Vorsicht Klassik! Konstanzer Theater schafft Faust in zwei Stunden

Der Tragödie Figuren- und Puppentheater – Premiere Heute Abend in der Werkstatt Inselgasse

Konstanz. Regisseur Wulf Twiehaus, ehemals Oberspielleiter am Theater Konstanz, ist voll Begeisterung. Das Figuren- und Puppentheater bringt Goethes Faust auf die Bühne. „Ein großer Stoff“, sagt Twiehaus. Er hat ihn gekürzt, so dass er in knapp zwei Stunden passt und hauptsächlich ein unbehauster, ruheloser Faust übrig bleibt. Szenen und Orte wechseln. „Keine Angst, es gibt nicht zwei Stunden lang lyrischen Sprechgesang“, verspricht Twiehaus. Er zeigt auf dem Theater einen Faust, der eine „wahnsinnige Sehnsucht“ habe und nie ankommen könne, aus heutigem Blick. So sagt es der Regisseur.

Hineingezoomt in einen Probenbesuch

„Ladys und Gentlemen, kämpfen wir noch“,fragt das Theater in dieser Spielzeit. Statt zur Pressekonferenz hatte das Theater auf die Probebühne geladen. Odo Jergitsch und Rodrigo Umseher sind gekommen. Jergitsch gibt den Faust, Umseher Mephisto. Alles wirkt noch ein bisschen unbehaust, als Faust auf einem ausladend großen Doppelbett sitzend seinen Monolog beginnt. Er hat keinen rechten Anfang und kein rechtes Ende. Es ist ein Probenausschnitt. Musik wird nicht eingespielt. Katrin Hieronimus ist mit der Ausstattung noch nicht fertig.

Unbehauster sucht nach Lösung

Erstmals wurde Faust der Tragödie erster Teil 1829 in Braunschweig aufgeführt. 1854 folgte der zweite Teil in Hamburg. 1876 gab es die erste Gesamtaufführung in Weimar. Das Theater brauchte zwei Tage. Twiehaus macht es kürzer. Was er übrig lässt, erfährt das Konstanzer Theaterpublikum erstmals am Prmierenabend. Die herkömmlichen Wissenschaften (Philosophie, Juristerei, Medizin und auch Theologie) vermögen Faust nichts mehr zu geben. Suizid ist kein Ausweg. Der Pakt mit dem Teufel. „Zwei Seelen wohnen ach! In meiner Brust, die eine will sich von der anderen trennen.“

Was die Welt im Innersten zusammenhält

Faust ist in einer Krise. Er hat Philosophie, Juristerei, Medizin und Theologie studiert. Trotz allen theoretischen Wissens, trotz aller gelernten Fakten, verlangt ihn nach dem Wissen „was die Welt im Innersten zusammenhält“. Faust wagt den Versuch und lässt sich auf einen Pakt mit dem Teufel ein. Der Teufel zeigt ihm die Welt und verlangt dafür Fausts Seele, wenn er ihm den perfekten Augenblick schaffen sollte. Mit ihm zieht es Faust heraus aus seiner Studierstube. Mephisto zeigt ihm das ausschweifende Leben, die Leidenschaft und die Liebe.

Lebenslänglich Faust für Goethe

Goethes Beschäftigung mit dem Faust-Stoff erstreckt sich über sein ganzes Leben. Inspirationsquelle war ein Puppenspiel das Goethe in seiner Jugend in Frankfurt gesehen hatte. Bereits 1790 veröffentlicht Goethe Faust – ein Fragment. Hier fügt er einige Passagen wie den Pakt mit Mephisto und die Walpurgisnacht ein. In den folgenden Jahren bricht die Arbeit am Faust zunächst ab. Erst auf Drängen Schillers nimmt Goethe 1797 die Arbeit wieder auf. 1808 erscheint das Stück Faust – eine Tragödie. Kurz vor seinem Tod 1832 vollendet er den zweiten Teil.

Zur Inszenierung

Faust – der literarische Nationalheld, das deutsche Drama überhaupt. Wulf Twiehaus inszeniert den Klassiker mit Mitteln des Schauspiels und des Figuren- und Puppentheaters. Was, wenn Fausts Erlebnisse nur Projektionen, Hirngespinste eines einsamen Denkers waren? Was, wenn Faust nie aus seinem Studierzimmer rausgekommen ist und sich alles Nicht-Gelebte einfach herbei fantasiert? Hat er nur im Kopf alles durchgespielt?

Über den Regisseur

Wulf Twiehaus studierte Regie an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“. Seit 2002 ist er als freier Regisseur tätig. Mit Beginn der Spielzeit 2007/2008 war er Oberspielleiter am Theater Konstanz. Mit Faust kehrt er an seine alte Wirkungsstätte zurück.

Premiere 04.02.2011 – 20.00 Uhr Werkstatt Inselgasse

Weitere Termine: 08.02., 10.02., 11.02., 12.02., 14.02.,  24.02., 26.02., 27.02.2011 um 20.30 Uhr; 01.03. und 02.03.2011 um 19.30 Uhr;

Information und Reservierung unter 07531/900 150 oder theaterkasse@stadt.konstanz.de

Foto: Bjørn Jansen

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