Verdi sieht Chefarzt-Kündigung als Kampfansage gegen Konstanzer Klinikum-Belegschaft

Dienstleistungsgewerkschaft äußert sich zum Fall Müller-Esch – Klinik-Geschäftsführer unter Beschuss

Konstanz. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat sich am Montag vom Fall des fristlos gekündigten Konstanzer Chefarztes Müller-Esch geäußert. Die Gewerkschaft übte harsche Kritik an Bürgermeister Claus Boldt und noch mehr an Klinik-Geschäftsführer Rainer Ott.

Kündigung als Kampfansage gegen Belegschaft

„Wer einmal auf einer Personalversammlung des Klinikums Konstanz war, auf der sich Professor Müller-Esch zu Wort gemeldet hat, für den musste klar sein, dass dieser Mann einen enormen Rückhalt in der Belegschaft hat“, heißt es in einer Mitteilung er Dienstleistungsgewerkschaft Verdi vom Montag. „Mit dem Ausspruch der fristlosen Kündigungen gegen Professor Müller-Esch hat die Geschäftsführung daher großen Teilen der Belegschaft den Kampf angesagt“. So die Gewerkschaft weiter.

Verdi spricht von Scherbenhaufen

Dass es – wie Verdi meint – um „persönliche Machtausübung“ und nicht um die „Führung des Krankenhauses“ zum Wohle der Bürger der Stadt Konstanz und der Beschäftigten ging, habe die Mehrheit des Gemeinderats leider nicht erkannt. „Der Schaden für das Betriebsklima war bereits durch den Ausspruch der Kündigungen immens, nun stehen nach dem Urteil des Arbeitsgerichts Radolfzell die Geschäftsführer Rainer Ott und Bürgermeister Claus Boldt vor einem Scherbenhaufen und mittlerweile auch in der Öffentlichkeit unter enormem Beschuss“, urteilt Verdi.

Verdi sieht Konstanz geschwächt

Die Frage müsse gestellt werden, wie ein Geschäftsführer, zu welchem nach Einschätzung von Verdi weder die Beschäftigten noch angeblich „weite Teile der Verwaltung und des Gemeinderats“ Vertrauen hätten, das Klinikum Konstanz erfolgreich in eine kreisweite Lösung führen solle. „Mit jedem Chefarzt, mit jedem Oberarzt, der Konstanz in den vergangenen Wochen den Rücken gekehrt hat, wurde die Verhandlungsposition seitens Konstanz für das medizinische Konzept einer Kooperation geschwächt“, so Verdi.

Kreisweite Holding angeblich gegen Mitarbeiter

Die Federführung bei den Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretungen habe Geschäftsführer Ott laut Verdi an den Singener Geschäftsführer Fischer abgegeben. „Wie lange braucht der Gemeinderat für die Erkenntnis, dass bei diesem Kurs Konstanz nur verlieren kann“, steht in der von Margrit Zepf verantworteten Erklärung.

Hier geht es zu der Erklärung im Wortlaut Presseerklärung zum Fall Müller-Esch – 31.10.2011

Ein Kommentar to “Verdi sieht Chefarzt-Kündigung als Kampfansage gegen Konstanzer Klinikum-Belegschaft”

  1. dk
    31. Oktober 2011 at 18:36 #

    Vielleicht sollte man weniger kämpfen, sondern darauf drängen, dass man ab einem gewissen Zeitpunkt am “Unternehmer-Tisch” mitreden darf, nachdem Strukturen und Geschäftsstrategien von diesen grob umrissen werden können.

    Laut Wikipedia gibt es verschiedene Auslegungen von “Holding”: im einfachsten Falle wäre eine Möglichkeit, den “Holdingssitz” zur Steuerersparnis in einen anderen Staat zu verlegen (was sich hier ohne grosse Wegekosten anbietet).

    http://de.wikipedia.org/wiki/Holding
    ” … Die Holding-Organisation besteht aus mindestens zwei Ebenen, einer Muttergesellschaft, die auch als Holding-Gesellschaft bezeichnet wird, und mehreren rechtlich und organisatorisch selbstständigen Tochterunternehmen, … ”

    Bedeutsamer dürfte sein, wie man sowohl Abhängigkeit (Tocher) als auch Unabhängigkeit (selbständig) klar und übersichtlich regelt und dabei trotzdem alle gewünschten Zwecke erfüllen kann: Weisungsbefugnisse, Handlungsspielräume, Organisationsformen, Verantwortungsbereiche, usw.

    Die besondere Bedeutung des Personals als “Produktionsfaktor” dürfte unstrittig sein; die künftigen Unternehmer sollten die Möglichkeit erhalten, zuerst das Holding-Gebäude zu bauen, in das die Belegschaft dann einzieht und dann die Fragen des “optimalen Arbeitsplatzes” zu klären. Zu klären wäre demnach, die Unternehmer-Meinung zu diesem Begriff im Rahmen des Gesamtkonzeptes und die gemeinsame Diskussion über Varianten.

    Beim Thema “Verantwortung” sollte man zwischen “politischer” und “unternehmerischer” unterscheiden: über das Erste kann und will man als Medien-Leser nicht nachdenken, beim Zweiten erscheinen die Zuständigkeiten zwischen den Beteiligten (auch Stiftungsrat) so undurchdringlich, dass man vereinfachend eher auf “alle oder keiner” tippen würde.

    Wie man an den Diskussionen zur Euro-Krise gesehen hat, kann eine sinnvolle Idee trotzdem in grosser Ratlosigkeit und der Gefahr des Scheiterns enden; nur eine “narrensichere” Lösung erscheint als gute Lösung. Nicht nur die Belegschaft interessiert sich für dieses wichtige Thema des Landkreises, sondern auch potentielle Patienten rund um den Bodensee. Eigentlich ist der Bau einer Kultur- und-Konzerthalle im Vergleich ein einfaches Vorhaben (oder sollte es eher sein).

Hinterlasse eine Antwort

Hinterlassen Sie hier Ihren Kommentar. Bleiben Sie bitte nett. Ihre E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.