Weiter Streit um Zugverbindung nach Stuttgart

Lehmann legt Faktencheck zur Gäubahn vor: „Mit Stuttgart 21 sinkt die Leistungsfähigkeit“

Konstanz. Der Streit um die Bahnverbindung zwischen dem Bodensee und Stuttgart geht weiter. Der Landtagsabgeordnete Siegfried Lehmann (Bündnis 90/Grüne) erklärte, das Geld reiche noch nicht. Für ihn steht außerdem fest, dass die Zugverbindung nach Stuttgart sich mit „Stuttgart 21“ weiter verschlechtere. Wenige Tage vor der Landtagswahl am Sonntag hat er einen „Faktencheck“ präsentiert.

Weitere 50 Millionen Euro fehlen

Siegfried Lehmann klärt in einem Positionspapier die Faktenlage zum geplanten Ausbau der Gäubahn. „Es zeigt sich klar, dass nach wie vor sehr viel Geld für den Ausbau der Gäubahn fehlt. Um tatsächlich Fahrtzeitgewinne zu erzielen, brauchen wir weitere fünfzig Millionen Euro“, so Lehmann. Die Leistungsfähigkeit der Gäubahn sieht der Abgeordnete durch Stuttgart 21 bedroht: „Im morgendlichen Berufsverkehr werden wir die Leistungsfähigkeit der Gäubahn nicht erhalten können. Und das Angebot vonseiten der Schweiz, mehr Züge von Zürich nach Stuttgart durchzubinden, wird mit Stuttgart 21 endgültig blockiert.“

13 Seiten Faktenpapier

Anlässlich der andauernden Debatte um die Folgen von Stuttgart 21 für die Gäubahn hat der Konstanzer Abgeordnete Lehmann ein dreizehnseitiges Faktenpapier vorgelegt, in dem von der Finanzierung über die voraussichtliche Leistungsfähigkeit bis zu Wechselwirkungen mit den schweizerischen Bautätigkeiten alle relevanten Aspekte geprüft werden. Zu jüngsten Äußerungen des Tuttlinger Landrats Guido Wolf, der erklärt hatte, der Ausbau der Gäubahn im ersten Teilabschnitt Horb–Tuttlingen mit Baukosten von 12,5 Millionen Euro sei nunmehr komplett finanziert und würde bis 2014 fertig gestellt sein, ergänzt der Grüne Landtagsabgeordnete Lehmann: „Es ist natürlich zu begrüßen, wenn die Bahn aus eigenen Haushaltsmitteln den ersten vier Kilometer langen Teilabschnitt finanziert.“

Fahrtzeitersparnis erst ab 2017

Eine Fahrtzeitersparnis sei nach Auskunft des Verkehrsministeriums mit dieser kleinen Maßnahme, die zudem nach Auskunft des Eisenbahn-Bundesamtes nicht vor 2017 realisiert werde, allerdings nicht möglich. Für eine wirksame Fahrzeitreduzierung seien dringend die „Beschleunigungsmaßnahmen“ auf der gesamten Gäubahnstrecke zu realisieren, die bisher weder geplant noch finanziert sind. „Dafür werden weitere fünfzig Millionen Euro dringend benötigt“, so Lehmann. Angesichts der enormen Baukosten von Stuttgart 21 sieht Lehmann nicht, wo dieses benötigte Geld herkommen soll.

Viel zu wenig Geld

„Um die von Baden-Württemberg versprochenen Projekte umzusetzen müsste der Bund bis 2020 insgesamt 56 Prozent seiner in diesem Zeitraum voraussichtlich für den Ausbau der Schiene zu Verfügung stehenden Haushaltsmittel nach Baden-Württemberg fließen lassen. Das ist völlig ausgeschlossen“, so der Abgeordnete. Lehmann ist verärgert darüber, dass die deutsche Seite ihren Verpflichtungen nach dem Vertrag von Lugano nicht nachgekommen ist: „Bis 2012 sollte der Ausbau erledigt sein, doch da nur die Schweizer ihren Verpflichtungen nachgekommen sind verlängert sich jetzt die Fahrt nach Stuttgart zusätzlich. Hier gibt es nichts zu beschönigen: Die Landesregierung hat es versäumt, klare Prioritäten zu setzen, und die Pendler müssen jetzt dafür büßen.“

Gäubahn auf S-Bahn auf einem Gleis

Mit Stuttgart 21 werde das nicht besser werden, so der Abgeordnete in seinem Positionspapier: „Wegen der eingeplanten Kapazitätsengpässe kommt es im morgendlichen Berufsverkehr sogar zur Ausdünnung des Angebots.“ Beispielsweise würde einer der drei Züge auf der Gäubahn für Berufspendler, die derzeit zwischen 7 und 8 Uhr in Stuttgart ankommen, wegfallen müssen, da wegen des dichten S-Bahn-Taktes zwischen Herrenberg und Flughafen pro Stunde nur noch zwei Züge der Gäubahn zum Stuttgarter Hauptbahnhof gelangen könnten.

