Vorwärts Seit' an Seit'

Aufbruchstimmung im Konstanzer SPD-Ortsverein

Konstanz (wak) Die Konstanzer SPD hat nicht nur eine neue Vorsitzende, Natalie Wöllenstein, sondern auch viele neue Mitglieder und alle miteinander schreiten sie nun Seit‘ an Seit‘ in die Zukunft. Der Weg wird in den kommenden Jahren kein leichter sein: Die SPD in Konstanz hat sich nicht weniger vorgenommen als für sich die Mitte der Gesellschaft zurück zu erobern. Am Mittwochabend hat sie im Hotel „Barbarossa“ ihren langen Marsch angetreten.

16 neue rote Parteibücher

16 neue rote Parteibücher hatte der alte Vorsitzende Andreas Kesting aufeinander gestapelt. Eines nach dem anderen überreichte er an neue, meist junge Parteimitglieder. 58 Frauen und Männer, Studierende genauso wie Ältere, waren im Saal des Hotels „Barbarossa“ zusammen gekommen. So viele SPD-Anhänger waren es schon lange nicht mehr. Nachzügler mussten sich erst einmal einen Stuhl von draußen holen und ihn irgendwo zwischen die Tische quetschen.

Ortsverein hat 310 Mitglieder

Allein nach der verlorenen Bundestagswahl 2009 zählte Kesting, der aus privaten Gründen Konstanz verlässt und nach Berlin umzieht, 20 Neueintritte. Insgesamt waren es im vergangenen Jahr – in dem die SPD doch so sehr gebeutelt wurde – 45 Neumitglieder, die sich der alten Partei anschlossen. „Das sind 15 Prozent unserer Mitglieder“, sagte Kesting stolz. Nur elf ehemalige Parteimitglieder verließen im selben Zeitraum die Partei. Einige sind weggezogen, zwei verstorben. Trotzdem hat die Konstanzer SPD aktuell wieder 310 Mitglieder. Vor einem Jahr waren es noch 287.

Politischer Erfolg für Konstanzer SPD

Auch wenn es die SPD nach dem Desaster der Bundestagswahl schwer hat und anfangs drohte in Bedeutungslosigkeit zu versinken, sieht die Konstanzer SPD nicht schwarz. Sogar das Kommunalwahlergebnis vom Juni vergangenen Jahres, bei dem die Fraktion einen Sitz im Konstanzer Gemeinderat verloren hat, redete Kesting noch irgendwie schön. Was die politische Arbeit angeht, hatte die Konstanzer SPD aber sogar einen echten Erfolg zu verzeichnen: Der Antrag zum Gesetz gegen Internetsperren, der am Schluss sogar landesweit mehrheitsfähig wurde, kam aus Konstanz. Die SPD in Konstanz wollte das Feld nicht der Piratenpartei überlassen.

SPD-Mitglieder Seit‘ an Seit‘

Zusammen halten die SPD in Konstanz aber nicht nur politische Grundüberzeugungen ihrer Mitglieder, sondern auch die Menschen. Wieder einmal seit langer Zeit waren am Mittwochabend die großen Alten der Konstanzer SPD dabei. Wolfgang Maier, seit 50 Jahren Mitglied, war genauso gekommen wie Alt-Stadtrat Albert Jung, Alt-Stadträtin und ehemalige Litzelstetter Ortsvorsteherin Helga Jauss-Meyer, Marianne Schröder und Stadtrat Herbert Weber, die seit 40 Jahren Mitglied der SPD sind und für ihre Mitgliedschaft geehrt wurden. Apropos Stadträte: Bis auf den erkrankten Jürgen Leipold waren auch alle Fraktionsmitglieder im „Barbarossa“. So viel Zusammenhalt und so viel Miteinander zwischen Alt und Jung, zwischen Mandatsträgern und einfachen Parteimitgliedern, zwischen Jusos und einer großen alten Dame, wie zum Beispiel Helga Jauss-Meyer eine ist, hat es in der SPD nicht immer gegeben.

Ortsverein rückt näher an die Gesellschaft

Vorwärts schreiten will der SPD-Ortsvereinsvorstand in den kommenden Jahren mit seiner neuen Vorsitzenden Natalie Wöllenstein. Die 26-jährige Rechtsreferendarin kündigte an, dass die SPD in Zukunft muffige Hinterzimmer verlassen will und sich auf in die Stadtteile machen möchte. Sie kann sich Sitzungen des Vorstands genauso im Seniorentreff wie im Jugendtreff im Berchengebiet oder im Kiosk in Petershausen vorstellen. Straßenfeste wie das in der Kreuzlinger Straße sollen keine einmaligen Ereignisse bleiben. In Vereinen, bei Amnesty und in der Krabbelgruppe will der Ortsverein neue Kontakte knüpfen. Die Botschaft ist klar: Die SPD will die Menschen erreichen und wieder näher bei ihren Wählerinnen und Wählern sein.

Querschnitt durch Generationen

Einen deutlichen Akzent setzte die Partei mit der Wahl des neuen Vorstands. Führen werden den Konstanzer Ortsverein zusammen mit Natalie Wöllenstein (Foto) die beiden stellvertretenden Vorsitzenden, der in Zürich arbeitende Psychiater Uwe Herwig, der Vater zweier kleiner Kinder ist, und Zahide Sarikhs. Die aus Duisburg stammende Türkin, die mit ihrer Familie einen Kebap in der Kreuzlinger Straße betreibt, engagiert sich auch für Migranten in Konstanz. Zur Kassiererin gewählt wurde die Volkswirtin Regina Bendokat und Schriftführerin ist Andrea Kreuziger, Mutter dreier Kinder im Teeniealter. Beisitzer sind der Auszubildende Patrick Kleindienst, der Erzieher Alex Friedrichs, der ebenfalls zwei Kinder hat, der Mathematikstudent Fabian Parsch und der ehemalige bei der letzten Kommunalwahl nicht wieder gewählte Stadtrat Frieder Schindele. Vertreten sind im neuen Vorstand somit mehrere Generationen und Berufe, die die Konstanzer Bevölkerung sehr gut spiegeln. Seine erste Feuerprobe zu bestehen hat der neue Vorstand beim Bürgerentscheid über das geplante Konzert- und Kongresshaus auf Klein Venedig und bei der Landtagswahl 2011.

Fotos: wak

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