Überlinger Sommermärchen 2020 fängt gerade an

Landesgartenschau in zehn Jahren schiebt nachhaltige Stadtentwicklung an

Überlingen (wak) Die Landesgartenschau 2020 bietet der Stadt Überlingen eine riesige Chance, sich zu entwickeln. Projekte wie der Stadteingang West sind, seit Überlingen den Zuschlag bekommen hat, greifbar nahe. Thomas Götz, Geschäftsführer der Kur und Touristik GmbH, spricht von einem „kleinen Sommermärchen“.

Millionen Zuschüsse aus Stuttgart

Oberbürgermeisterin Sabine Becker und Bürgermeister Ralf Brettin sind entschlossen, zuzugreifen. Wenn es die Stadt geschickt macht, hat sie die einzigartige Chance, die Stadt in den kommenden Jahren nachhaltig zu entwickeln. Will die Stadt die Gartenschau stemmen, muss sie sich aber gewaltig anstrengen. Denn die Zusage trifft eine Stadt, die wie andere Kommunen auch, eine desaströse Haushaltslage hat. Zwar gibt es bisher erst Kostenschätzungen, sicher ist aber schon heute: Überlingen wird dank der Landesgartenschau Zuschüsse aus Stuttgart in Millionenhöhe erhalten, die die Stadt sonst nicht bekäme. Veranschlagt sind bisher Investitionen von 10,8 Millionen Euro in Dauerprojekte. Fünf Millionen Euro davon kommen voraussichtlich vom Land. Für die Durchführung der Landesgartenschau muss die Stadt weitere acht Millionen Euro in die Hand nehmen. „80 Prozent sind refinanzierbar“, so Oberbürgermeisterin Sabine Becker am Donnerstag. Das hätten die Erfahrungen in anderen Städten gezeigt – die Rechnung sei realistisch. Überlingen biete sich zum Beispiel auch die Chance, die Bahnhofstraße vom See wegzuverlegen, sagte Becker. Rechnen könnte die Stadt offenbar für die Straßenverlegung mit 75 Prozent Zuschuss. Den Kauf der Grafschen Geländes – für das es Rücklagen gibt – plante die Stadt schon unabhängig von der Gartenschau.

Überlingen aus der Krise weiter entwickeln

Trotzdem wird der Weg für Überlingen in den kommenden Jahren – mit oder ohne Landesartenschau 2020 – ein steiniger sein. Das Ziel sei, im Verwaltungshaushalt dauerhaft drei Millionen Euro einzusparen. „Alles muss auf den Prüfstand“, so Oberbürgermeisterin Sabine Becker. Die Stadt müsse entscheiden, welche Aufgaben tatsächlich Aufgaben der Stadt sind, ob die Gebühren realistisch sind oder was outgesourct werden könnte. „Die Stadt muss sich weiter entwickeln trotz der Krise“, sagte Sabine Becker. Weiter machte sie klar, eine Landesgartenschau und Schuldenabbau gleichzeitig sind nicht möglich. Das Ziel sei: Keine Neuverschuldung. „Es ist keine leichte Aufgabe“, so die Oberbürgermeisterin.

Landesartenschau Lokomotive für den Bodensee

Johann Senner, der mit seiner Planstatt die Stadt bei ihrer Bewerbung unterstützt hatte, sagte: „Landesgartenschauen sind Stadtentwicklungsprogramme.“ Sie hätten für alle Bürger einen Mehrwert. Mehr als 40 Städte hätten sich aktuell um Landesartenschauen beworben. Nur fünf seien vergeben worden. Dass Wangen und Überlingen unter den Gewinnern waren, deute darauf hin, dass die Konzepte gesiegt hätten. Überlingen, das schon viel für die ausgefallene IGA 2017 vorgearbeitet hatte, bekam den Zuschlag nicht etwa aus Proporzgründen, sondern wegen des Konzepts, so Senner. Der international erfolgreiche Landschaftsplaner sagte, die Landesartenschau in Überlingen habe eine „Lokomotivfunktion“ für den Bodensee. Die Chance, eine 50-prozentige Co-Finanzierung für Dauerausstellungsprojekte zu erhalten, sei einzigartig. Klar sei, dass in den kommenden Jahren Vorhaben in Überlingen, wenn es um Zuschüsse gehe, bevorzugt behandelt würden. Klar stellte Senner am Donnerstag aber auch, dass der Auftrag der Planstatt Senner, nämlich die Bewerbung zu begleiten, mit dem Zuschlag erledigt sei. Die Gartenschauprojekte müssten ausnahmslos ausgeschrieben werden. „Sollten wir uns bewerben, wären wir ein Büro unter hundert anderen“, so Senner.

