Wahlkampfwatching in Konstanz: Verdi änderte wegen Fukushima das Programm

Spannendstes Podiumsgespräch vor kleinem Publikum – Was ging Ihnen bei Japan durch den Kopf?

Konstanz. Am Vortag hatten es die Umweltverbände noch anders gemacht und erst einmal über die Gäubahn statt über den Atomausstieg diskutiert. Die Dienstleistungsgewerkschaft änderte dagegen am Mittwochabend ihr Programm. Im Brennpunkt des Interesses standen erst einmal Fukushima und die Folgen. Siegfried Lehmann (Grüne) sprach von einer Vertrauenskrise.

Podium mit „Auswechselspielern“

Auf dem Podium Platz genommen hatten vor kleinem Publikum in Vertretung von Andreas Hoffmann (CDU) Christian Bäumler, CDA-Landesvorsitzender und stellvertretender Bundesvorsitzender, an Stelle von Zahide Sarikas Tobias Volz, Ersatzkandidat der SPD, Ute Hauth, Landtagskandidatin der Piratenpartei, Bernhard Hanke, Kandidat der Linken, und der Landtagsabgeordnete Siegfred Lehmann (Bündnis90/Grüne). Tatjana Wolf (FDP) hatte noch kurzfristig abgesagt. Moderatorin Margrit Zepf von Verdi fragte erst einmal: „Was ging Ihnen bei Japan durch den Kopf?“

Lehmann sieht Vertrauenskrise

Siegfried Lehmann sagte, es gebe eine Vertrauenskrise, die sich verfestigt habe. Die Menschen vertrauten den Parteien nicht. Es gehe jetzt um Glaubwürdigkeit. Die Parteien erklärten zu wenig, was sie warum tun. „Wir brauchen Vertrauen.“ Scharf kritisierte Lehmann den Alleingang von Ministerpräsident Stefan Mappus in Sachen EnBW-Kauf. Lehmann sagte, Mappus habe ohne Legitimation gehandelt. Dass nur eine Person entscheide, sei „vordemokratisch“. Es gehe darum, ob Bürger ernst genommen und einbezogen werden. Siegfried Lehmann erklärte: „Mit Atomenergie in Japan gehen die Lichter aus.“ Fukushima habe alles verändert. „Diese Technologie ist nicht für den Menschen gemacht.“ Nach Japan werde es kein zurück mehr geben. Neben der Klimakatastrophe habe die Menschheit eine zweite große Aufgabe zu bewältigen. Auf seiner Website gebe es einen Link zum persönlichen Atomausstieg.

Bäumler hält laufzeitverlängerung für tot

Den Anfang auf dem Podium machen durfte aber Bernhard Hanke. Wenn es um Atompolitik geht, sieht Hanke rot. Die Politik der CDU hält er für eine „Unverschämtheit“. So hatte er sich auch schon am Vortag bei einer Veranstaltung der Umweltverbände geäußert. Weiter sagte Hanke zum Beispiel, er habe den Stromanbieter gewechselt und beziehe keinen Atomstrom. Christian Bäumler, der für die CDU auf dem Podium saß, sagte, er sei, als die Katastrophe von Tschernobyl passierte, gerade Student in Konstanz gewesen. Damals trat die Junge Union für einen Baustopp in Wackersdorf ein. Bäumler sprach vom christlichen Menschenbild und davon, dass Menschen fehlbar sind. Bäumler erklärte: „Die Laufzeitverlängerung ist politisch tot und sie ist auch juristisch tot.“ Die Verfassungsklage werde Erfolg haben.

Volz redet mit seinen Kindern

SPD-Mann Tobias Volz sagte, das Thema habe ihn schon immer bewegt. Er habe zwei Kinder und spreche viel mit ihnen über Atomkraftwerke – schon weil sie in der Schule Thema seien. Neue Fragen würden sich stellen, meinte Volz: Es gehe darum, wer für den Strom bezahlt und auch ums Energiesparen. Es sei furchtbar, dass zuerst das Unglück in Japan passieren musste, sagte Volz.

Hauth beklagt miserable Informationspolitik

Ute Hauth meinte mit Blick auf den Umgang mit den Ereignissen in Japan und die Rolle von Tepco, es könnte von Vorteil sein, wenn Atomkraftwerke in öffentlicher Hand wären. Japan betreibe eine miserable Informationspolitik. Sie sagte, es gebe andere Konzepte wie Wind oder Geothermie. Die Piratenpartei sei basisdemokratisch organisiert – ein Alleingang wie ihn Mappus machte, wäre ausgeschlossen.

 

Ein Kommentar to “Wahlkampfwatching in Konstanz: Verdi änderte wegen Fukushima das Programm”

  1. pitamsee
    17. März 2011 at 18:50 #

    Das haut dem Fass den Boden raus.
    die behauptung von Herrn Bäumler sehe ich als übelste Beleidigung für alle, so auch mich, an die sich am Wackersdorfe Bauzaun die Zähne ausschlagen liessen, so auch ich.
    Wir mussten uns auch von „Überlandesvater“ F.J. Strauss als von der DDR gesponsorte Terroristen beleidigen lassen.
    Ich war damals 15 Jahre, wurde nicht von meinen Eltern dazu angehalten oder gezwungen dorthin zu gehen, und verlor damls 2 Zähne durch einen Knüppel der Strausschen Schutztruppen.

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