Wahlwatching: Heute Ho Narro!

Von Waltraud Kässer

Wow, heute fassen wir uns an den Kopf. Wir fragen uns, sind jetzt eigentlich alle närrisch geworden?

Das Singener „Wochenblatt“ lässt uns am Fastnachtswochenende ausnahmsweise sprachlos zurück. Anfangs fanden wir noch, die Idee hätte etwas. Das „Wochenblatt“ beging einen regelrechten Tabubruch und lud am Aschermittwoch die Kandidaten aller Parteien, die am 27. März auf dem Wahlzettel stehen, zu einer Podiumsdiskussion in die Singener Scheffelhalle ein. Auch NPD und Republikaner waren geladen.

CDU, SPD, FDP und Grüne wollten sich mit den Rechten aber nicht auf ein Podium setzen. Statt abzusagen oder die Ausladung der Rechten zu fordern, begann ein unerträgliches Herumeiern. Heimlich oder zumindest unter Ausschluss von Linken oder Piraten einigten sich die vier Parteien mit dem Singener „Wochenblatt“ darauf, dass es zwei getrennte Podien geben sollte. In einer ersten Gesprächsrunde wollten die vier im Landtag vertretenen Parteien ganz unter sich bleiben. In einer anschließenden zweiten Runde sollten dann die Kandidaten von Linker, Piraten, ÖDP, Republikanern und NPD aufeinander treffen.

Im Klartext heißt das: Die Großen wollten es bei einer politischen Großveranstaltung ausgerechnet den kleineren Parteien am Katzentisch überlassen, die Rechten zu demaskieren. Michael Krause, Landtagskandidat der Linken, zog als erster die Reißleine. Er verabschiedete sich. Dass die Konstanzer Landtagskandidatin der Piratenpartei, Ute Hauth, über eine solche „rechts“- freie Runde der Großen, wie sie es nennt, empört ist, dürfte mehr als verständlich sein. Auch die Piraten wechselten deshalb den Kurs und wollen unter diesen Bedingungen nicht mit segeln.

Wer mag, kann sich mit ihr am Fastnachtssamstag übrigens auf der Konstanzer Marktstätte persönlich über die Heimlichtuereien in Zusammenhang mit der Aschermittwochsveranstaltung des Singener „Wochenblatts“ austauschen. Die Piraten gehen – als Seeräuber verkleidet – ab 11 Uhr mit ihrem Informationsstand auf der Konstanzer Marktstätte mitten im närrischen Treiben vor Anker.

Die Piraten wollten heute eigentlich nicht nur von Narren wissen, was sie tun würden, wenn sie einen Tag lang Ministerpräsident von Baden-Württemberg wären. Noch spannender dürfte aber die Frage sein, was die Wähler angesichts eines Herumeierns in Singen denken. Mit den Rechten diskutieren – ja oder nein? Was halten Passanten eigentlich davon, dass sich die vier im Landtag vertretenen Parteien in ihr Rettungsboot zwei Podien „retteten“?

Voraussichtlich werden wir, um all diese Fragen noch ein bisschen zu vertiefen, bei den Piraten aus dem Kreis Konstanz und unserer persönlichen Lieblingspiratin auf der Marktsätte vorbei schauen – stilecht im Piratenhäs versteht sich.

Eine schöne Rest-Fastnacht!

 

 

 

 

 

 

6 Kommentare to “Wahlwatching: Heute Ho Narro!”

  1. Steffen
    4. März 2011 at 19:55 #

    Natürlich……..mit der extremistischen Partei DIE LINKE, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird, will man sich an einen Tisch setzen, aber mit den rechtskonservativen REPUBLIKANERn nicht. Da haben wohl einige große Angst vor einem erneuten Einzug der REP in den Landtag.

  2. Lothar Herzog
    4. März 2011 at 20:35 #

    Die Linke liegt bei 4 %. Die Linksextremisten schaffen also nicht
    den Einzug in den Landtag.
    Das ist zuerst mal gut so. Und die Zahlen für die Grünen dürften
    meines Erachtens auch überhöht sein.
    Es kommt auf die Mobilisierung der Nichtwähler an. Aber hier
    hat das „ekelerregende“ Verhalten beim der Bundestagsdiskussion
    um Herrn Guttenberg einige ermuntert doch zu wählen.
    Egal wen jemand wählt. Hauptsache demokratisch und nicht
    links oder irgendwelche träumenden Weltverbesserer.

  3. Herr von Bödefeld
    5. März 2011 at 08:16 #

    @2: Ich denke, daß die ständigen Behinderungen mittels Geschäftsordnungspolitik und der ständige linke Belehrungsjournalismus vielen Bürgern jetzt so langsam zum Hals heraushängt. Da das Internet mit seinen Blogs mittlerweile dem Bürger eine Möglichkeit gib t sich unabhängig von der veröffentlichten Meinung zu informieren und sich ein eigenes Bild zu machen, werden die üblichen Stimmungsmacherein immer weniger ihre Ziele erreichen.

