Vorhang auf im Konstanzer Theater! Ladies and Gentlemen, kämpfen wir noch?

Spielzeiteröffnung mit „Geierwally“ – Am Samstag Theaterfest im und ums Theater

Konstanz. „Ladies and Gentlemen, kämpfen wir noch“, heißt die Frage, die sich das Konstanzer Stadttheater in der heute beginnenden Spielzeit stellt. Den Anfang macht ein scheinbar triviales Stück. Doch weit gefehlt. Auf die Bühne bringen Theresia Walser und Karl-Heinz Ott eine „Geierwally“, die von einer jungen Frau und dem Kampf um ein selbstbestimmtes Leben handelt. Die Premiere heute Freitagabend um 20 Uhr im Konstanzer Stadttheater ist ausverkauft. Morgen am Samstag öffnet das Theater dann das ganze Haus und lädt ab 13 Uhr zum Theaterfest ein.

Die Geschichte der Walburga Stromminger

„Geierwally“ in einer Bearbeitung von Theresia Walser, Tochter des Autors Martin Walser, und Karl-Heinz Ott ist in einer Inszenierung von Christine Eder zu sehen. Erzählt wird die Geschichte der Walburga Stromminger. Sie liebt heimlich den Bärenjäger Joseph. Ihres Vaters Pläne, sie mit dem Sohn des Nachbarbauern zu verheiraten, weist sie entschieden zurück. Vom Vater des Hofes verwiesen und von der sensationsgierigen Dorfgemeinschaft kritisch beäugt, lebt sie von nun an in der schroffen, unbarmherzigen Welt der Gletscher. Erst als ihr Vater stirbt, kehrt Wally ins Tal zurück. Stolz, ungebrochen und mit harter Hand übernimmt sie von nun an das Regiment auf dem väterlichen Hof.

Ein Stoff, aus dem viele Stücke sind

1875 veröffentlichte Wilhelmine von Hillern ihren Roman Geier-Wally, und von da an trat der Stoff seinen Siegeszug in der Kunst und Unterhaltungskultur an. Bis heute gibt es eine große Zahl von Theaterfassungen, darunter eine von Wilhelmine von Hillern selbst, und unzählige Bearbeitungen für Laien-, Volkstheater- und Freilichtbühnen, sowie mindestens fünf Verfilmungen vom Stummfilm von 1921 über die nationalsozialistisch geprägte Version von 1940 bis zum ZDF-Heimatfilm mit Christine Neubauer von 2004. Auch die Oper La Wally von Alfredo Catalani, 1892 in Turin uraufgeführt, findet sich noch heute immer wieder auf den Opernspielplänen.

Rebellion einer jungen Frau

Theresia Walser und Karl-Heinz Ott haben den Stoff in ihrer Bühnenbearbeitung, die 2003 am Badischen Staatstheater Karlsruhe uraufgeführt wurde, deutlich entschlackt. Eindringlich und humorvoll erzählen sie den alten Mythos neu, erzählen von Gemeinschaft und sozialer Ausgrenzung, von Schuld, Liebe, Hass, Rebellion und vom Kampf einer jungen Frau um ein selbstbestimmtes Leben. Regie führt Christine Eder. Die 1976 in Linz geborene Regisseurin studierte Schauspielregie an der Universität Hamburg und inszenierte seitdem unter anderem am Thalia Theater Hamburg, am Theaterhaus Jena, am Theater Graz und am Münchner Volkstheater. Mit ihrer Münchner Dramatisierung von Helmut Kraussers Roman „Eros“ war sie 2010 beim Nachwuchsregiefestival „Radikal jung“ eingeladen und gewann den Publikumspreis bei den Bayerischen Theatertagen 2010. Geierwally ist ihre erste Arbeit am Theater Konstanz.

Theaterfest auf dem Münsterplatz

Eintritt frei, heißt es außerdem am Samstag, 9. Oktober, auf dem Münsterplatz, in und rund um die Spielstätten. Die Party dauert von 13 Uhr bis tief in die Nacht. Geplant sind Musikalische Einlagen auf der Openair-Bühne, Lesungen an ungewöhnlichen Theaterorten und alles, was sonst noch Lust aufs Theater machen könnte. Zurück meldet sich das Konstanzer Stadttheater mit einem unüberhörbaren Trommelwirbel. Ein bisschen spektakulär werden dürfte auf alle Fälle der Theaterfestumzug ab 12 Uhr durch die Konstanzer Gassen. Wenn Theaterintendant Christoph Nix dann eine Stunde später bei der Eröffnung auf dem Münsterplatz womöglich ausrufen würde „O’zapft is!“ wäre auch das keine Überraschung. Theater kann alles.

Weitere Termine „Geierwally“: 09.10., 13.10., 14.10., 16.10., 17.10., 23.10, 26.10., 02.11., 03.11., 07.11, 13.11.10 jeweils um 20:00 Uhr; 29.10. und 29.10.10, jeweils um 19:30 Uhr; 24.10.10 um 18.00 Uhr und 27.10.10 um 15.00 Uhr.

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Foto: Theater Konstanz Ilja Mess

2 Kommentare to “Vorhang auf im Konstanzer Theater! Ladies and Gentlemen, kämpfen wir noch?”

  1. ProFischkopf
    10. Oktober 2010 at 10:42 #

    Während in Stuttgart beim Teilabriss lt. Blogberichten älteren Leuten die Augen feucht geworden sind, kamen mir eher wehleidige Erinnerungen, als man vor einigen Tagen eine etwa 25 junge Frau an der Supermarkt-Kasse getroffen hatte, die mit hanseatischem Akzent nicht nur die Waren erfasste, sondern gleichzeitig dem Kunden eine Unterhalt anbot.
    Vorgestern brachte der Postbote ein schwereres Paket vorbei: auch Hanseat mit direkter Ansprache. Gestern mit Kollegen kam er wieder vorbei: beim 2. Mann war der Akzent nicht heraushörbar, aber die Kommunikation genauso einfach und locker.
    Das ist einfach schön, wenn man den Gleichklang von „Herz, Seele und gesprochenem Wort“ innerhalb von 2 Sekunden erfassen kann und das Gefühl erhält, man wäre sich im letzten halben Jahr täglich begegnet.

    Da verschmerzt MANN sogar, dass es nur attraktive Frauen am Bodensee oder im Ländle gibt.

    PS.
    Was man so als „Hamburger Fischmarkt“ jährlich in KN erleben darf, ist also die „Intensiv-Fassung“, wobei der normale Hanseat geruchsneutral ist und keine Fische und Obst/Gemüse fremden Leuten hinterher wirft.

  2. Korrektur
    10. Oktober 2010 at 10:57 #

    Statt „Unterhalt anbot“ muss es natürlich heissen „(Selbst-)Unterhaltung anbot“.
    Der kreativ mitdenkende Leser wird es intuitiv ergänzt haben.
    Danke für die Nachsicht.

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