Überlinger Oberbürgermeisterin reitet in die grüne Sonne

Bürgerwerkstatt zur Landesgartenschau 2020 – So viel Bürgerbeteiligung gibt’s fast nirgendwo

Überlingen. Die Überlinger Oberbürgermeisterin Sabine Becker reitet in die grüne Sonne. Sie hat ihr Pferd für einen langen Ritt gesattelt. Das Ziel liegt jenseits der Tagespolitik und heißt Landesgartenschau 2020. Wenn sie ankommen möchte, muss sie ihre Bürger beteiligen. Am vergangenen Donnerstag hieß es aufsitzen zur ersten Bürgerwerkstatt. Die Oberbürgermeisterin ist angetreten, um ihre Bürger mitsprechen zu lassen und sie für den langen Ritt zu gewinnen.

Johann Senner sieht grüne Sonne

60 Überlinger Bürgerinnen und Bürger haben sich an der ersten Überlinger Bürgerwerkstatt zur Landesgartenschau beteiligt. Landschaftsplaner und Moderator des Abends war Johann Senner, der von der „grünen Sonne“ sprach. Im Dialog mit Senner machten die Workshopteilnehmer sehr konkrete Vorschläge zu Dauerausstellungen für die Landesgartenschau 2020. Die Planstatt Senner begleitet den Ideen- und Realisierungswettbewerb. An den Gruppengesprächen beteiligten sich auch Oberbürgermeisterin Sabine Becker und Bürgermeister Ralf Brettin. Die Ideen hefteten die Bürger später an eine Pinwand, die zum Schluss abfotografiert worden ist.

Bürgerbeteiligung groß geschrieben

„Dass die Ideen der Bürger schon in die Ausschreibung einfließen, ist einzigartig“, sagte Oberbürgermeisterin Sabine Becker. Die Ausschreibung ist eine Art Wunschliste, die Vorgaben für Planungsbüros enthält. Voraussichtlich 20 bis 40 Planungsbüros würden sich, so Johann Senner, im kommenden Jahr am Ideen- und Realisierungswettbewerb beteiligen. Davon gehe er aus. „Vielleicht sind es in Überlingen ein paar mehr oder weniger“, sagte Senner. So viel Bürgerbeteiligung wie in Überlingen und das auch noch so früh gibt es in kaum einer anderen Stadt. Das sagte auch Martin Richter, Geschäftsführer der Förderungsgesellschaft für die Baden-Württembergischen Landesgartenschauen mbH. Die Überlinger dürfen schon an der Auslobung des Wettbewerbs mitarbeiten.

Die Wünsche der Bürger

Die Bürger trafen sich in einem Plenum und teilten sich zwischendurch in zwei Gruppen auf, in denen sie diskutierten. Nach mehr als drei Stunden stand dann auch ein Ergebnis fest: Die Teilnehmer der Bürgerwerkstatt wünschen sich Bürgerparks, Freiräume mit Seezugängen, Grillstellen und Räume für Jung und Alt, für Familien, für Sportler und Kunstinteressierte, ein Haus für die einzigartige Kakteensammlung der Stadt und keine oberirdischen Parkflächen und weniger betonierte Promenade.

Ideen gesammelt

Dauerausstellung werden soll das Gelände von der Sylvesterkapelle in Goldbach im Überlinger Westen bis zum Mantelhafen ganz im Osten. Das Zentrum liegt am See. Das Grün strahlt aber bis in die Stadt hinein. Zum Schluss trugen die Moderatoren, Johann Senner und seine Mitarbeiterin, die Landschaftsarchitektin Kerstin Winandi, die Einzelvorschläge aus den Gruppen zusammen: Die Bürger könnten sich im Westen einen Landschaftspark vorstellen. Eine Durchgangsstraße passt da nicht mehr. Die Straße müsse an die Gleise verlagert werden. Stellplätze für die Therme sollten in einer unterirdischen Parkgarage gebaut werden. Keine Einstimmigkeit gab es, was die Zukunft des Campingplatzes angeht. Überplanen können die Überlinger im Westen zwischen See und Bahngleisen insgesamt nur ein schmales Handtuch, 44 Meter tief und 550 Meter lang.