Alternative wäre Tunnel

Dies wurde während der Schlichtungsgespräche von der Deutschen Bahn eingeräumt. „Wenn Stuttgart 21 gebaut wird, ist eine Ausweitung der Kapazität für die Gäubahn nur mit einem neuen Tunnel zu machen. Doch woher sollen die erforderlichen mehreren hundert Millionen Euro kommen?“, fragt Lehmann.

Nachteile auf vielen Strecken

Auch für die Regionen abseits der Gäubahn-Strecke hat der Landtagsabgeordnete zahlreiche negative Folgen recherchiert. Da die RE-Linie von Rottweil nach Neustadt „aufgebrochen“ werden müsse, ergäben sich Fahrtzeitverlängerungen von 15 Minuten zwischen Neustadt und Villingen. Fahrgäste der Bahnhöfe auf der Strecke Freiburg Hbf – Donaueschingen mit dem Ziel Stuttgart würden die ICE-Anbindung verlieren und somit sogar 30 Minuten später in Stuttgart ankommen als bisher. Reisende aus Stuttgart mit dem Ziel Friedrichshafen würden in Singen den Anschluss verpassen und rund 40 Minuten länger im Regionalzug verbringen, Reisende mit dem Ziel Überlingen 20 Minuten mehr. Auch der Ringzug Rottweil – Tuttlingen müsse mit negativen Folgen rechnen, wenn nicht unerwartet 35 Millionen teure Investitionen vor der Fertigstellung von Stuttgart 21 finanziert und realisiert werden könnten.

Foto: Archiv wak

 

 

4 Kommentare to “Weiter Streit um Zugverbindung nach Stuttgart”

  1. Bolle Knallquist
    22. März 2011 at 17:05 #

    Aus diesem grünen „Faktenpapier“ sollen die sich mal einen Joint drehen und anzünden. Zu mehr ist das nicht zu gebrauchen. Wenn sie wenigstens ehrlich wären und das Papier „Wirrer Propagandazettel“ nennen würden.

  2. db
    22. März 2011 at 17:25 #

    @Bolle Knallquist: Wie kommen Sie zu dieser Einschätzung, wenn Sie es doch gar nicht gelesen haben? Ihnen ist ja sicher aufgefallen, dass der Text des Artikels hier keine 13 Seiten umfassen kann und es sich daher nicht um das komplette Papier handelt.

  3. Bolle Knallquist
    22. März 2011 at 17:47 #

    Es ist eh schon bekannt, was dort für grüne Besserwisserergüsse niedergeschrieben sind. Lehmann, die grüne Endlos-Schallplatte! Die Grünen denken nämlich, daß durch ständiges und lautes Wiederholen abtruser Stammtischgedanken diese irgendwann mal richtig werden. Zumindest werden Wähler eingelullt, denn die grüne Propagandamschinerie läuft ja auf Hochtouren. Egal, ob Fakten etwas zurechtgebogen und seltsam interpretiert werden. Egal, ob künstliche Ängste erzeugt werden. Hauptsache Wählerstimmen. Hauptsache Macht. Hauptsache ein paar bequeme Pöstchen.

    Zum richtigen Faktencheck geht’s übrigens hier lang: http://www.faktencheck-bw.de/

  4. db
    22. März 2011 at 17:57 #

    Von Stammtischgedanken sprechen und im gleichen Beitrag auf eine Seite mit lauter Stammtischparolen verweisen… Die Faktencheck-Seite bietet Bildzeitungsniveau in Reinkultur; eine reine Einpeitscherseite der CDU-Wahlkampfzentrale. Schade, dass Sie sich nicht für die Argumente der anderen Parteien interessieren und lieber im eigenen Saft schmoren. Denn wer Fakten zurechtgebogen und merkwürdig interpretiert hat, das hat doch zuletzt die Faktenschlichtung zu Stuttgart 21 gezeigt, wo Bahn und Landesregierung ein ums andere Mal zurückrudern mussten. Und es zeigt sich auch jetzt wieder, wenn Landes- und Bundesregierung ihre Interpretation der Fakten zur Atomkraft nochmal neu überdenken müssen.

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