Ungeheuerlicher Verdacht: Kliniken warnen vor „künstlichen“ Frühgeburten

Perinatalzentren fürchten künstliche Erhhöhungen von Fallzahlen – Hohe Mindestzahl bei Frühgeborenen falscher Anreiz

Kampf um BabysSingen. Zusammen mit anderen Kliniken, dem QuMiK-Verbund, kämpft das Hegau-Bodensee-Klinikum Singen um die Frühgeborenen in der Kinderklinik. Die Klinik sieht die Versorgung der Frühgeborenen aufgrund einer neuen bundesweiten Regelung in Gefahr. Sie schreibt eine Mindestzahl Frühgeborener pro Klinik vor. Heute äußerte der Verbund einen ungeheuerlichen Verdacht: Kliniken könnten künstlich Frühgeburten einleiten, um auf höhere Fallzahlen zu kommen.  

Große Krankenhäuser arbeiten zusammen

Das Perinatalzentrum Level 1 des Hegau-Bodensee-Klinikum Singen gehört zum QuMiK-Perinatalverbund, der 2010 gegründet wurde. Der QuMiK-Verbund (Qualität und Management im Krankenhaus; www.qumik.de ) ist ein Zusammenschluss von großen Krankenhäusern in Baden-Württemberg, die ihre Patienten optimal versorgen wollen, so der Gesundheitsverbund HBH-Kliniken. Insgesamt gehören dem QuMiK-Perinatalverbund sechs Perinatalzentren an: Böblingen, Heilbronn, Ludwigsburg, Singen und Villingen-Schwenningen sowie Waiblingen.

Häuser versorgen 20 Prozent der landesweit 1100 Frühgeborenen

Im Fokus steht die Gesundheit von Mutter und Kind. Perinatalzentren sind hoch spezialisierte Einrichtungen zur Versorgung von Früh- und Neugeborenen. Ziel ist es, durch Kooperation die Qualität und Effizienz der Versorgung von Schwangeren, Früh- und Neugeborenen in der Region zu optimieren und hohe Standards zu gewährleisten. In den QuMiK-Häusern und den kooperierenden 18 Frauenkliniken finden jährlich etwa 19.000 Geburten – etwa 22 Prozent aller Geburten in Baden-Württemberg – statt. Auf den Intensivstationen der QuMiK-Perinatalzentren werden jährlich etwa 220 Frühgeborene unter 1500 g behandelt und betreut. Das sind etwa 20 Prozent der gut 1100 Frühgeborenen in Baden-Württemberg.

Frühgeburten verhindern

Die bestmögliche, wohnortnahe Versorgung von kleinen Frühgeborenen sei ein wichtiges Ziel im Kinderland Baden-Württemberg, heißt es in einer Mitteilung des Verbunds QuMiK. Noch besser sei es aber, Frühgeburten überhaupt zu verhindern und die Neugeborenen später, als reifere und gesündere Kinder zur Welt kommen zu lassen.

Mindestens als 30 Frühgeborene nötig

Der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) hat diesen Sommer entschieden, ab nächstes Jahr kleine Frühgeborene nur noch in Kliniken versorgen zu lassen, in denen mehr als 30 Frühgeborene unter 1250 g Geburtsgewicht geboren werden. Wenn der GBA die Mindestmenge als entscheidendes Kriterium für die Qualität von Perinatalzentren festlege, führt dies zu massiven Fehlanreizen: Kliniken könnten Frühgeborene früher mit niedrigerem Geburtsgewicht entbinden, um über eine höhere Zahl an Kindern unter 1250 g eine scheinbar höhere Qualität vorzutäuschen, heißt es in einer Pressemitteilung des QuMiK-Verbunds.

Nach Ansicht des Qumik-Verbunds führen die Mindestmengen zu bedrohlichen Nachteilen bei der Notfallversorgung aller Neugeborenen und zu einer erheblichen Belastung der Familien mit Frühgeborenen.

Foto: Stefan Beger PIXELIO www.pixelio.de

Ein Kommentar to “Ungeheuerlicher Verdacht: Kliniken warnen vor „künstlichen“ Frühgeburten”

  1. Silvia
    10. Dezember 2010 at 07:21 #

    Ich möchte hier erwänen das jeder der sich für Frühgeburten intresiert mal unter http://www.fruehchenforum.com oder unter http://www.fruehchen-info.at reinschauen soll dort kann man echt gute tipps und viel wissenswertes entnehmen.
    LG
    Silvia

Schreibe einen Kommentar

Hinterlassen Sie hier Ihren Kommentar. Bleiben Sie bitte nett. Ihre E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.