    Wenn es offensichtlich als „Tabubruch“ gilt, wenn man demokratisch legitimierte Parteien zu einem Diskussionsabend einlädt, zeigt das den desolaten Zustand unseres Demokratieverständnisses. Wenn dann noch ein beleidigtes Fernbleiben einer vom Verfassungsschutz beobachteten Partei, weil aus Sicht dieser Partei eine andere Partei „undemokratisch“ sei, als „Reißleine ziehen“ geradezu als vorbildliche Heldentat gefeiert wird, ist das befremdlich.

    Abgesehen davon, ist die Aufteilung in zwei Tische höchst albern, war aber wohl ein unnötiges Zugeständnis, weil eine Randgruppe laut gekeift hat und man sich dadurch hat beeindrucken lassen. Soweit ist es also schon in unserer Demokratie gekommen, daß diktiert wird, wer sich mit wem unterhalten darf!

    CDU, SPD, FDP und Grüne wollen sich also mit sogenannten „Rechten“ nicht an einen Tisch setzen. Damit hat jede dieser Parteien meine Stimme nicht verdient. Denn ich will ja, daß mein gewählter Verteter politisch arbeitet, also sich auch mit unliebsamen Ansichten auseinandersetzt. Das stünde den etablierten Parteien gut zu Gesicht. Wenn mir die Aufnahme von Migranten in den Polizeidienst und die damit einhergehende Abschaffung des Deutschtests bei der Eigungsprüfung nicht passt, bliebe mir ja derzeit nur das Kreuz bei REP oder NPD. Das will ich aber nicht. Es gibt noch weitere Themen, die ich nur bei den REP und NPD beantwortet finde. Aber ich lehne diese Parteien ab. Deswegen erwarte ich eigentlich von den „großen“ Parteien, daß sie sich mit den angeblich „pikanten“ Themen beschäftigen. Und sei es im Rahmen von solchen Diskussionsveranstaltungen. (Diese Themen sind übrigens nur deswegen „pikant“, weil sie gegen den vorhersschenden Mainstream verstoßen und somit eine öffentliche Hexenjagd nach sich ziehen, wenn man bestimmte Themen offen anspricht)

    Was bleibt? Die Enttäuschung, wie hier Demokratie gelebt wird und die Wut, daß man in unserem Land keine echte Meinungsfreiheit mehr leben kann. Denn die Boykottaufrufe der Linkspartei und ihren roten Helfern sind unerträglich! Das Einknicken des Veranstalters vor dieser Drohkulisse ist schlimm! Die Weigerung von Parteien an einer Diskussion miteinander teilzunehmen ist das Ende der Demokratie!

  4. wak
    5. März 2011 at 09:41 #

    Bin echt gespannt, ob die Veranstaltung noch stattfindet, wenn ja mit wem und wie vielen Podien. Das Wochenblatt hat bis jetzt Presseanfragen von See-Online unbeantwortet gelassen.

  5. Lothar Herzog
    5. März 2011 at 11:25 #

    Anstifter zu diesem gesamten Mischmasch war ein Kanditat von
    einer „Mauermprderpartei“ .
    Das diese Figuren überhaupt noch das Wort Demokratie in den
    Mund nehmen ist mir unerklärlich.
    Linke und Demokratie haben soviel miteinander zu tun wie
    Weihwasser und er Teufel. Aber hier in den Südstaaten einen
    auf Demokratie machen. Die sind einfach schlicht unfähig für
    die Demokratie. Demokratie tut manchmal weh.
    Das die anderen Pappnasen nicht mitmachen ist für mich nicht
    verwunderlich. Hätte einer aus der Reihe getanzt wäre er der
    Un – Demokrat gewesen.
    Hier geht es ganz kla um die Einführung einer neuen Diktatur.
    Einer Linksdiktatur.

  6. Lothar Herzog
    5. März 2011 at 11:34 #

    Nr. 2
    Ich kann Sie trösten. Irgendwann wir die neue Partei „Die Freiheit“
    auch hier in den Südstaaten präsent sein.
    Mein Wahlomat, und das sage ich hier gnz öffentlich, zeigte REP
    an. Ob ich die wähle?
    Mein einziges Ziel ist es. Grün – Rot – Bolschewismus zu verhindern.
    Ich muss ja deshalb nicht NPD ( Nichtwähler Partei Deutschlands )
    wählen.
    Es geht hier um die Anstiftung zu einem undemokratischen
    Verhalten. Wie kann ich als „vom Verfassungsschutz beobachtete“
    Partei mir anmaßen andere „nicht“ verbotenen Parteien an das
    Katzentischchen zu verbannen?
    Das ist die Frage.

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