Überlinger CDU empört über Neujahrsempfang für alle Bürger

CDU-Honoratioren möchten es bei traditionellem Dreikönigstrunk belassen – Oberbürgermeisterin will Empfang für alle Bürger

Überlingen. Zum ersten Mal lädt die Stadt Überlingen ihre Bürgerinnen und Bürger am 15. Januar 2012 zu einem öffentlichen Neujahrsempfang in den Überlinger Kursaal ein. Der Überlinger CDU ist das aber gar nicht recht. Alle sind verwundert: Die CDU über ihre Oberbürgermeisterin Sabine Becker (CDU) – und die Oberbürgermeisterin über ihre aufgeregten Räte.

Dreikönigstrunk und Empfang für alle

Der CDU hätte mutmaßlich der traditionelle Dreikönigstrunk am 5. Januar – eine geschlossene Gesellschaft für handverlesene, abgezählte, geladene Gäste – gereicht. Oberbürgermeisterin Sabine Becker (CDU) hatte aber seit ihrem Amtsantritt alle Bürger zu einem öffentlichen Neujahrsempfang einladen wollen. Bisher hatte es damit noch nicht geklappt. Weil die Honoratioren auf ihren Dreikönigstrunk nicht verzichten mochten und die Oberbürgermeisterin ihrerseits auf einen Bürgerempfang beharrte, gibt es 2012 nun erstmals zwei Empfänge.

Oberbürgermeisterin beharrte auf Bürgerempfang

Die Oberbürgermeisterin wollte anscheinend genauso wenig zurückstecken wie die Räte. Sie setzt auffällig und immer öfter auf den direkten Kontakt zu ihren Bürgern, lädt zu Bürgergesprächen, nimmt an Bürgerwerkstätten teil und informiert die Überlinger im Amtsblatt Hallo Ü und auf der Website der Stadt über die Politik der Stadtverwaltung. Ein nichtöffentlicher Dreikönigstrunk passte da nicht mehr so Recht. Weil die Mehrheit des Gemeinderats aber geneigt war, an der Tradition festzuhalten, findet der Dreikönigstrunk auch 2012 wieder am Vorabend des Dreikönigstags im historischen Rathaus statt. Die Ratsmehrheit stellte es der Oberbürgermeisterin aber leichtsinnigerweise frei, zusätzlich noch alle Bürgerinnen und Bürger zu einem Neujahrsempfang einzuladen und beauftragte die Stadtveraltung, damit, einen Bürgerempfang zu planen. Anscheinend sollte der, wäre es nach der CDU gegangen, aber erst im Mai stattfinden.

CDU verwundert

Mit Verwunderung hätten die Mitglieder der CDU-Fraktion nun erfahren, dass am Sonntag, 15. Januar 2012, ein weiterer Neujahrsempfang im Kursaal stattfinden solle, schreibt jetzt die Überlinger CDU. Weiter heißt es: „In der Debatte des Gemeinderats über die Ersetzung des Dreikönigstrunks durch eine andere Form des Neujahrempfangs am 26.01.2011 votierte eine deutliche Mehrheit des Gemeinderats gegen den Beschlussvorschlag der Oberbürgermeisterin und für die Beibehaltung des Dreikönigstrunks. Wie die Oberbürgermeisterin richtig ausführt, wurde die Verwaltung in dieser Sitzung damit beauftragt, einen allseits gewünschten Bürgerempfang für die gesamte Einwohnerschaft in die Wege zu leiten. Es bestand allerdings Konsens darüber, dass eine solche Veranstaltung nicht in zeitlicher Nähe zum Dreikönigstrunk stattfinden sollte, um dem Eindruck entgegen zu wirken, dass es in dichter Abfolge zwei unterschiedliche Neujahrsempfänge der Stadt Überlingen gibt.“

Oberbürgermeisterin auch verwundert

Daran, dass es nun zwei Neujahrsempfänge gibt, lässt sich auf keinen Fall mehr rütteln. Die Bürger sind schließlich alle schon eingeladen. Oberbürgermeisterin Sabine Becker zeigte sich ihrerseits verwundert über die Verwunderung und Aufregung der CDU. Sie hat in Erinnerung, dass sie bei der Terminwahl für ihren Bürgerempfang frei gewesen sei. So stehe es auch im Sitzungsprotokoll.

