Überlinger Bürgerinitiative ersetzt Ortspolizisten

Überlingen verfolgt mehr als 60 von Bürgern angezeigte Verstöße

Überlingen (wak) Eine Initiative aus Überlinger Bürger hat mehrfach Autofahrer ermahnt und mehr als 60 „Falschparker“ beim Ordnungsamt der Stadt angezeigt. Raphael Wiedemer-Steidinger sagte See-Online, dass die Stadt Bußgeldverfahren einleiten werde, sofern die Angaben vollständig seien. Das Ordnungsamt prüft derzeit offenbar die Anzeigen.

Erzieherische Wirkung

Nicht unumstritten ist das „Selbsthilfeprojekt“ im Überlinger Dorf. Immer wieder samstags schreiten Bürger zur Tat und erledigen einen Job, den sonst keiner erledigen würde. Auch am Samstag waren die Überlinger Bürger, selbst ernannte Stadtsheriffs, wieder auf dem Posten. „Heute morgen konnte um 7.30 , 8.15 und von 8.50 bis  9.15 Uhr beobachtet werden, dass  wesentlich  weniger Fahrzeuge den Radweg blockieren als es sonst zu beobachten ist“, teilte der Überlinger Anwalt Hermann Josef Faupel See-Online bereits am Samstag mit. „Natürlich hilft auch, wenn man  Fahrer anspricht und ihnen die Nötigungstatbestände vor Augen führt , die sie verursachen“, behauptet Faupel, der sich in der Initiative zur Verringerung des Verkehrs in der Überlinger Innenstadt engagiert und am moderierten Prozess zur Lösung des Überlinger Verkehrsproblems teilnimmt.

Robin Hood der schwachen Verkehrsteilnehmer

Faupel ist felsenfest davon überzeugt, dass Überlingen nicht einfach abwarten kann, bis der Prozess zur Lösung des Verkehrsproblems frühestens Anfang 2011 beendet sein wird. Denn die Probleme gibt es bereits. Immer wieder bat der Anwalt darum, die Ortspolizeibehörde möge einschreiten und schwächere Verkehrsteilnehmer wie Fahrradfahrer und Fußgänger schützen. Dass Autofahrer im Dorf regelmäßig ihre Fahrzeuge auf einem abmarkierten Fahrradstreifen parken, während die Besorgungen machen, findet Faupel rücksichtslos. Die Ortspolizeibehörde blieb aber untätig, weshalb Faupel jetzt den Robin Hood im Dorf gibt. Er hat zusammen mit einigen Mitstreitern die Initiative ergriffen.

Der Anwalt spricht von Nötigung

Die Reaktionen der Autofahrer sind sehr unterschiedlich. „Er hat Einsicht gezeigt und sich entschuldigt“, so Faupel über eine Begegnung. „Nun gibt es allerdings auch Bürger, die Beleidigungen nicht unterlassen“, stellte der Anwalt fest.“ Dass das Einschreiten der engagierten Überlinger Bürger im Interesse von Fahrradfahrern und Fußgängern rechtens ist, steht für Faupel zweifelsfrei fest. „Nach einem Gespräch mit dem zuständigen Verkehrsstaatsanwalt kann ich mitteilen, dass das Blockieren eines Geh- oder Radwegs eindeutig Nötigung darstellt, wenn Verkehrsteilnehmer dadurch konkret behindert und gefährdet werden“, so Faupel. Eine Grableuchte, wie sie die Initiative benutzte, um den Radstreifen sichtbar zu machen, sei dagegen wohl keineswegs geeignet, eine Nötigung zu verursachen. Ganz im Gegenteil: Sie mahne die Berufenen, die Verkehrsvorschriften gegenüber Verletzern zu verfolgen, sagte Faupel.

Harsche Kritik an der Ortspolizeibehörde

Faupel meint die Stadt. „Es ist schon traurig, dass uns die Stadt Überlingen in der vergangenen Woche die Verfolgung von über 60 angezeigten Verstößen bestätigt, angesichts der massiven dauerhaften Verstöße aber keine Schwerpunktkontrollen durchführt“, kritisiert der Rechtsanwalt. Tätig wird die Stadt aber nun doch: Immerhin verschwinden die Anzeigen der Bürger nicht im Papierkorb. Es sei eine große Anzahl, sagte Wiedemer-Steidinger. Die Prüfung laufe. Es sei im allgemeinen so, dass die Stadt ein Bußgeldverfahren einleite, wenn Anzeigen von Privatpersonen vollständig seien. Autofahrer, die sich im Dorf beim Parken nur an Regeln halten, wenn sie uniformierte Ortspolizisten sehen, dürften in Überlingen demnächst noch ihr Knöllchenwunder erleben.