Bis 2019 Rücktrittsmöglichkeit

Ob der Stadt der große Wurf gelingt, hängt auch noch davon ab, ob der Gemeinderat für die vielen einzelnen Projekte stimmt und in den kommenden Jahren den steinigen Weg mit der Oberbürgermeisterin gemeinsam geht. Theoretisch hätte die Stadt noch bis 2019 die Möglichkeit, zurückzutreten. Erst in zwei bis drei Jahren würden die Verträge gemacht. Überlingen könne sich Zeit lassen und die Landesgartenschau in Ruhe vorbereiten. Dass eine Stadt, die den Zuschlag erhalten hat, zurückgezogen hätte, wäre Senner nicht bekannt. Es gebe auch keine Stadt, die es je bereut hätte, Landesgartenschau Stadt gewesen zu sein. Das beste Beispiel in der Region dürfte Singen sein. Bürgermeister Ralf Brettin sagte: „Überlingen hat Potenzial.“ Die Landesgartenschau sei ein „hochkomplexes Planungsinstrument“.

Vision vom Stadteingang West wird real

Stadtplaner Thomas Nöken riss die Zukunftsaufgaben an, die Überlingen nun stemmen könnte. Ein großes Thema ist der Stadteingang West. Die Bahnbrache stört. Das Miteinander von Fußgängern, Radfahrern und Autos in der heutigen Bahnhofstraße sei nicht ideal. Seezugänge sind verbaut. Die Silvesterkapelle ist zwischen Bahngleisen und Wasser eingezwängt. Aus dem Mantelhafen möchte die Stadt einen echten Platz machen. Die Promenade wäre, falls alle Projekte verwirklicht würden, dann statt 2,8 Kilometer vier Kilometer lang. Nöken sagte, die Stadt sei nach der Absage der IGA 2017 sehr enttäuscht gewesen. Die Landesartenschau 2020 könnte ein „Meilenstein“ in der Stadtentwicklung werden. Thomas Vogler, Chef des Grünamtes, sagte die bestehende Gartenkultur sei die Grundlage für die Schau. Im Mittelpunkt einer Gartenschau stünden nicht etwa die Blümchen, sondern die nachhaltige Stadtentwicklung und die Pflege der Landschaft, so Vogler. Dass Überlingen mit dem Bahnhof Therme einen Bahnhof mitten im Gartenschaugelände hat, sei Glücksfall. Das Gebäude steht derzeit zum Verkauf. Es könnte das Gartenschaugebäude werden.

Tourismus Standort kann profitieren

Thomas Götz, Geschäftsführer der Kur und Touristik, sagte, die Landesgartenschau sei bestes Stadtmarketing. Schon jetzt ließe die Nachricht aufhorchen und mache einer Hotelinvestition wie Südlich Härlen geplant noch attraktiver. Götz sieht nur Vorteile. Er verglich die Gartenschau mit der Bodensee-Therme. Er sagte, dass seit Eröffnung der Therme vor sieben Jahren in Überlingen zusätzlich zehn Millionen Euro privates Kapital investiert worden sind. Götz ist überzeugt, dass Überlingen das Ziel von 800.000 Übernachtungen mit der Landesgartenschau erreichen könnte. Einen Strich durch die Rechnung machen können sich nur noch die Überlinger selbst. Scheitern könnte das Sommermärchen noch am fehlenden politischen Willen.

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