Hier geht es zu einem Auszug aus dem Protokoll der öffentlichen Sitzung.

4 Kommentare to “Überlinger CDU empört über Neujahrsempfang für alle Bürger”

  1. dk
    21. Dezember 2011 at 22:54 #

    Zu CH-Wahlen hat sich ein ehem. Bundesrat hat in einem Interview u.a. geäussert:

    … Ich will der SVP sagen: «Halt, ihr seid zu weit gegangen, besinnt euch, denkt daran, es geht um unser Land, um weise Lösungen für unser Land. Das Volk will nicht Streitereien, sondern Lösungen.» …

    Bei der CH-Bundesratswahl ist mir in einem Journalisten-Artikel auch die Formulierung „Lösungen statt Streitereien“ direkt ins Auge gesprungen.
    Neben der offiziellen Konkordanz bei Bundesratswahlen scheinen auch die Befindlichkeiten von National- und Ständerat sowie weitere Faktoren beachtet zu werden, so dass auch „linke“ und „rechte“ irgendwie zur breiten Mitte gehören.
    Zusätzlich ergibt sich durch mögliche Volksabstimmungen ein wirksames Druckmittel für „gute ausgewogene Lösungen“: die negativen Nebenwirkungen von dt. politischen Rezepten sind doch sehr beachtlich. Schweizer(innen) sollen auch sehr träge beim Wählen sein; die Möglichkeit aber zeigt Wirkung.

    «Es war wie ein innerer Ruf: So nicht, jetzt musst du eingreifen»
    http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Es-war-wie-ein-innerer-Ruf-So-nicht-jetzt-musst-du-eingreifen/story/18809453

  2. Günter Hornstein
    23. Dezember 2011 at 12:35 #

    Es ist sehr verwunderlich, wie einseitig im Seeonline der Wille der CDU abgedruckt wird. Es geht und ging nicht um den Bürgerempfang, hinter diesem steht auch die CDU. Es ging lediglich um die Terminierung, genau 10 Tage nach dem offiziellen Neujahrsempfang einen zweiten Neujahrsempfang zu veranstalten. Wunsch wäre ein Bürgerempfang an einem anderen, für die Stadt bedeutendem Datum. Beispielsweise dem Tag der ersten
    Schwedenprozession. Da die Teilnehmerliste des Dreikönigstrunks und des Bürgerempfanges teilweise identisch ist, macht die zeitliche Nähe der Veranstaltungen aus unserer Sicht keinen Sinn. Dies war aus unserer Sicht auch die Intention des Gemeinderatsbeschlusses vom 26.1.2011. (nachzulesen im Protokoll)

  3. wak
    23. Dezember 2011 at 12:55 #

    @Günter Hornstein Mir liegt das Protokoll der Sitzung vor. Ich habe darin keinen Hinweis gefunden, dass der Bürgerempfang nicht im Januar stattfinden soll. Richtig ist, dass die CDU einen anderen Termin favorisiert hätte.

  4. dk
    23. Dezember 2011 at 13:58 #

    Als Lutheraner in Konstanz wünscht man sich eher einen „Tag der offenen Tür“ für das Rathaus mit ertragbarem Museums-Eintritt und ein Arbeitszimmer ganz oben im Telekom-Tower, wo die Kreativität zum Geldverdienen dem Ausblick entsprechend riesig sein muss.

    Über die beiden katholischen Termine in Überlingen habe ich herausgefunden, dass der „weibliche von-Guttenberg“ ab April 2012 wieder bei der EKD mitmachen darf: Kässmann on Tour für den Reformationstag 2017.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Margot_K%C3%A4%C3%9Fmann
    http://www.ekd.de/aktuell_presse/news_2011_07_08_3_mk_pk_reformationsbotschafterin.html

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