Wen und weshalb stört die Papstskulptur Peter Lenks?

Nachgehakt nach Hennenbergers Rolle rückwärts

Konstanz (wak) Nach der überraschenden Aufforderung, die an Bildhauer Peter Lenk erging, er solle seine Papstfigur aus dem Konstanzer Bahnhof wieder entfernen, fordert heute die Linke Liste Konstanz Auskunft. Sie will wissen, wer Henneberger zur Rolle rückwärts veranlasst hat. Nach einem kleinen Geplänkel über den Grad der Nacktheit des Gauklers (so die offizielle Sprachregelung) möchte Holger Reile unter anderem Auskunft darüber, wer am vergangenen Freitag eine Sondersitzung des TIK-Aufsichtsrats einberufen und wer daran teilgenommen hatte. Angeblich habe Volker Kauder sein Händchen im Spiel, mutmaßt Reile.

Vorspiel mit Kauder im Bananenröckchen

Zuletzt hatte Lenk dem CDU-Politiker Kauder noch großzügig ein Kunstwerke für eine Benefizaktion überlassen. Sehr überrascht war Bildhauer Peter Lenk zunächst, als ihn ausgerechnet der Unionsfraktionschef Volker Kauder in einem persönlichen Schreiben um eine Spende für eine Benefiz-Aktion gebeten hatte. Das Kunstwerk solle, so ließ Kauder damals wissen, zugunsten des Hilfsprojekts „Wir helfen Afrika“ versteigert werden. Lenk entsprach der Bitte und schuf eigens eine ganz neue Skulptur, die den Unionsfraktionschef Volker Kauder persönlich – wie Josephine Baker – im Bananenröckchen zeigt. „Das erste Gebot lag bei 8000 Euro“, sagte Lenk am Samstag. Dass Lenk trotz seiner Freigiebigkeit beim konservativen Kauder in Ungnade gefallen sein könnte, ist aber nicht gänzlich auszuschließen.

Nichts Anstössiges zu entdecken

Der Papst sei doch ein „echter Hingucker und auch bei näherer Begutachtung sei nichts Anrüchiges zu erspähen“ teilte Holger Reile Hennberger in einem offenen Brief mit. Lenk selbst spricht von einer nur „bedingt nackten“ Figur. Unter Pornoverdacht steht die Skulptur somit nicht. Die überraschende Rolle rückwärts des Touristikchefs hatte am Wochenende nicht nur den Stadtrat überrascht. Sie war zum Beispiel auch Gesprächsthema am Rande des Kulturfests beim Münster. So hatte sich Henneberger zunächst doch sehr bereitwillig und voll Freude zusammen mit der Papstfigur fotografieren lassen.

Hier der offene Brief Reiles im Wortlaut

„Sehr geehrter Herr Henneberger,

Mit Erstaunen mussten wir feststellen, dass Sie nun beabsichtigen, die Lenk-Figur wieder abbauen zu lassen. Wir erinnern uns noch lebhaft, wie stolz Sie waren, als Lenk sein Päpstlein, das seiner Aussage nach aber nur ein Gaukler sein soll, im Bahnhofsgebäude montierte. Das putzige Kerlchen ist doch ein echter Hingucker und auch bei näherer Begutachtung ist nichts Anrüchiges zu erspähen. Kein sich wölbendes Gemächt und kein Schamhaar entsetzt das züchtige Auge des Betrachters. Also alles erstmal bestens.

Was hat aber Sie nun dazu getrieben, plötzlich eine Kehrtwendung zu vollziehen? In der Stadt wird gemunkelt, auf Sie sei Druck ausgeübt worden. Angeblich habe CDU-Chef Volker Kauder sein Händchen im Spiel. Ebenso angeblich sollen CDU-Granden wie Innenminister Rech und Generalsekretär Strobel interveniert und ihre Parteigenossen vor Ort in Gang gesetzt haben. Auch von kirchlichen Attacken gegen die Lenk-Figur ist die Rede….

Sie sehen: Aufklärung ist angesagt, damit nicht erneut die ganze Republik über Konstanz lacht. Ich würde Sie also darum bitten, uns über folgende Fragen Auskunft zu geben

1. Gab es Druck von Politikern und ehrenwerten geistlichen Würdenträgern? Wenn ja, nennen Sie freundlicherweise deren Namen

2. Wer hat die außerordentliche Aufsichtsratssitzung einberufen?

3. Wer nahm daran teil?

Das gemeine Volk bittet um hurtige Aufklärung. Wir schließen uns an.

Ihrer Antwort sehen wir mit Interesse entgegen.“

Wir freuen uns über Ihren Kommentar!

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