Unterstützer von Uli Burchardt splitten bürgerliches Lager

Konstanzer haben am 1. Juli die Wahl zwischen Profis, Grün und Außenseiter – Stadtpolitik kann angeblich jeder

Konstanz. Uli, wer? Rechtzeitig vor dem Wochenende haben Mitglieder der sogenannten bürgerlichen Parteien jetzt die Katze aus dem Sack gelassen. Ein illusterer Kreis mit Sabine Geistler, Rechtsanwältin und stellvertretende Vorsitzende des CDU-Stadtverbandes, Christoph Bauer, Vorsitzender des Ortsvereins der Freien Wähler Konstanz, und der Allgemeinarzt und Fraktionsvorsitzende der FDP im Konstanzer Stadtrat, Heinrich Everke, wollen Uli Burchardt zum Konstanzer Oberbürgermeister machen. Wochenlang hatten sie sich mit Castings aufgehalten und zwischenzeitlich auch mit einem Glücksritter vom Fernsehen geliebäugelt. Jetzt outen sie sich als Wahlhelfer von Sabine Seeliger (Grüne) und Sven Zylla (SPD). Das bürgerliche Lager ist gesplittet. Neu im Rennen ist seit Freitag auch noch Henning Tartsch.

Bürgerliche splitten Mitte der Stadt

Während Sabine Reiser seit Wochen als unabhängige Kandidatin unterwegs ist und viel Zuspruch auch aus der CDU-Fraktion, der Fraktion der Freien Wähler sowie der FDP bekommt, haben andere nun einen anderen Favoriten auserkoren. Am Freitagnachmittag verschickten drei sogenannte Bürgerliche eine Erklärung, in der es unter anderem heißt: „Als Menschen aus unterschiedlichen Gruppierungen sprechen wir uns ganz persönlich für Uli Burchardt als neuen Oberbürgermeister aus. Wir sehen in ihm eine unabhängige, glaubwürdige und entschlossene Persönlichkeit für unsere Stadt.“

Unterstützerkreis für Burchardt

Deshalb haben die Unterzeichner jetzt einen Unterstützerkreis ins Leben gerufen. Geistler, Bauer und Everke schreiben weiter: „Wir sind sicher, dass Uli Burchardt ein Oberbürgermeister für alle Konstanzerinnen und Konstanzer sein wird.“ Sie unterstützen einen Mann ohne jede Führungs- und Verwalgungserfahrung.

Floskeln reichen für Konstanzer

Nach intensiven Gesprächen mit verschiedenen Bewerberinnen und Bewerbern hätten sie sich unabhängig voneinander für ihn entschieden. Die Unterstützer meinen, ihr Kandidat könne die unterschiedlichen Interessen von Bürgerinnen und Bürgern, Gruppierungen und Parteien integrieren und zu einem gemeinsamen Ziel führen. Es folgen Floskeln: „Eine lebendige Stadt, die ihre wertvollen gewachsenen kulturellen Strukturen sowie ihre Landschaft und ihre Lebenslust erhält, die sich wirtschaftlich weiter entwickelt und den sozialen Zusammenhalt der in ihr lebenden Menschen stärkt.“ Insbesondere Uli Burchardts entschiedenes Eintreten für Nachhaltigkeit habe sie überzeugt. Bei einer Nachfrage bei einer FDP-Veranstaltung, was er denn mit „Nachhaltigkeit“ meine, hatte der Kandidat „nachhaltigen Tourismus“ geantwortet. Sabine Geistler, Christoph Bauer und Heinrich Everke wollen für „eine breite Unterstützung für Uli Burchardt“ werben. Ganz breit kann diese aber längst nicht mehr werden. Denn Burchardt ist nicht alleine unterwegs.

Atemberaubendes Anforderungsprofil an einen OB

In seinem Berufsleben habe Burchardt stets Führungsverantwortung übernommen: Als Mitglied der Geschäftsleitung eines großen Unternehmens genauso wie als Unternehmensberater mit seiner Firma in Radolfzell. Damit bringe er die Wirtschaftskompetenz ein, die ein Oberbürgermeister brauche, meinen die Unterstützer. Denn Uli Burchardt verstehe Unternehmer aus langjähriger eigener Erfahrung – auch solche, die sich in Konstanz ansiedeln und Arbeitsplätze schaffen wollten.

Jeden Tag ein neuer Kandidat

Seit Freitagnachmittag gibt es übrigens noch einen weiteren Bewerber. Auch der Konstanzer Werber Henning Tartsch hat heute seine Kandidatur erklärt. Punkten möchte er, indem er die jungen Konstanzer in der Fokus rückt. Seine Kampagne dürften andere Werbe- und Kommunikationsprofis mit Interesse beobachten. Schade, dass sich Sabine Geistler, Christoph Bauer und Heinrich Everke nun schon entschieden haben. Sie hätten sonst das Casting „Konstanz sucht den Super-OB“ noch ein, zwei Wochen fortsetzen können.

