Türkisch für Anfänger: CDU denkt nur ans Gymnasium

Zahide Sarikas (SPD): „Türkisch als zweite Fremdsprache ist Alibi-Vorschlag“

Zahide SarikasKonstanz. „Wenn zehn Konstanzer Gymnasiasten Türkisch in der Schule lernen können, führt dies nicht zu besserer Integration von Menschen mit Migrationshintergrund,“ sagt die stellvertretende SPD-Vorsitzende Zahide Sarikas. Eines der Hauptprobleme der Schulen in Baden-Württemberg läge darin, dass der Bildungserfolg stärker als anderswo von der sozialen Herkunft abhänge.

Gymnasiasten mit Migrationshintergrund in Minderheit

Besonders betroffen seien Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund. Auch an Konstanzer Schulen zeige sich dies, sagt Sarikas mit Verweis auf aktuelle Daten der Stadtverwaltung. Während 57 Prozent der Hauptschüler aus Familien stammen, in denen mindestens ein Elternteil ausländische Wurzeln hat, haben bei Realschülern 36 Prozent und bei Gymnasiasten nur 25 Prozent der Schüler Migrationshintergrund. Anhand der Zahlen werde klar, wie die Schulen auch in Konstanz nach sozialen Kriterien selektierten. Durch dieses „ungerechte System“ verliere die Gesellschaft Talente und produziere bei zu vielen Kindern und Jugendlichen bereits frühzeitig die Erfahrung, ausgeschlossen zu sein. „Dies dürfen wir nicht tatenlos hinnehmen,“ sagt Sarikas.

Kritik am CDU-Abgeordneten Andreas Hoffmann

Der „gut gemeinte“ Vorschlag des CDU-Abgeordneten Andreas Hoffmann, an Gymnasien Türkisch als zweite Fremdsprache nach Englisch anzubieten, gehe an den eigentlichen Problemen der Bildungspolitik vorbei. „Kinder mit türkischer Abstammung müssen es erst einmal auf das Gymnasium schaffen. Statt Alibi-Maßnahmen an den Gymnasien brauchen wir eine Sprachförderung, die früh ansetzt und sich nicht auf eine wöchentliche Deutsch-Stunde in der Kindertagesstätte beschränkt“, weiß Sarikas auch aus persönlicher Erfahrung.

Nicht nur türkisches Fernsehprogramm

Die Bildungspolitik im Land vernachlässige eine besonders wichtige Zielgruppe: Viele russische oder türkische Eltern streben an, dass ihre Kinder Erfolg in der Schule haben und mit Hilfe guter Bildung aufsteigen können. Doch zu oft hätten sie außer gutem Willen zu wenig zu bieten. „Wir müssen den Eltern Wege aufzeigen und Hilfen anbieten, wie sie ihre Kinder fördern können.“ Dazu gehöre auch, „dass nicht den ganzen Tag ein Fernseher mit türkischen Programm läuft“, nennt Sarikas eine kleine, aber wirksame Fördermaßnahme.

Ein Kommentar to “Türkisch für Anfänger: CDU denkt nur ans Gymnasium”

  1. Bruno Neidhart
    26. Oktober 2010 at 10:19 #

    Dass die soziale Herkunft allgemein – nicht nur bei Migranten! – aufmerksam auf das macht, was zu verbessern ist, um hier Positives zu bewirken, weiss Herr Hoffmann schon. Sein Einwurf für „Türkischunterricht“ an Schulen ist doch nur ein Gedankensplitter zum allgemeinen Thema Intergration – mehr nicht. Alles gleich „wegzubügeln“ ist kontraproduktiv.

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