Überlingen unterwegs zur Landesgartenschau 2020

Villingen-Schwenningen zieht nach Landesgartenschau positive Bilanz – Vorbild für Landesgartenschau 2020 in Überlingen

Villingen-Schwenningen/Überlingen. Seit dieser Woche ist Schluss mit Landesgartenschau in Villingen-Schwenningen. Gerade noch hat es die grüne Großveranstaltung, die im Vorfeld politisch ähnlich umstritten gewesen ist wie die in Überlingen, auf eine Million Besucher geschafft. Die Schlussrechnung liegt voraussichtlich im Frühjahr vor. Rote Zahlen hat die Stadt aber offenbar nicht geschrieben. Was bleibt: Villingen-Schwenningen hat die einmalige Chance zur städtischen Weiterentwicklung genutzt.

Verwelkt sind in Villingen nur die Blumen

Das grüne Event dauerte 152 Tage und war die 23. Landesgartenschau in Baden-Württemberg. In Villingen-Schwenningen sind die Blumenhallen in dieser Woche leer geräumt worden, ein Kunstobjekt zum Abtransport verladen sind und eine Fußgängerbrücke demontiert. Doch nicht alles ist vergänglich: Die Wohn- und Lebensqualität hat sich in der Stadt nachhaltig verbessert. Neue Parklandschaften, Orte der Begegnung und der Erholung mit Spiel- und Ruhezonen sind entstanden. Ähnliches könnte sich 2020 in Überlingen ereignen.

Bürgerentscheid machte in Villingen-Schwenningen Weg frei

Die Landesgartenschau 2010 war zudem auch ähnlich umstritten wie die Landesgartenschau 2020, für die Überlingen den Zuschlag bekommen hat. „Wir hatten auch einen Bürgerentscheid“, sagt Kay Tilgner von der Pressestelle. Das Wörtchen „auch“ ist freilich nicht ganz korrekt. Zwar hat die Überlinger Oberbürgermeisterin Sabine Becker bereits signalisiert, dass sie sich einen Bürgerentscheid vorstellen könnte. Ausgerechnet dem größten Gartenschaugegner, dem Verein Bürgersinn, scheint aber nur wenig an einem „Volksentscheid“ gelegen zu sein. Das sagte der Vereinsvorsitzende Henning von Jagow schon mehrfach. Die Entscheidung Bürgerentscheid ja oder nein treffen dürfte somit der Gemeinderat.

Professionelle gartenschauerfahrene Geschäftsführung

Kay Tilgner sagte, klar könne er Zahlen liefern. Abgerechnet wird aber erst später. Noch stehe die Besucherzahl nicht ganz exakt fest. Kurz vor Schluss knackte Villingen-Schwenningen offenbar doch noch die Million. Fest steht aber auch:Nur etwa die Hälfte der Besucher bezahlte. Knapp 500.000 Besucher kauften eine Einzeleintrittskarte. 3.000 entschieden sich für eine Dauerkarte, mit der sie mehrmals das 24 Hektar große Gelände besuchen konnten. Die anderen kamen als Mitwirkende, Helfer oder Ehrengäste kostenlos aufs Gelände. Dass es offenbar keine finanziellen Probleme gibt, verdankt Villingen-Schwenningen wohl dem Geschäftsführer der Gartenschau GmbH Michael Martin „Mr. Gartenschau“. Die Schlussrechnung liegt aber erst im kommenden Frühjahr vor. Der 65-Jährige, ein Landesgartenschauprofi, organisierte schon mehrere Gartenschauen. Schlecht für Überlingen: Die in Villingen-Schwenningen war allerdings seine letzte. Geleistet worden sind nach Auskunft der Pressestelle auch etwa 200.000 Stunden ehrenamtliche Arbeit. Die Kosten der Schau sollen 28 Millionen Euro betragen.

230 Millionen öffentliches Geld

Insgesamt gibt es seit 30 Jahren Landesgartenschauen in Baden-Württemberg. Sie finden aber nicht jährlich statt. 625 Hektar Grünflächen seien in den Städten so geschaffen worden. Immer mehr wurden die Gartenschauen von der Blümchenschau zu Stadtsanierungsprojekten. Das Land gab insgesamt rund 80 Millionen Euro Zuschuss. 150 Millionen investierten die Städte. Etwa das Sechsfache sollen private Investoren ausgegeben haben.

Infrastrukturprojekte verwirklicht

Villingen-Schwenningen packte mehrere Projekte an. Seit der Landesgartenschau ist die Brigach zugänglich. In Schwenningen fließt der Neckar nicht mehr unterirdisch. Neue Grünflächen im Bereich des Schwenninger Bahngeländes sind entstanden: Im Stadtbezirk wurde aus der sanierungsbedürftigen Industriebrache des Bahnhofsareals eine großzügige Parkanlage, der Neckarpark. Knapp 70.000 Blumen, Bäume und Sträucher wurden gepflanzt. Die Stadt versprach sich von der Landesgartenschau vor allem auch einen Imagegewinn.

Überlingen erhofft sich nachhaltige Stadtentwicklung

Die Stadt Überlingen veranschlagte bisher Investitionen von 10,8 Millionen Euro in Dauerprojekte. Fünf Millionen Euro davon sollen nach Auskunft der Stadt voraussichtlich vom Land kommen. Für die Durchführung der Landesgartenschau müsste die Stadt weitere acht Millionen Euro in die Hand nehmen. 80 Prozent hält die Oberbürgermeisterin für refinanzierbar. Das hätten die Erfahrungen in anderen Städten gezeigt – die Rechnung sei realistisch. Auch in Überlingen gibt es eine Brache im Westen der Stadt, wo das Ufer es Bodensees neu zugänglich gemacht werden könnte. Zudem böte sich die Chance, die Bahnhofstraße vom See wegzuverlegen. Rechnen könnte die Stadt offenbar für die Straßenverlegung mit 75 Prozent Zuschuss. Möglicherweise könnte die Landesgartenschau 2020 auch die Initialzündung für den Weiterbau der B 31 neu sein. Oberbürgermeisterin Sabine Becker hatte bereits klar gemacht, dass die Stadt bis zur Landesgartenschau den Altstadtring und P+R Plätze am Rande der Stadt bräuchte. So könnte Überlingen auch das Verkehrsproblem lösen. Henning von Jagow allerdings fürchtet genau das Gegenteil: Er sieht Reisebusse und Landesgartenschaubesucher, die das bestehende Problem noch weiter vergrößern.

Mit der IGA 2017, für die einige Projekte bereits angedacht waren, wird die Landesgartenschau nicht vergleichbar sein. Dass sie Strahlkraft hat, von der auch andere Bodenseestädte prpfitieren könnten, glauben die Nachbarn offenbar eher nicht.

Foto: Martina Brunner PIXELIO www.pixelio.de

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