Fotos: Faupel

4 Kommentare to “Überlinger Bürgerinitiative ersetzt Ortspolizisten”

  1. St. Pauli
    3. August 2010 at 12:45 #

    Selbsthilfeprojekt,zur Tat schreiten, einen Job erledigen, Faupel als Robin Hood und Berufener in Sachen Verkehr.
    Tatsächlich zerstören er und seine Handlanger die Existenz des Bäckers.

  2. sparring
    3. August 2010 at 16:27 #

    Aus Dorf und Altstadt tönt wieder urwaldähnliches, lautes
    Imponiergehabe. Fast wie einst bei den bescheuerten 68ern,
    die sektiererhaft versuchten, Gesetze auszuhebeln und ihre
    Unabhängigkeit auszurufen. Anfänglich nur mit Kasperle-
    theater, später jedoch konsequent grenzüberschreitend.

    Worum geht es eigentlich dieser wildgewordenen Dorf-und
    Innenstadt-Connection Faupel, Bergmann & Co wirklich ?
    Der „Herr im feinen Zwirn“ sieht sich als Meister der Salami-
    taktik, der versucht, dubiose Ziele zu erreichen, ohne daß es
    anderen groß auffällt. Sein festgeschriebenes Ziel (seit 2008):
    Gesamtsperrung der Alt-und Innenstadt in den Grenzen von
    1630 (s.Merian, tiefstes Mittelalter).

    Alle, die nicht zu den „Auserwählten“ dieses Biotops zählten,
    wären dann die Dummen. Während im „Goldfischteich Alt-und Innenstadt“ (nur 10% der Kernstadtbevölkerung) dann tiefster Frieden herrschte, könnten die 90% Restmenschen im nahegele-genen, lauten Umfeld nur noch auswandern. Möglichst vor der Landesgartenschau !

    Deshalb muß man – leider – diese „Salamitaktiker“ sehr ernst
    nehmen. Jeder, der die Zeitgeschichte verfolgt hat, weiß, wie
    sich aus anfänglichen „nobodys“ oft sehr schnell Hardliner
    ohne Demokratieverständnis und Mitleid entwickelten.

    Für das Langzeitgedächtnis :
    „Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber !“

    — sparring —

  3. mav
    3. August 2010 at 19:06 #

    ist ja schon fast wie „Knöllchen-Horst“,

    und ein solches Denunziantentum erinnert mich an etwas das ich gar nicht aussprechen möchte.

    Das ist lächerlich und peinlich für Überlingen, macht ja richtig Lust auf einen erneuten Urlaub un Überlingen.

    Erst gibt es fast kein Handynetz mehr und jetzt darf man noch nichtmal am Sonntag schnell seine Brötchen holen.

    Weil dann alle Anwohner gleich mit Kamera dabei sind und Fotos machen wie ich parke oder Brötchen hole.

    Habt Ihr keine anderen Beschäftigungstherapien ?

    Mir schwätzed andersch, aber ticken offensichtlich auch….

  4. KapHorn
    8. August 2010 at 23:05 #

    George Orwell hätte sichtlich seine Freude an Herrn Faupel!
    Ob wohl alle Rechtsanwälte so viel Zeit zur Verfügung haben?
    Oder mangelt es Herrn Faupel momentan an Klienten – was schließlich auch nicht verwundern dürfte, denn als Jurist illegale Methoden anzuwenden, ist an Dreistigkeit kaum noch zu überbieten. Auf jeden Fall wäre Herr Faupel bestens für einen totalen Überwachungsstaat geeignet. Wohin aber totale Kontrolle letztlich führen kann – Deutschland ist ein gebranntes Kind…
    Demokratische Vorgehensweisen sehen anders aus.
    Überhaupt ist es schon interessant, wie ein Bürgerforum gemeinsam nach praktikablen Lösungen für Überlingen sucht und ein Rechtsanwalt im Voraus einen Alleingang wagt – ohne Rücksicht auf Verluste, sprich auch andere Interessen zu respektieren.

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