Warum soll Verwaltungsgericht über Konstanzer Glasverbot entscheiden?

Nachgefragt bei Kläger Benjamin Wohnhaas

Konstanz. Der Konstanzer Student Benjamin Wohnhass klagt vor dem Verwaltungsgerichtshof Mannheim gegen das Konstanzer Glasverbot. Die Grüne Hochschulgruppe unterstützt die Klage. Wir haben einmal nachgefragt und wollten wissen: Wer ist eigentlich Benjamin Wohnhaas?

 See-Online: Herr Wohnhaas, wann haben Sie sich entschlossen gegen das Glasverbot zu klagen?

Benjamin Wohnhaas: Bereits das Glasverbot in diesem Juni hat mich und viele Leute mit denen ich gesprochen habe, verärgert. Auch in der Grünen Hochschulgruppe haben wir über das Glasverbot diskutiert und die Juristen unter uns haben schwere Bedenken angemeldet. Mit Florian Brändle und Nicolai Growe haben wir dann die Klage konkretisiert. Es verging allerdings noch etwas Zeit bis wir mit der Kanzlei Dr. Binder, Flaig und Ritterhoff eine Vertretung vor dem VGH Mannheim gefunden haben, sodass wir die Klage jetzt einreichen konnten.

See-Online: Weshalb klagen Sie als Einzelperson und nicht etwa die Grüne Hochschulgruppe?

Benjamin Wohnhaas: Diese Entscheidung hat mir der Gesetzgeber abgenommen, da die Grüne Hochschulgruppe nicht klageberechtigt ist.

See-Online: Fühlen Sie sich in Ihren persönlichen Freiheitsrechten tatsächlich so sehr eingeschränkt?

Benjamin Wohnhaas: Nun, es ist mir – und allen anderen Konstanzer Bürgerinnen und Bürgern – mit dem Glasverbot nicht mehr erlaubt eine Flasche Wein oder eine Flasche Bier in gemütlicher Runde am Seerhein zu trinken, selbst wenn wir leise bleiben, niemanden stören und alle unsere Flaschen wieder mitnehmen. Richtig absurd wird es, wenn Eltern ihre Babys an einem öffentlichen Erholungsraum nicht mehr aus Gläsern füttern dürfen. Das betrifft mich noch nicht persönlich, es macht mich allerdings nachdenklich.

See-Online: Was ist Ihnen wichtiger, die Freiheitsrechte aller Nutzer des öffentlichen Raumes oder die Sicherheit von Badenden und im flachen Wasser spielenden Kindern am Seerhein?

Benjamin Wohnhaas: Niemand wünscht sich Glasscherben im Wasser, ich zumindest verurteile das Zertrümmern von Glas ausdrücklich. Ein Glasverbot geht dafür allerdings zu weit. Dadurch werden normale Bürgerinnen und Bürger kriminalisiert. Wir benötigen für die Sicherheit der Badenden kein Glasverbot. Dafür gibt es deutlich effektivere Maßnahmen mit weniger Nachteilen.

See-Online: Was soll Ihrer Meinung nach die Stadt tun, um zu verhindern, dass Flaschen am Ufer zertrümmert und Scherben ins Wasser geworfen werden? Sagen Sie jetzt bitte nicht, dass die Polizei jeden Abend von Einbruch der Dunkelheit bis in die frühen Morgenstunden Fußstreifen am Ufer entlang marschieren lassen soll. So viele Polizisten gibt es in Konstanz nämlich gar nicht.

Benjamin Wohnhaas: Auch ein Glasverbot muss natürlich kontrolliert werden. Wenn es keine Polizistinnen und Polizisten gibt, die Ruhestörung und Vandalismus entgegentreten können, wie sollen diese dann ein Glasverbot umsetzen?

Es muss aber nicht immer nur mit Polizeipräsenz geantwortet werden. Die Nachtwanderer zeigen mit ihrer sehr erfolgreichen Arbeit in Konstanz, dass das ernsthafte Gespräch mit den Jugendlichen auf Augenhöhe weitaus effektiver ist als strikte Verbote. Das ist ein Ansatz, der weiterhin unterstützt und womöglich ausgebaut werden sollte.

See-Online: Halten Sie es für wahrscheinlich, dass es einigen Anwohnern bei Ihrer Kampagne tatsächlich gar nicht um die Verletzungsgefahr und um das Glasverbot geht, sondern darum, Menschen, die sich am Wasser laut unterhalten oder feiern, von der Seestraße und aus dem Herosépark zu vertreiben und dass das Glasverbot nur die Plätze unattraktiv machen sollte?

Benjamin Wohnhaas: Es ist kein Geheimnis, dass einige Anwohnerinnen und Anwohner insbesondere in den Hofgärten versuchen, die dort feiernden oder auch nur sich dort in normaler Lautstärke unterhaltenden Jugendgruppen mit allen Mitteln zu vertreiben. Für viele ist das Glasverbot ein Mittel um genau das durchzusetzen. Ich glaube aber nicht, dass alle Gemeinderätinnen und Gemeinderäte das Glasverbot nur vorschieben, um Ruhe von der dortigen Bürgerinitiative zu bekommen.

