Virtuelles Zeitfahren auf den höchsten Berg des Linzgaus

Friedrichshafener Roland Hecht schenkt Amateuren Bergetappe auf den Höchsten

Friedrichshafen/Illmensee (wak) Radsportfans, die eine sportliche Herausforderung suchen und sich mit anderen Radrennfahrern vergleichen möchten, sind auf dem Hausberg des Linzgaus richtig. Dort können sie zu einem Zeitfahren antreten. Die Zeit auf der Bergetappe misst der Stoppomat. Im Internet können die Bezwinger der 837,8 Meter hohen Erhebung ihre Zeit mit denen anderer Wettkampfteilnehmer vergleichen, die den Berg vor oder nach ihnen, an einem anderen Tag und bei anderem Wetter ebenfalls bezwungen haben. Auf die Idee, eine virtuelle permanente Zeitfahrstrecke, auszurichten, kam Roland Hecht, Breitensportwart beim Radsportverein Seerose in Friedrichshafen. Er ist der Erfinder des mittlerweile sehr begehrten Stoppomaten.

Bergetappe auf den Höchsten

Roland Hecht ist der Mann für die Stoppomat-Hardware und Thomas Bischof der für die Stoppomat-Software. Der Apparat kostet etwa 9000 Euro. 3000 Arbeitsstunden und eine geniale Idee stecken im oder hinter dem Stoppomaten: Sportliche Herausforderungen für Bergfahrer gibt es in der Bodenseeregion viele. In der Schweiz lockt der Säntis und in Vorarlberg der Pfänder. Für Amateure kann auch der Schiener Berg, die höchste Erhebung der Halbinsel Höri, schon eine gewaltige Herausforderung bei der Sonntagstour sein. Dasselbe hat lange Zeit für den Höchsten, den Friedrichshafener Hausberg gegolten. Dank des Stoppomaten hat es der jetzt aber in die höchste Kategorie der attraktivsten Bergstrecken geschafft.

Sekundengenaue Zeitmessung am Berg

Um ein Zeitfahren am Berg austragen zu können, braucht es Start und Ziel. Auf dem Höchsten gibt es beides: Am Parkplatz Schönenmühle stellte Roland Hecht eine Startsäule auf und beim Gipfel – oder 360 Höhenmeter oberhalb – steht die Zielsäule. Dazwischen liegt die 8200 Meter lange Rennstrecke. Am Start ziehen die Teilnehmer des Radrennens eine Karte aus dem Automaten und tragen ihre persönlichen Daten ein. Sobald die Rennradler die Karte in einen Schlitz stecken, läuft die Zeit. Am Ziel stempeln sie dann erneut ab. Die Zeit wird sekundengenau gemessen. Einmal pro Woche leert Roland Hecht den Kasten mit den Karten und trägt die Daten, also Namen und Zeiten, in eine Datenbank ein. Wer möchte, findet mit ein bisschen Zeitverzögerung seine Zeiten online.

Jörg Ludewig vor Steffen Wesemann

Die durchschnittliche Steigung am Höchsten beträgt vier Prozent. Die steilste Rampe hat eine Steigung von elf Prozent. Den Rekord hält derzeit der ehemalige Profi Jörg Ludewig, der auf der Bergetappe mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 30,46 Stundenkilometern unterwegs war. In der Kategorie historisch führt Ludewig vor Steffen Wesemann, früher Team T-Mobile, und Markus Kaufmann, Vaude-Simplon. Auf Rang zehn steht Mike Kühls aus Hagnau. In der Wertung der letzten 30 Tage ist ebenfalls Jörg Ludewig, Light Wight Team/RSV Seerose, vorn. Auf Platz zwei steht Ulrich Struben, Radsport Dürr Ravensburg. Jedes Jahr sind, so Hecht, etwa 4000 Teilnehmer auf der Strecke unterwegs.

Höchsten weckte Begehrlichkeiten

Mittlerweile ist der Höchsten auch nicht mehr die einzige Zeitfahrstrecke, auf der Radamateure ihre Rennen austragen und sich anschließend virtuell vergleichen können. Wer ums gepunktete Trikot des Bergkönigs strampeln möchte, kann das auch am Coll de Rates in Marina Alta in Spanien oder in Pfullingen auf der Schwäbischen Alb tun. Am liebsten hätten neuerding noch viel mehr Regionen, Vereine und Tourismusverbände einen Stoppomaten. Seit die Wochenzeitung „Die Zeit“ berichtete, reißen die Anfragen bei Roland Hecht, der die Stoppomaten nur in seiner Freizeit baut, gar nicht mehr ab. Anfragen kamen zuletzt auch aus Andorra oder auch aus Norddeutschland. Mehr als drei bis vier Anlagen im Jahr kann der Friedrichshafener Radsportler und Stoppomat-Erfinder aber nicht bauen. Stimmen müsse auch das Drumherum, sagte Roland Hecht. Es brauche Sponsoren, Baugenehmigungen und Freiwillige, die sich um den Betrieb des Stoppomaten kümmern. Jetzt ist Roland Hecht erst einmal in Ferien gefahren.

Nicht alle Teilnehmer wollen auf Stoppomat-Website

Im Durchschnitt bezwingt jeder Radsportler, der am Rennen teilnimmt, den Höchsten etwa zweieinhalb Mal in der Saison. Knapp die Hälfte, etwa 45 Prozent, wollen mit ihrem Namen und ihren Zeiten nicht auf der Seite www.stoppomat.de erscheinen. Sie finden die Zeitmessung mit der Stempelkarte zwar genial, wollen aber nicht ins Internet. Auf den zehn Anlagen, den zehn permanenten Zeitfahrstrecken, die es mittlerweile gibt, sind etwa 22.000 Radfahrer unterwegs, schätzt Hecht. Die bisher letzte Strecke ist in Suderburg in der Lüneburger Heide eröffnet worden. Wer die Berge bezwingt, mag sich auf der Strecke fühlen wie am Col du Tourmalet oder auf der Königsetappe nach Alpe d’Huez. Was fehlt, ist nur das Publikum am Straßenrand, das die Profis anfeuert: „Quäl Dich, Du Sau“, bekommt am Höchsten keiner vom Straßenrand aus zugeschrien.

Hier geht es zum Stoppomaten im Internet.

Fotos: Peter Kirchhoff PIXELIO www.pixelio.de/Screenshot Website

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