Verteidiger im Taximordprozess: Mandant psychisch krank

Klaus Frank hofft im Falle des Schuldspruchs auf Unterbringung in forensischer Strafanstalt

Pflichtverteidiger im Konstanzer Taxi-Mordprozess Klaus FrankKonstanz. Nach nicht einmal zwei Stunden Verhandlungsdauer endete der zweite Prozesstag im Taximordprozess vom Bodensee. Am Donnerstag nimmt das Gericht in Tübingen die Aussagen des Singener Opfers zu Protokoll. DNA-Spuren belasten den Angeklagten schwer. In einer Verhandlungspause sagte der Pflichtverteidiger Rechtsanwalt Klaus Frank aus Konstanz, er halte seinen Mandanten für psychisch krank. Zuletzt gab es Hinweise auf eine Selbsttötungsabsicht.

Anwalt: Kein normaler Mörder

Normalerweise morden Menschen aus anderen Motiven. So sagt es der Konstanzer Strafverteidiger. Der Täter vom Bodensee wollte aber weder das Geld noch die Taxis der Frauen. Aufschluss über die Persönlichkeit und die Motive des mutmaßlichen Taximörders, der weiterhin beharrlich schweigt, dürfte aber erst ein 160-seitiges Gutachten geben, mit dem die Beweisaufnahme am vorletzten Verhandlungstag endet.

Forensische Unterbringung

Der Pflichtverteidiger erzählt bereitwillig, achtet aber an einem Punkt stets genau auf seine Wortwahl. „Ob er schuldfähig ist, müssen die Richter entscheiden.“ So hatte er es schon am Vortag gesagt. Sollte der Angeklagte verurteilt werden, hofft Klaus Frank, dass sein Mandant in einer forensischen geschlossenen Strafanstalt untergebracht wird. Derzeit befindet er sich noch im Justizvollzugskrankenhaus in Hohenasperg. Täglich kommt der Russlanddeutsche in Begleitung von zwei Justizangestellten, die ihn bewachen, und einem Vollzugspfleger in einem Einzeltransport nach Konstanz.

Angeklagter deutete Selbsttötungsabsicht an

In Hohenasperg teilt sich der Russlanddeutsche, der in der russischen Republik Chakassien geboren ist, eine Zelle mit einem anderen Häftling. Aus Sicherheitsgründen sitze der mutmaßliche Taximörder vom Bodensee nicht in einer Einzelzelle. Frank sagte: „Es gab Hinweise, dass er sich umbringen wollte.“ Der Angeklagte habe seinen eigenen Grabstein gezeichnet und das Todesdatum 9. Januar notiert. Das wäre zwei Tage vor Prozessbeginn gewesen. Seine Aufgabe sei es, ihn „über die Runde“ zu bringen, sagte der Pflichtverteidiger. Dass der Angeklagte während des Prozesses in der Konstanzer Justizvollzugsanstalt untergebracht werden könnte und nicht täglich hin und her gefahren werden müsste, sei vollkommen ausgeschlossen. In Konstanz könnte das Leben des Angeklagten durch Mithäftlinge bedroht sein, da er gegen einen Ehrenkodex der Russen verstoßen habe, so Frank.

Professionelle Haltung des Pflichtverteidigers

Der Strafverteidiger sagte, er habe mit Hilfe einer Dolmetscherin fünf bis sechs Stunden mit dem Angeklagten gesprochen. Es gehe nicht darum, ihn „rauszuhauen“. Es gehe weder um Strategie noch um Taktik, sondern um einen fairen Prozess. Als Verteidiger handle er professionell, wie er menschlich über den Angeklagten denke, sei eine andere Sache. Er habe den Russlanddeutschen als freundlich und teilweise sensibel erlebt. Frank sagte, er habe nicht den Eindruck gehabt, mit einem 28-Jährigen zu sprechen. Er sprach von „verzögerter Reife“. Es könne aber nicht beurteilen, was „gespielt“ und was „echt“ gewesen sei.

Angeklagter trug wieder Sturmmütze

Begonnen hatte der zweite Prozesstag wie der erste. Pflichtverteidiger Klaus Frank und Ersatzanwalt Rudi Haenel, die Dolmetscherin, die Anwältin des Singener Opfers und die Zuhörer saßen auf ihren Plätzen. Der Angeklagte betrat den Gerichtssaal erneut in Fußfesseln und mit einer über den Kopf gezogenen schwarzen Motorradhaube. Er trug wie schon am Vortag eine blaue Jeans und schwarze, schwere Schuhe. Statt mit einem Sweatshirt war er mit einem weißen T-Shirt und einer etwas zu groß wirkenden blauen Jeansjacke bekleidet. Im Saal nahm der Angeklagte die Sturmhaube wie am ersten Prozesstag ab und das kurze, schüttere, lichte dunkelblonde Haar kam zum Vorschein. Eine erkennbare Mimik zeigte der 28-Järhige auch am zweiten Tag nicht. Nur einmal, als der Pfleger mehrere Sätze mit ihm sprach, wandte sich der Angeklagte kurz dem Mann zu und sagte etwas zu seinem Betreuer.

