Urteil in Konstanz: Lebenslänglich und Unterbringung in Psychiatrie für Andrej W.

Singener Taxifahrerin im Rollstuhl bei Urteilsverkündung vor dem Konstanzer Landgericht

Konstanz. Der mutmaßliche Taximörder vom Bodensee ist zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe und Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik verurteilt worden. An seiner Schuld bestand kein Zweifel. Der Angeklagte gilt aber als vermindert schuldfähig. Andrej W. nahm die Verkündung des Strafmaßes entgegen, ohne eine menschliche Regung zu zeigen. Nachdem die Fotografen den Gerichtssaal verlassen hatten, kam auch die Singener Taxifahrerin in den Saal. Sie saß in einem Rollstuhl neben ihrer Anwältin.

Ermittlungserfolg verhinderte weitere Morde

Der Vorsitzende Richter Jürgen Bischoff sagte, es habe kein anderes Ereignis haben die Menschen am Bodensee so in Angst und Schrecken versetzt wie die Verbrechen am 8. und 9. Juni 2010 in Singen und Hagnau. Bischoff sagt, dass Andrej W., der einen deutschen und einen russischen Pass besitzt, habe nur überführt werden können, weil seine DNA seit 2007 beim BKA gespeichert war. Andrej W. hatte bis dahin nur kleinere Diebstähle begangen.

Appell zum Speichern von DNA

Dass der vom Konstanzer Schwurgericht als Mörder verurteilte 28-Jährige so schnell ermittelt und am 13. Juni festgenommen worden sei, habe anderen Frauen ein ähnliches Schicksal erspart. Davon ist der Konstanzer Richter überzeugt. Er sagte weiter, Kritiker, die aus Gründen der informationellen Selbstbestimmung gegen das Speichern von DAN seien, sollten das bedenken.

Nekrophile Neigungen

Bis Juni 2007 hatte der Verurteilte in Singen gelebt. Danach ging er nach Russland zurück, wo er ebenfalls straffällig geworden ist. Am 4. Juni flog er dann von Moskau nach Berlin-Tegel. Am 6. Juni fuhr er mit der Bahn von Neu-Ulm aus zu seiner Tante nach Friedrichshafen, angeblich um Arbeit zu suchen. Der Richter sprach von nekrophilen Neigungen des Andrej W.

Bewegende Begegnung mit Opfer

Am ersten Tattag war er um 14 Uhr in das Taxi der 44-jährigen Singener Taxifahrerin gestiegen. Sie habe gedacht, er wolle zum Naturfreundehaus. Der Richter schilderte in Anwesenheit des Opfers noch einmal den Tatablauf. Er erinnerte daran, dass die Frau heute im Rollstuhl sitzt, auf der rechten Seite gelähmt ist und links kein Gefühl hat. Für sie sei es ein Erfolg, dass sie mit der linken Hand nun wieder eine Gabel zum Mund führen und selbst essen könne. Der Richter sagte, das Zusammentreffen mit der Singener Taxifahrerin bei deren Vernehmung in einer Klinik in Tübingen sei eine „beeindruckende Begegnung“ gewesen. Weiter berichtete er, sie die Frau sei aber noch nicht in der Lage gewesen, sich ihre Tränen alleine abzuwischen.

Brutalität des Täters

Dann schilderte der Richter, wie der nun als Mörder Verurteilte am Tag darauf zu der 32-jährigen Taxifahrerin in Friedrichshafen ins Auto stieg. Gegen 10.30 Uhr kam das Taxi nach einer Fahrt um den See auf der Mainau an. Mit der Fähre wollte die Taxifahrerin zurück auf die andere Seeseite. Um 11.02 kassierte das Fährepersonal den Fahrpreis. Die Frau war zu diesem Zeitpunkt noch arg- und sorglos. In Hagnau stach der 28-Jährige der Mutter zweier Kinder dann mehrmals in den Hals und durchtrennte auch die Halsschlagader. Die Frau starb innerhalb weniger Minuten. Schnittverletzungen an den Händen der Toten deuteten darauf hin, dass sie sich nach dem ersten Stich noch versucht hatte, zu wehren.

Mit der Bahn noch nach Brandenburg

Die folgenden zwei Tage verbrachte der als Taximörder Überführte in Fischbach bei seiner Tante. Er habe interessiert im Fernsehen Berichte über das Verbrechen in Hagnau verfolgt. Danach fuhr der 28-Jährige mit der Bahn nach Senftenberg. Am 13. Juni um 22.09 Uhr nahm ihn ein Sondereinsatzkommando in der Gartenlaube seiner Großmutter fest. Seine DNA hatte ihn überführt.

Töten, um Frauen sexuell zu missbrauchen

Bischoff erinnerte daran, dass Andrej W. die Taten, als er die letzten – es waren auch seine ersten – Worte während der Verhandlung sprach, gestanden habe. Für den Richter stand außer Frage, dass der nun Verurteilte beide Frauen töten wollte, um sich an ihnen zu vergehen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Fotos+Video: wak

2 Kommentare to “Urteil in Konstanz: Lebenslänglich und Unterbringung in Psychiatrie für Andrej W.”

  1. iDiot
    10. Februar 2011 at 17:10 #

    In dem Fall muss dann nicht mehr vom „mutmaßlichen“ Taximörder geschrieben werden.

  2. goga
    10. Februar 2011 at 20:49 #

    Den TYP mussen aufhängen lassen

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