Wahlkampf in Konstanz: Wer den Schuh hoch hält,…

Von Entgleisungen auf dem Podium und im Publikum bei einer Veranstaltung der Umweltverbände

Konstanz. Das war unanständig! Bei einer Podiumsdiskussion der Umweltverbände schlugen am Dienstagabend in Konstanz die Wellen hoch. Als es um das Thema Atomkraft ging, beschimpfte der Kandidat der Linken, Bernhard Hanke, Andreas Hoffmann (CDU). BUND-Geschäftsführer Thomas Schaefer, der das Podiumsgespräch moderierte, bemühte sich streckenweise vergeblich, zu verhindern, dass die Debatte entgleiste.

 

So redeten Kandidaten miteinander

Die Debatte erreichte ihren Tiefpunkt, als der Landtagskandidat der Linken, Hanke, an Hoffmann gerichtet ins Mikrofon brüllte: „Sie brauchen gar nicht so unverschämt zu grinsen, das geht mir auf den Senkel.“ Er sei „fassungslos über die Unverschämtheit“ von Hoffmann und Wolf, rief Hanke. Hoffmann beschwerte sich anschließend nur über die Lautstärke – nicht aber über die politische Kultur oder darüber, wie Kandidaten miteinander umgehen. Zuvor hatte Hoffmann noch appelliert: „Lassen Sie uns diese Diskussion ernsthaft führen.“

Emotionale Ausfälle auch im Publikum

Tumulte gegeben hatte es zuvor auch schon im Publikum. Zwischenrufer versuchten Andreas Hoffmann (CDU) und Tatjana Wolf (FDP) auszubuhen. Siegfried Lehmann (Grüne) stellte fest: „Die Landesregierung hat versagt.“ Hoffmann versuchte über das Aussetzen der Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken und das Abschalten von Neckarwestheim I zu sagen, dass dies keine „schnelle Effekthascherei“ sei. Einige im Publikum wollten den Landtagsabgeordneten der CDU zum Thema Atompolitik aber lieber nicht ausreden lassen. Nicht allen Zuhörern gefielen die Zwischenrufe und der unanständige, respektlose Umgang. „Wir gehen nicht so miteinander um“, stellte ein Zuhörer klar. Sein Appell blieb ohne größere Wirkung.

Zuhörer hält Schuh hoch

Stadtrat Holger Reile, der unter den Zuhörern war, zog während der Podiumsdiskussion einen Schuh aus und hielt ihn in die Höhe. In Ägypten drücken Menschen so ihre Verachtung aus – sie taten es zum Beispiel, als Husni Mubarak eine Fernsehansprache hielt und noch nicht zurücktreten wollte. Bei der Podiumsdiskussion wirkte der hochgehaltene Schuh wie eine Verhöhnung der Ägypter und  des Podiums. Später in der Fragerunde warf Reile dann FPD-Kandidatin Tatjana Wolf, mit der zusammen er auch im Konstanzer Gemeinderat sitzt, an den Kopf, er wisse nicht, was sie auf dem Podium wolle.

Zahide Sarikas Platz war leer

Der Platz der SPD-Landtagskandidatin Zahide Sarikas war am Dienstagabend leer geblieben. Sie war kurz bevor sie sich auf den Weg zu der Veranstaltung in den Wolkensteinsaal machen wollte, in ihrem Büro angegriffen und verletzt worden. Am Tag danach gaben die Konstanzer Landtagskandidaten dann eine Erklärung mit folgendem Inhalt ab: Es könne in einer funktionierenden Demokratie nicht angehen, so die Unterzeichner, dass Menschen, die ein Amt ausüben oder ein Amt anstreben widerwärtigen und verbrecherischen Angriffen ausgesetzt sind. Es sei nicht hinnehmbar, dass politische Auseinandersetzungen zu gewalttätigen Übergriffen auf engagierte Menschen führen. Es bedürfe eines Moments des Innehaltens, um zu begreifen, was ein solcher persönlicher Angriff für Frau Sarikas bedeutet und welche Fragen dieses Verbrechen auch im Hinblick auf den politischen Umgang aufwirft. Unterzeichnet hatten den Aufruf Dr. Tatjana Wolf (FDP), Andreas Hoffmann (CDU), Siegfried Lehmann (Bündnis90/Grüne), Bernhard Hanke (Die Linke) und Ute Hauth (Piratenpartei).

 

15 Kommentare to “Wahlkampf in Konstanz: Wer den Schuh hoch hält,…”

  1. Petra Meich
    17. März 2011 at 06:41 #

    Das zeigt mal wieder, daß die Linke keine demokratische Partei ist. Anstatt sich in einen politischen Diskurs zu begeben, wird gepoltert und mit dem Thema Atom billige Effekthascherei betrieben.