DNA-Gutachten belastet Angeklagten

Am zweiten Verhandlungstag hat das Gericht drei Zeugen gehört. Der erste, ein 55-jähriger Kriminalbeamte, berichtete von der Vernehmung des bei dem Singener Verbrechen schwerstverletzten Opfers. Die Frau arbeitete seit 21 Jahren als Taxifahrerin. Sie schilderte der Polizei den Ablauf des Tattages und dass ihr Fahrgast zur Hohenkrähenstraße gefahren werden wollte. Die Taxifahrerin geht davon aus, dass sie der Täter gezielt aussuchte, weil sie möglicherweise einem bestimmten Phänotyp entspricht. Eine 28-Jährige, die zusammen mit ihren Eltern das Taxiunternehmerin in Singen betreibt, in dem das Opfer seit vier Jahren angestellt war, berichtete, dass sich die Fahrerin nach Antritt der Fahrt und Nennung des Fahrziels nicht mehr meldete. Die Frau war weder über Funk noch über ihr Handy zu erreichen. Offenbar machte sich die junge Frau genauso wie ihr Vater schnell Sorgen. Sie nahmen aber an, dass die Frau möglicherweise nach Stuttgart oder in die Schweiz gefahren sein könnte. Beunruhigt war auch der 60-jährige Freund der Taxifahrerin. Es sei ungewöhnlich gewesen, dass die 44-Jährige nicht auf seine Handyanrufe reagierte und sich zurückmeldete. Fest steht seit dem zweiten Verhandlungstag auch: Ein DNA-Gutachten scheint den Angeklagten sehr schwer zu belasten. DNA-Material fand sich zum Beispiel an der Kleidung des Singener Opfers. Der Hagnauer Mordfall war im Prozess bisher nicht nicht Thema.

Die Verhandlung am Konstanzer Landgericht wird am Dienstag kommender Woche, 18. Januar, um 9 Uhr fortgesetzt.

Ein Kommentar to “Verteidiger im Taximordprozess: Mandant psychisch krank”

  1. Klaus
    15. Januar 2011 at 22:45 #

    Guten Tag.
    Ich kann hier
    http://www.schwaebische.de/forum/showthread.php?p=7070#post7070
    ein absolut massives und erschreckendes Versagen der Polizei BEWEISEN.
    Dass der Angeklagte heute schweigt, nützt vor allem den Behörden, die so versuchen können von ihrem katastrophalen Versagen abzulenken.

    Ich habe Beweise für mehrere Polizeiskandale die bisher unterdrückt werden. Aus der Verzweiflung heraus und weil sachliche Argumente so oft und so lange ignoriert werden, habe ich mir nun ein zweigleisiges Vorgehen angewöhnt.
    Weiter biete ich echte sachliche Substanz, Argumente und Beweise aber weil das ignoriert wird verwende ich auch zeitweise ein bewußtes Stilmittel, das des „Großmauls“.

    Denn man gibt mir nicht Recht, weil ich ja dann ein Genie sein müsste und die Experten Totalversager und sowas könne doch nicht sein…..
    Mir reicht der sachliche Austausch mit Argumenten, aber wenn es diese Denkbarriere bei den Leuten gibt, dann OK, bin ichs halt….

    Also bitte einfach sachlich meine Argumente prüfen….

    An die Redaktion:
    Bitte greifen sie dieses Thema und die sachliche Substanz meiner Dokumentationen auch redaktionell auf, die Umstände der Fahndungspannen müssen ans Licht der Öffentlichkeit.
    Die eigentliche Soko hat sich fast nur Denkfehler geleistet, der Erfolg war rein ein Erfolg der Spurensicherung und des Labors, die Kriminalisten haben keinerlei Anteil an diesem Erfolg sondern nach meinen Recherchen so gut wie alles falsch gemacht, weil falsch eingeschätzt und falsch gefahndet.
    Meine persönliche Meinung ist, dass dies die exakte Fortsetzung des bizarren Denkversagens im „Wattestäbchenskandal“ ist und ich habe mehrere sachliche Belege wie sich das auch in anderen Fällen ausgewirkt hat.
    Meiner Überzeugung nach ist eine inkompetente Fallanalytik die Ursache. Zu allen solchen schweren Fällen werden überregional tätige Profiler hinzugezogen und das Ergebnis meiner Recherchen ist, dass gerade dort wo man die höchste Kompetent erwartet leider offensichtlich die Quelle der Inkompetenz zu suchen ist, die sich dann derartig in verschiedenen Kriminalfällen auswirkt, vom Fall Michelle in Sachsen bis zum Bodensee.
    Also keine Sorge, es geht nicht darum die Kriminalbeamten vor Ort über Gebühr und einseitig zu kritisieren sondern es gibt hier neue Hirarchiestrukturen die es u.U. sehr erschwert oder verhindert haben dass meine letztlich zielführenden Hinweise umgesetzt werden konnten, aus purem Dünkel weil sie einen „Rat“ enthielten und dies in den Sphären der Entscheider wohl als Majestätsbeleidigung angesehen wurde.
    Zuerst schrieb ich so sachlich wie hier, nach vielen fruchtlosen Versuchen erst kam der Ton so wie im Link zustande.

    Bitte dieses wichtige Thema redaktionell aufgreifen: Es gab massive Fahndungspannen die nicht aufgearbeitet sind! Der Einfluss der realexistierenden Fallanlytiker in Deutschland die überregional in diverse Fälle massgeblich hineinreden können zeigt sich auch in meinen in meinen Recherchen in anderen Fällen wie hier http://issuu.com/kleiderspender/docs/dossier_zum_fall_mirco_-_der_zeitliche_fingerabdru?viewMode=presentation
    als verheerend.

    Sie haben meine Mailadresse, ich stehe für weitere Auskünfte gerne zur Verfügung.

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