Stadtgräben hell oder dunkel

Im Badgarten möchten Bürger einen Platz für Kultur. In den Stadtgräben dürfe es keine versperrten Durchgänge mehr geben. Ein Vorschlag war, eine Brücke vom Pavillon zum Gallerturm zu bauen. Geteilt waren die Meinungen, was die Beleuchtung angeht. Während sich die einen besser ausgeleuchtete Gräben wünschten, möchten andere das Licht ausknipsen und dunkle Bereiche erhalten.

Beton soll weg

An der Promenade möchten die Überlinger nicht mehr so viel Beton und Pflanzkübel. Kritisch sehen sie auch die versiegelte Fläche auf den Mantelhafen und den Chantilly Platz im Osten. Den grünen Mantelkopf mit der Boulebahn möchten die Bürger erhalten. Außerdem möchten die Workshopteilnehmer Verbindungen von der Promenade am See in die historische Altstadt. Beim Museum könnten sich einige einen Weinberg vorstellen.

Dauerhaft höhere Aufenthaltsqualität

Die Oberbürgermeisterin warb im Plenum für die Landesgartenschau 2020. Sie sagte, sparen müsse Überlingen mit oder ohne Landesgartenschau. Die Stadt könnte aber nur mit der Landesgartenschau 2020 von Zuschüssen und komplementären Finanzierungen profitieren. Auch Landschaftsplaner Johann Senner sieht eine „riesen Chance“. Von 40 Städte bekamen nur zehn den Zuschlag für eine Landesgartenschau. Im Unterschied zu anderen Städten würden die Dauerausstellungen in Überlingen nicht zurückgebaut, so dass die Bürger dauerhaft von einer höheren Aufenthaltsqualität profitieren. Täglich erhalte die Planstatt zwei Briefe von Bürgern, die sich einbringen möchten, berichtete Senner. Sein Büro nehme alle Vorschläge auf. Sie sollen dann Eingang in die Auslobungsunterlagen finden.

Erst 2012, voraussichtlich im letzten Quartal, entscheidet Überlingen definitiv, ob die Stadt die Landesgartenschau 2020 veranstaltet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotos: Elisa Al Rashid PIXELIO www.pixelio.de und wak

4 Kommentare to “Überlinger Oberbürgermeisterin reitet in die grüne Sonne”

  1. eikju
    12. November 2011 at 01:18 #

    potemkin is watching you !

  2. Wilfried
    12. November 2011 at 10:26 #

    Voraussetzung für diese möglichen Maßnahmen ist eine
    Verkehrsberuhigung in der Christoph- und Jakob-Kessenring-
    Strasse.Diese beiden Strassen können keinesfalls den zusätzlichen Verkehr aufnehmen und gehören für den
    Durchgangsverkehr gesperrt.

  3. loewe
    12. November 2011 at 10:35 #

    Es gehören mit Sicherheit nicht irgendwelche Straßen einfach nur gesperrt, damit der Verkehr schon wieder in andere Gebiete verlagert wird. Vielmehr muss als erstes das Überlinger-Gesamtverkehrsproblem gelöst sein, bevor überhaupt nur eine Minute an eine Landesgartenschau verschwendet werden sollte!

    Dies sehe ich als eigentliche Voraussetzung an!

  4. sparring
    12. November 2011 at 10:53 #

    zu loewe : man sollte zumindest genau aufpassen, daß nicht latent vorhandene mißstände (verkehr) durch theatrale hurra-meldungen in den hintergrund geraten. so wie es in der politik gern praktiziert wird, – übrigens von jeder couleur.
    die stadt ist ihren bürgern immer noch ein überzeugendes konzept in puncto verkehrsplanung schuldig. das hat sicher priorität.

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