    Sehr oft habe ich die Erfahrung gemacht, daß die Mitglieder keine Meinung außerhalb ihres Horizontes akzeptieren, und diese auch vehement durchzusetzen versuchen. Beleidigungen und Drohungen sind an der Tagesordnung.

    Ich lege der SPD nahe, nicht mit der Linken zu koalieren, sollten diese in den Landtag kommen! Das wäre ein Verrat an der Demokratie!

    Die Linke ist UNWÄHLBAR.

  2. Lothar Herzog
    17. März 2011 at 08:53 #

    Hallo Frau Meich!
    Sie sollten sich mal kundig machen.
    Unter dieser Web – Seite wird schon für eine Zusammenarbeit
    von Rot – Grün – Dunkelrot geworben.
    http://www.solidarische-moderne.de
    Irgendwo kann einem die SPD leid tun. Solchen Halunken auf
    den Leim zu gehen.

  3. Lothar Herzog
    17. März 2011 at 09:03 #

    Ja Herr Hanke. Das kommt davon wenn man im Dauerlauf durch
    die Kinderstube gelaufen ist.
    Für mich persönlich sind Sie ein Leichtgewicht. Aber ein sehr
    unverschämtes.

  4. Josef Stalin
    17. März 2011 at 09:41 #

    Genosse Hanke!
    Wir hatten doch auf der letzten Sitzung des ZK gemeinsm
    beschlossen, das Sie mit Ihrem rüpelhaften Benehmen erst
    nach der Wahl anfangen.
    Sie bekommen jetzt einen Eintrag in Ihre Akte. Genosse
    Honecker und Ulbricht sind auch schon informiert.

  5. Hinterwäldler
    17. März 2011 at 09:46 #

    Sorry, ich war nicht dabei. Der Weg von Hinterwaldhofen nach Konstanz ist etwas sehr lang, steinig und schlaglochreich. ;-)

    Um die Diskussion sachlich beurteilen zu können fehlt mir eigentlich noch in Erfahrung zu bringen, welchen Anlass Hoffmann gegeben hat. Könnte es nicht etwa sein, das er das Pressestatement der Kanzlerin von vor paar Tagen nachplapperte, welches schon Dr. Martin Haase (Neusprech) http://www.netzpolitik.org/2011/martin-haase-merkel-zu-fukushima-mirror/ analysiert hat? Ausgerechnet das geht aus wak`s Blogbeitrag nicht hervor.

    Da wäre mir auch die Galle hochgekommen und auch ich hätte meinen Schuh hochgehalten.

    Und bitte vergesst nicht, das bei allen Beteiligten auf Grund des brutalen und vermutlich politisch motivierten Überfall auf Zahide Sarikas die Nerven blank lagen. Noch immer hat die Polizei nicht geklärt, wer nicht unter Verdacht steht.

  6. wak
    17. März 2011 at 10:16 #

    @Hinterwäldler Hoffmann hatte über die Energiepolitik der CDU gesprochen und zum Beispiel appelliert: Lassen Sie uns diese Diskussion ernsthaft führen. Von dem Überfall auf Zahide Sarikas wussten die Diskussionsteilnehmer beim Podiumsgespräch an dem Abend noch gar nichts. Dass es zu einer solchen brutalen Tat kommt, könnte auch Folge davon sein, wie Menschen und sogar Kandidaten miteinander umgehen. Über verbale Entgleisungen mancher Kommentatoren und Schlimmeres brauchen wir uns da nicht zu wundern. Politiker sollten ein Stück weit Vorbild sein. Vielleicht finden Sie das ja altmodisch. Ich denke, es wäre Zeit einmal über den persönlichen Umgang, über anscheinend nicht vorhandenen gegenseitigen Respekt und die politische Kultur zu diskutieren.

  7. Leserin
    17. März 2011 at 10:48 #

    Der Herr Reile, wie man ihn halt kennt. Benehmen konnte der sich doch noch nie.

  8. Jens
    17. März 2011 at 11:12 #

    Traurig unsere Politische Kultur im Lande.
    Ein MP, der kein Landesvater ist und der mit seiner Partei die Leute spaltet,
    und erst Prügeln lässt und dann Friedenslamm ist,
    der erst dick ins AKW Geschäft bei ENBW investiert und dann einen auf Anti AKW macht,während Leute wie Hofmann das traurige Spiel kritiklos mitmachen.

    Eine Opposition wie wie Linke,die nicht ihre Nerven im Griff haben kann,
    und pöbelt und das ganze auf eine persöhnliche Ebene verlagert,
    während eine Kanidatin schon ganz fehlt,weil sie mutmaßlich aus politischen Gründen ins Krankenhaus befördert wurde…..

