Wegen kommen, zeige, wie es in fortschrittlichen Regionen laufen kann. Besonders blamabel sei die Tatsache, dass am Stadtbahnhof in Friedrichshafen bis heute eine Fahrradwegweisung fehle – Touristen und auch Besucher der Eurobike müssten sich den Einstieg ins Wegenetz selbst suchen.

Runder Tisch und Radtour am Ende

Der ADFC hat deshalb seine Konsequenzen gezogen und die Mitarbeit im Runden Tisch Radverkehr niedergelegt. „Es ist uns trotz großem ehrenamtlichen Engagement nicht gelungen, etwas zu bewegen. Statt der vereinbarten drei Sitzungen pro Jahr hatte seit März 2009 kein Treffen mehr stattgefunden. Daran zeige sich eindrucksvoll die mangelnde Bereitschaft des Landkreises, sich für den Radverkehr zu engagieren“, resümiert der ADFC-Kreisvorsitzende Bernhard Glatthaar. Eine Fahrrad-Tour mit ADFC, Vertretern des Landratsamtes und Medien zu Brennpunkten ist in diesem Jahr von Landratsamt ganz abgesagt worden. Das ehrgeizige Ziel des Landes Baden-Württemberg, Fahrradland Nr. 1 in Deutschland zu werden, werde mit Landkreisen wie dem Bodenseekreis wohl niemals erreichbar sein.

Foto: Bernhard Glatthaar/wak

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