Weiter Personal-Querelen an der VHS Konstanz-Singen

Ver.di kritisiert Entlassung des Konstanzer VHS-Chefs Reinhard Zahn – Beschäftige sind verunsichert

Konstanz. Die Volkshochschule Konstanz-Singen beendet das Arbeitsverhältnis mit Reinhard Zahn, dem neuen Leiter der Hauptstelle Konstanz, noch in der Probezeit. Beschäftigte, unter ihnen auch viele freie Mitarbeiter, sind stark verunsichert. Zu Wort gemeldet hat sich am Sonntagnachmittag auch die Gewerkschaft ver.di.

VHS-Beschäftigte verunsichert

Mit wachsender Sorge betrachte die Gewerkschaft ver.di den Umgang der VHS Konstanz-Singen mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. „Nach den Querelen der vergangenen Jahre ist es höchste Zeit, dass in der VHS wieder Verlässlichkeit einkehrt; dazu gehört in einem reinen Dienstleistungsbetrieb an aller erster Stelle, dass der Umgang mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern stimmt.“ so Hanna Binder, Gewerkschaftssekretärin der ver.di. Dies sei derzeit leider nicht der Fall.

Ver.di kritisiert Kündigung

Es gehöre zu den anerkannten Grundsätzen guter Personalpolitik, das Gespräch mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu suchen. Dieser Grundsatz werde aktuell in der VHS leider nicht beachtet. „Auch nicht bedacht oder vielleicht sogar nicht gewollt scheint es zu sein, die VHS als sozialverantwortlichen Arbeitgeber zu präsentieren“, heißt es in einer Erklärung der Dienstleitungsgewerkschaft. Zu den ungeschriebenen Regeln sozialer Verantwortung gehöre es, von der Kündigungsmöglichkeit innerhalb der Probezeit nur dann Gebrauch zu machen, wenn etwas Gravierendes vorgefallen sei. „Wenn ein Arbeitgeber innerhalb der Probezeit zu dem Schluss kommt, dass seine Auswahl doch nicht optimal war, ist es üblich, das Arbeitsverhältnis mit dem Ende der Probezeit zu beenden“, heißt es in der Stellungnahme weiter. In einem solchen Fall würden aber schon während der Probezeit Gespräche mit dem Mitarbeiter geführt, die es ihm idealer Weise auch ermöglichen könnten, sein Verhalten entsprechend zu ändern, damit eine Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses doch möglich werde. „Eine solche Chance wurde Herrn Zahn leider nicht gegeben“, heißt es in der Erklärung.

Arbeitsklima weiter verschlechtert

Gewerkschaftssekretärin Hanna Binder zieht eine Bilanz Geschehnisse, die die vhs nicht gut aussehen lässt. Die Volljuristin erklärt: „Nicht alles, was rechtlich zulässig ist, hält einer moralischen Überprüfung stand. Wenn es das Ziel des Vorstandes war, mit der Kündigung von Herrn Zahn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der VHS Konstanz (weiter) zu verunsichern, dann haben die Verantwortlichen ihr Ziel vollumfänglich erreicht.“

Zwei Entlassungen im vergangenen Jahr

Für Schlagzeilen gesorgt hatte die VHS im vergangenen Jahr, nachdem zwei leitende Mitarbeiter fristlos gekündigt worden war. Weshalb es damals zu den Verwerfungen gekommen war, hat die Öffentlichkeit nie erfahren. Dozenten wirkten angesichts der Ereignisse verängstigt. Mindestens ein Dozent kündigte darauf hin seine Zusammenarbeit mit der VHS auf, weil er sich eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der damaligen Leitung nicht mehr vorstellen konnte. Viele Beteiligte wollten nach den Vorkommnissen aber lieber nicht offen sprechen – auch deshalb blieb vieles im Dunkeln. Das ist bis heute so.

Dozenten klagen über Arbeitsbedingungen

Reinhard Zahn stand auch für einen Neuanfang. Mehrere Dozenten berichteten, dass sich die Arbeitsbedingungen weiter verschlechtert hätten. So seien Fahrtkosten nicht mehr übernommen worden. Vor allem aber bekamen die freiberuflich arbeitenden Dozenten offenbar zuletzt viel weniger Kurse. Von Honoraren, die sie bei der VHS verdienen, können Betroffene seither ihren Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten. Das dürfte genauso gewollt sein. Würden Dozenten ihr gesamtes Einkommen oder den allergrößten Teil bei der VHS verdienen, könnten die Dozenten möglicherweise als „Scheinselbständige“ gelten. Diesem Vorwurf will sich die VHS’s offenbar nicht aussetzen – sie müsste die Betreffenden dann möglicherweise fest anstellen und Sozialabgaben für sie bezahlen.

Ein Kommentar to “Weiter Personal-Querelen an der VHS Konstanz-Singen”

  1. fluck
    2. November 2011 at 23:52 #

    Ich finde, dass ver.di in der Regel einen prima Job macht. Hier aber finde ich, dass sie etwas einseitg agieren, denn eine Kündigung ohne Angabe von Gründen ist arbeitsrechtlich legal und durchaus üblich (siehe Chefredakteur Südkurier). Dass so etwas für den betroffenen tragisch ist, ist unbestritten und ich kann mir nicht vorstellen, dass sich der Vorstand solch eine Entscheidung leicht macht. Mitspracherecht hätte hier lediglich ein Betriebsrat aber weder Dozenten noch andere Mitarbiter. Eigentlich wäre es aus meiner Sicht auch unverantwortlich vom Vorstand, wenn er Gründe in der Öffentlichkeit ausbreiten würde, die eigentlich nur die Betroffenen was angehen. Ich würde mich jedenfalls bedanken. Daher darf der Vorstand auf keinen Fall in aller Öffentlichkeit Stellung nehmen. Gab es eigentlich zwischen Vorstand und dem Hauptstellenleiter in der Probezeit Gespräche zu seiner Arbeit?

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