See-Online: Wo verläuft Ihrer Meinung nach die Konfliktlinie? Verläuft sie zwischen Anwohnern und allen anderen Nutzern des öffentlichen Raumes? Oder verläuft sie vielleicht zwischen Menschen, die Rücksicht nehmen, und solchen, die absichtlich Flaschen kaputt schlagen und denen das Verletzungsrisiko vollkommen egal ist?

Benjamin Wohnhaas: Das ist ein guter Hinweis. Nur eine kleine Minderheit zerstört absichtlich Flaschen, ist rücksichtslos laut und gewalttätig. Das stört natürlich die Anwohnerinnen und Anwohner, aber auch andere Personen, die einen schönen Abend am See verbringen wollen. Das muss auch niemand hinnehmen, denn es verboten Flaschen absichtlich zu zerschlagen oder nachts in übermäßiger Lautstärke zu feiern. Dagegen benötigen wir kein Glasverbot.

See-Online: Haben Sie in diesem Sommer öffentliche Badeplätze in Konstanz besucht? Wo haben Sie gebadet?

Benjamin Wohnhaas: Leider ist das Badewetter nun erst einmal vorbei, aber im Sommer habe ich mich gerne Abends im See erfrischt. Gerade am Seerhein, der auf meinem Weg von der Uni zu meiner Wohnung liegt, gehe ich gerne noch kurz ins Wasser. Wenn ich es etwas ruhiger haben möchte, bade ich auf Klein-Venedig, dort finden sich selten mehr als eine Hand voll Schwimmer ein.

See-Online: Sind Sie schon einmal in eine Scherbe getreten und haben sich ernsthaft verletzt?

Benjamin Wohnhaas: Leider bin auch ich bereits im Bodensee in eine Scherbe getreten und habe mir den Fuß aufgeschnitten – allerdings in Friedrichshafen. Das war schmerzhaft und in den darauf folgenden Tagen unangenehm, ernsthaft verletzt habe ich glücklicherweise aber noch nicht. Verantwortungsbewusste Menschen nehmen ihr Glas auch wieder mit oder entsorgen es in den Mülleimern und nicht im Wasser.

See-Online: Wir sind zuletzt lieber mit Crocs ins Wasser gegangen, nachdem wir gesehen haben, wie eine Frau innerhalb von nur etwa 15 Minuten eine halbe Plastiktüte Scherben, darunter abgeschlagene Flaschenhälse und Flaschenböden, im Flachwasser vor der Bischofsvilla aufsammelte. Ist da das Sicherheitsargument wirklich so weit hergeholt?

Benjamin Wohnhaas: Niemand wird ernsthaft bestreiten, dass es im Seerhein Scherben gibt. Trotzdem ist es nicht so, dass es in Konstanz überdurchschnittlich viele Schnittverletzungen beim Baden gibt. Jede Verletzung ist bedauerlich. Nur ist – wie gesagt – das Zertrümmern von Glas auch jetzt nicht erlaubt. Ein Glasverbot ist hier nicht der richtige Weg.

See-Online: Die Mannheimer Richter werden jetzt also entscheiden müssen. Wann ist mit dem Urteil zu rechnen?

Benjamin Wohnhaas: Es dauerte ungefähr ein Jahr bis der Verwaltungsgerichtshof das Alkoholverbot in Freiburg kippte. Wir rechnen mit einem ähnlichen Zeitraum.

See-Online: Sind schon Spenden auf Ihr Konto eingegangen?

Benjamin Wohnhaas: Es gibt bereits Unterstützerinnen und Unterstützer, die eine Spende angekündigt haben. Da meine Kontodaten zu diesem Zweck aber erst am Freitag veröffentlicht wurden, und die Banken zum Verbuchen ein paar Tage benötigen, ist noch keine Geld auf dem Konto verbucht.

Die Fragen stellte Waltraud Kässer

Ein Blogbetrag zum selben Thema Klage gegen Glasverbot http://www.aktuelles-bodensee.de/31532/konstanzer-student-klagt-gegen-das-glasverbot/

2 Kommentare to “Warum soll Verwaltungsgericht über Konstanzer Glasverbot entscheiden?”

  1. Octopussy
    19. September 2011 at 09:43 #

    man muss schon sagen, der herr wohnhaas mach einen sehr souveränen eindruck. weiter so! wir brauchen solche leute, die köpfchen haben und sich mithilfe des selbigen für eine gute sache stark machen!

  2. Franz Sauerstein
    19. September 2011 at 15:20 #

    Ich schließe mich Octopussy an!
    Desweiteren fällt mir da noch der Spruch „Wer Sicherheit gegen Freiheit tauscht, verliert am Ende beides“ ein – aber der ist wohl ein wenig zu stark für diese Situation. ;-)

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