Von Männern und Männerwelt(en)

Björn Süfke liest am 3. Dezember aus seinem Buch „Männerseelen“

mann hintergrundÜberlingen (wak) „Männer“, sagt Gerhard Niederpruem, „sind cool, stark, mutig, ausdauernd, gefühlvoll, verletzlich, lustvoll, zögernd und einsam.“ Der Sozialpädagoge muss es wissen. Er ist ja selbst Mann. Immer öfter suchen Männer aber auch Rat bei ihm. Sie quälen sich in ihrem Beruf, leiden unter Burnout und Depressionen oder haben zu kämpfen, weil sich ihre Partnerin von ihnen trennen will. Vom kommenden Jahr an möchte Gerhard Niederpruem Männer zum Reden mit Männern einladen. Los geht’s aber schon am Donnerstag, 3. Dezember, mit einer Lesung mit dem Autor Björn Süfke.

Burnout und Depressionen sind Alltag

Gerhard Niederpruem weiß, wovon er redet: Zu ihm kommen Männer, die plötzlich nicht mehr weiter wissen. Nicht nur Nationaltorhüter Robert Enke litt an Depressionen. Unter Burnout und Depressionen leiden immer öfter auch ganz normale Überlinger Männer – vom Handwerker bis zum Akademiker. „Männer, von denen Sie es nie glauben würden.“ Bei Gerhard Niederpruem klopfen einige von ihnen an. Mindestens eine Stunde Zeit nimmt er sich für jedes Gespräch. „Wir fragen uns, weshalb so viele Männer nach dem Motto: Konkurrenz, Karriere, Kollaps leben“, sagt der Sozialpädagoge. „Der Anteil an Suiziden bei Männern ist dreimal so hoch ist wie bei Frauen“, stellt Gerhard Niederpruem fest. Für ihn ist das erschreckend.

Männer sterben früher

Und noch ein paar Fakten zählt er auf: Männer leben durchschnittlich sieben Jahre kürzer als Frauen. Weit über zwei Drittel der Scheidungsanträge werden von Frauen eingereicht. Etwa 75 Prozent der Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten und Lernschwierigkeiten sind Jungen. 80 Prozent aller Verurteilungen wegen körperlicher Gewalt betreffen Männer und etwa 70 Prozent der Opfer von Gewalttaten sind Männer. „Weshalb ist es so, dass Männer ihr Auto lieber zum TÜV bringen, als selbst zum Arzt zu gehen“, fragt Gerhard Niederpruem. Auch „Vater sein“ wäre so ein Thema, über das der Sozialpädagoge gerne sprechen würde. „Wie helfen Männern ihren Kindern in die Welt“, fragt er. „Manchmal“, sagt er, „ rutscht ihnen ihre Familie einfach weg.“

Reden über das „Mann sein“

Das Angebot, das Niederpruem Männern ab Januar einmal im Monat machen will, sieht so aus: Männer reden miteinander: über das „Mann sein“. Männergruppen sind nach Überzeugung von Niederpruem eine hervorragende Möglichkeit, den Geschlechtsgenossen (und sich selbst!) hinter die starke oder schwache Fassade zu schauen und so den eigenen Blick auf Männer und Mann-sein nachhaltig zu verändern. „Ein Vorteil einer Männergruppe gegenüber einer gemischtgeschlechtlichen Gruppe ist, dass man(n) männliche Rollenbilder und das eigene Verhältnis zu Frauen leichter anschauen und hinterfragen kann“, so Niederpruem. „Auch Versagensängste und männliche Identitätsprobleme kommen durch den geringeren Konkurrenzdruck und den verlässlichen Rahmen in Männergruppen leichter zur Sprache als in Alltagssituationen“, glaubt der Sozialpädgoge.

Männer und Männerträume

Mit Männern sprechen würde er gern über Themen wie „Der Junge, der ich einmal war – (Ein)Blick in die Lebensgeschichte“, „Für wen mach ich das alles – Meine Vorstellung von Familie“, „Meine Frau – Partnerschaft zwischen Beziehung und Besitz“, „Dich mach ich fertig – Gewalt ist männlich!“, „Arbeiten bis zum Umfallen – Burnout bei Männern“ und „Männerträume – Was Männern nachts durch den Kopf geht“.

Treffen ab Januar 2010

Ort und Zeit des ersten Treffens steht bereits fest: Als Termine schlägt Gerhard Niederpruem Dienstag, 26. Januar, um 20 Uhr im Diakonischen Werk Überlingen Christophstr. 31 und Dienstag, 19. Januar, um 20 Uhr in Pfullendorf im im ev. Gemeindehaus vor. „Jeder Mann kann ohne Voranmeldung und weitere Verpflichtung kommen, schnuppern, zuhören und mitreden und wegbleiben oder auch wieder kommen“, sagt Gerhard Niederpruem.

Am Donnerstag liest Björn Süfke

Zum Start hat er aber schon einmal für Dezember Björn Süfke, den Autor des Buches „Männerseelen – ein psychologischer Reiseführer“ eingeladen. Er wird am 3. Dezember um 20 Uhr in Überlingen, Christophstr. 31 lesen und sich einer Diskussion stellen. „Wenn Männer unter sich sind, sprechen sie eine andere Sprache“, sagt Gerhard Niederpruem. Die Männergruppe und die Diskussion nach der Lesung eröffnet ihnen die Möglichkeit zu Männergesprächen oberhalb des Stammtischniveaus.

Darüber schreibt der Autor in seinem Männerbuch

Im Klappentext zu Süfke Buch steht zu lesen: „Die männliche Innenwelt tritt nur selten sichtbar zutage. Entsprechend gelten Männer häufig als unemotional, sachlich, wenig einfühlsam oder gar gefühlskalt. Es sind aber keineswegs die Gefühle, die den Männern fehlen. Vielmehr ist ihnen im Laufe ihres Aufwachsens der Zugang zur eigenen Gefühlswelt abhanden gekommen. So entsteht oftmals eine innere Leere. Die Männer verdrängen, rationalisieren, flüchten sich in Arbeit, Alkohol oder Einsamkeit. Der Mann leidet still und unmerklich, die Partnerin beschwert sich wortreich, dass er sie nicht beachtet, nicht an sich heran lässt. In dieser Lesung aus seinem Reiseführer durch die männliche Psyche (erschienen 2008 bei Patmos) beschreibt der Psychotherapeut Björn Süfke, wie diese Entfremdung von den eigenen Gefühlen entsteht und welche männlichen Eigenheiten daraus resultieren. Vor allem aber lässt er uns daran teilhaben, wie der Zugang zum für Männer so (un)heimlichen Land der Gefühle wiederhergestellt werden kann – und was es dabei zu entdecken gibt.“


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