  9. eikju
    17. März 2011 at 11:21 #

    Wer nichts im Kopf hat, hält seinen Schuh hoch oder brüllt .
    Auch ich finde, daß die Streitkultur einen Tiefststand erreicht
    hat. Nicht verwunderlich bei den aggressiven Linken, die noch
    vor kurzer Zeit ganze Völker verdummten und unterdrückten. Jetzt scheint eine neue Horde von Nachwuchs-Jakobinern ins
    Bild zu rücken, die schon ihre Messer wetzen. Daß sich unsere grün-roten Noch-Demokraten mit ihnen solidarisch erklären,
    ist nur mit politischer Einfalt zu erklären. Irgendwann heißt es dann mal wieder : Das haben wir nicht gewußt / nicht gewollt.

    „Too late, dear friends !“

  10. Josef Stalin
    17. März 2011 at 11:36 #

    Genosse Hanke!
    In unserem Arbeiter – und Bauernparadies hatten wir aber
    auch Kernkraftwerke.
    Sie sollten die werktätige Bevölkerung davon in Kenntnis
    setzen das wir in Greifswald auch einen Reaktor hatten.

  11. Hinterwäldler
    17. März 2011 at 12:30 #

    Ich will ja nicht spekulieren, aber irgendwo glaube ich gelesen zu haben, daß Zahide Sarikas zwar teilnehmen wollte, aber dann aus bekannten Gründen nicht konnte.

    — schnippel — schnippel — schnippel — schnippel —

    Wenn Schwarz-Gelb über die Energiepolitik spricht, dann vertreten sie die Argumente der Atomlobby (EON, EnBW, Vattenfall …). Merkel sagte in ihrem Statement zweimal: „Wir müssen mit den Energieerzeugern erst mal sprechen“ Als sie von der Presse und dem Internet bis zum Äußersten gereizt wurde (immerhin ist sie Atomphysikerin und müsste wissen von was sie spricht) versucht sie sich mit diesem 3 monatigen Moratorium über die Wahlen in BW zu retten. Daraufhin hat der Bundestagspräsident Norbert Lammert gleich wieder die Reißleine gezogen und sprach von Gesetzlosigkeit der Kanzlerentscheidung.

    Ich glaube, ich spinne. Ist das alles noch nicht ins Bewusstsein gelangt?

    In dem Zusammenhang ist auch dieser Beitrag von Linus Neumann bei http://www.netzpolitik.org/2011/deutsches-atomforum-kundigt-rechtliche-schritte-gegen-satire-an/ sowie diesbezüglich in der Presse des In- und Auslandes lesenswert.

  12. Josef Stalin
    17. März 2011 at 12:36 #

    @Hinterwälder
    Ihrem Kommentar >Ich glaube, ich spinne< wird nicht
    widersprochen.

  13. TB
    17. März 2011 at 19:14 #

    Dies ist die typische Diskussions-„Kultur“, der Anhänger der Linkspartei. Vom Niederschreien zum Niederknüppeln ist es nur ein kleiner Schritt.

  14. pitamsee
    18. März 2011 at 05:10 #

    @wak Sie sollten in dem Zusammenhang des Umgangs der Politiker untereinander nicht vergessen wie die Politiker mit ihren Wählern umgehen.
    Z.B. Ein Herr Hoffmann der Politik verkauft wie früher seine Versicherungen. Egal ob nötig, Hauptsache es bringt Quote bzw. Wählerstimmen.
    Kandidaten von FDP und CDU die zu einer Podiumsdiskussion erst garnicht erscheinen bzw. nach kürzester Zeit wieder verschwindend, da dort wohl nicht ihr Klientel angesprochen wird ( Podium von Verdi.
    iIch bin mir sicher, daß die beiden bei einer Podiumsdiskussion des DEHOGA keine Vertreter geschickt hätten.
    Ach ja, stellen sie doch herrn Hoffmann mal die Frage ob seine Partei kein Geld mehr für Wahlkampfstände hat. Letzte Woche auf dem Samstagsmarkt am Gebhardsplatz viel mir nämlich auf, daß Herr Hoffmann, Herr Boldt uund einige weitere CDU Spezis ihre Wahlwerbung, versteckt in einem Einkaufsbeutel, verteilten. Ich hab damit eigentlich kein Problem, daß dies aber direkt vor dem Stand der Grünen passierte, die auch Gebühren an die Verwaltung zahlen müssen is ja wohl auch nicht fair.
    Ich bin kein Wähler der Grünen gehe aber mit offenen Augen durch die Stadt!

  15. wak
    18. März 2011 at 13:49 #

    See-Online veröffentlicht keine Kommentare, die Spekulationen über die Hintergründe des feigen, widerwärtigen Verbrechens an Zahide Sarikas enthalten. Eine politisch motivierte Straftat schließen die Ermittler nicht aus. Alles andere wären Mutmaßungen und Spekulationen. Der Blog ist keine Plattform für Mutmaßungen und Spekulationen.

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