Außenseiter oder Profi

Die Wählerinnen und Wähler haben am 1. Juli die Wahl: Sie werden darüber entscheiden, ob die Stadt, die den ersten grünen OB in Deutschland wählte, weiter grün bleibt. Sie haben auch die Wahl, ob sie in Zukunft von einem Oberbürgermeister oder einer Oberbürgermeisterin regiert werden wollen. Vor allem aber treffen sie die Entscheidung, ob sie ihre Stadt einem Außenseiter anvertrauen wollen, oder sich doch für eine Person mit Verwaltungs- und Führungserfahrung entscheiden. Sabine Reiser, die CDU-Mitglied ist, aber als unabhängige Bewerberin antritt und sich von keiner Partei nominieren ließ, und Sven Zylla (SPD) sind beide Regierungsdirektoren. Sie dürften am ehesten für Kontinuität in der Stadtpolitik und  ein professionelles Management im Rathaus stehen. Sabine Seeliger steht originär für grüne Ideen. Insgesamt gibt es jetzt zehn Bewerber.

7 Kommentare to “Unterstützer von Uli Burchardt splitten bürgerliches Lager”

  1. Biograf
    18. Mai 2012 at 22:40 #

    Wenn weder bei der Wahl eines Ministerpräsidenten noch beim Bundeskanzler Verwaltungserfahrung ein entscheidendes Kriterium ist, warum soll es dann für den OB einer kleinen Provinzstadt in Deutschland so wichtig sein? Und was die Zersplitterung des konservativen Lagers angeht: Mich freut’s.

  2. Winfried Kropp
    21. Mai 2012 at 09:34 #

    @biograf: Ministerien haben eine Doppelspitze. Es gibt einerseits die politische Führung und andererseits die Verwaltungsspitze des Hauses. Im Bund ist das der beamtete Staatssekretär, im Land der Ministerialdirektor.
    In den Städten und Gemeinden erfüllt der Oberbürgermeister diese Doppelfunktion in Personalunion: Er muss politisch führen und ist gleichzeitig Chef der Verwaltung.

    Daher ist Verwaltungserfahrung im Urteil der baden-württembergischen (Ober-)Bürgermeister-Wähler ein wesentliches, keineswegs jedoch das alleinige Kriterium.

    Man kann aber schon jetzt festhalten, dass Bewerber, die weder über politische Erfahrung noch über Verwaltungserfahrung verfügen, nicht unbedingt die beste Wahl für Konstanz wären.

  3. Biograf
    21. Mai 2012 at 10:20 #

    Sagen wir es mal so, Herr Kropp: Wenn ich die Wahl habe zwischen einem Kandidaten ohne Verwaltungserfahrung, dessen Inhalte mir gefallen und einen Kandidaten mit Verwaltungserfahrung, dessen inhaltliche Aussagen ich nicht teile, werde ich mich eindeutig für den ohne Verwaltungserfahrung entscheiden.

  4. Hans Paul Lichtwald
    21. Mai 2012 at 12:45 #

    Es gibt einen spürbaren Trend zum Nichtfachmann – siehe Bürgermeisterwahl Hilzingen. Die mediale Vermarktung ist wichtiger, vor allem die ( neudeutsch ) Performence. Den Rest besorgt die Gerüchteküche. Wer Konstanz regieren will, muss viele Voraussetzungen mitbringen. Er muss vor allem für politische Mehrheiten kämpfen können: Er muss vor allem das Geschäft mit seinen Untiefen und Abgründen verstehen. Der Kraft-Wahlkampf in NRW war zwar erfolgreich, kann aber kein Vorbild für eine Stadt wie Konstanz sein. Das Wir-Gefühl ist zwar schön, ersetzt aber keine politische Führung.

  5. dk
    21. Mai 2012 at 15:36 #

    Hr. Kropp / Hr. Lichtwald

    Was versteht man in KN unter „politischer Führung“ von OBs?

  6. Winfried Kropp
    22. Mai 2012 at 09:36 #

    @dk: Diese Frage ist ja ein Blick zurück. Besser ist es, nach vergleichbaren Städten und guten Beispielen zu schauen. So war z.B. der langjährige Ravensburger OB Hermann Vogler jemand, der durch politische Führung und gutes Management die Stadt außerordentlich geprägt und nach vorne gebracht hat. Und wie geht Führung? Ziele vereinbaren und beharrlich verfolgen, Mehrheiten organsieren, alle Gruppierungen einbinden. Nichts also für Amateure und politische Glücksritter.

  7. dk
    22. Mai 2012 at 14:05 #

    Danke, ich kenne die Begriffe „Ansätze von Management und Führung“ nur aus einem betriebswirtschaftlichen Studium und hatte vermutet, dass die Kollegen des Studienganges „modernes Verwaltungs-Management“ andere Sichtweisen zu gleichlautenden Begriffen haben dürften.

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