Widerstand gegen Fracking am Bodensee in Stuttgart und Berlin

Land fordert bundesweites Moratorium gegen Fracking – Bundesumweltminister Peter Altmaier schreibt an CDU-Abgeordneten Andreas Jung

Konstanz/Stuttgart. Die Landesregierung wird sich für ein bundesweites Moratorium gegen unkonventionelle Erdgasförderung durch die umstrittene Fracking-Methode einsetzen, beschloss der Landtag in seiner heutigen Sitzung einstimmig. „Durch ein Moratorium kann verhindert werden, dass wassergefährdende Stoffe zum Einsatz kommen, welche in der Umwelt langanhaltende und nicht voraussehbare Schäden verursachen. Gerade für die Bodenseeregion wäre ein Moratorium wichtig, um den Trinkwasserspeicher nicht zu gefährden“, so der Konstanzer Landtagsabgeordnete Siegfried Lehmann. Bislang hatten ein Moratorium die Regierungsfraktionen in Berlin abgelehnt. Auch Bundesumweltminister Peter Altmaier sieht Fracking kritisch. Das schrieb er in einem Brief an den CDU-Bundestagsabgeordneten Andreas Jung.

Zweiter Anlauf gegen Fracking

Das Land Baden-Württemberg startet einen weiteren Anlauf für ein bundesweites Moratorium gegen Gasbohrungen mit Anwendung der Fracking-Methode, nachdem dieses bislang von Seiten der Regierungsfraktionen CDU und FDP in Berlin abgelehnt worden war. „Solange nicht bekannt ist, welche Auswirkungen die unkonventionelle Erdgasgewinnung auf die Umwelt und insbesondere auf unsere Trinkwasserspeicher hat, dürfen wir Bohrungen nicht zulassen,“, forderte erneut der Konstanzer Abgeordnete Lehmann.

Risiken zu hoch

Der Grüne Abgeordnete ist grundsätzlich der Meinung, dass die Methode zur Gewinnung konventionellen Erdgases nicht zur Anwendung kommen sollte. „Solange versucht wird, trotz nicht kalkulierbarer Risiken und enormer Kosten die letzten Tropfen endlicher Rohstoffvorräte zu gewinnen, wird der dringend erforderliche schnelle Umstieg auf erneuerbare Energien verhindert. Wir müssen alle Anstrengungen darauf verwenden, regenerative Energieträger voranzubringen, statt neue energiepolitische Irrwege zu begehen“, so Lehmann.

Moratorium wichtig für Bodensee

Für die Bodenseeregion hat ein Moratorium auf Bundesebene enorme Bedeutung: „Für die Region wurde soeben ein Antrag auf Verlängerung einer Erkundungslizenz gestellt, der nach geltendem Recht auch genehmigt werden muss. Zudem befindet sich in unserer Region der Bodensee als großer Trinkwasserspeicher. Solange die Risiken dieser Technologie nicht bekannt sind, können wir es nicht einfach darauf ankommen lassen, dass Chemikalien dieses Gewässer eventuell verunreinigen“, erläutert Lehmann die Brisanz des Antrags für den Bodenseeraum.

Land fordert UVP

Darüber hinaus fordert das Land die Einführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung für unkonventionelle Erdgasfördervorhaben und unterstützt einen entsprechenden Antrag aus NRW. „Bislang werden Erkundungs- oder Aufsuchungsanträge lediglich nach dem Bergbaurecht bearbeitet und müssen daher in der Regel ohne Öffentlichkeitsbeteiligung oder Rücksicht auf Belange der Umwelt genehmigt werden“, so Lehmann. „Es kann aber nicht sein, dass Fördervorhaben mit derart weitreichenden Auswirkungen auf die Landschaft, auf Mensch und Natur nicht öffentlich diskutiert und auf ihre Verträglichkeit hin überprüft werden.“

Appell an Bundestagsabgeordnete

Lehmann fordert daher die Bundestagsvertreter der Bodenseeregion dazu auf, sich der Forderung Baden-Württembergs nach einem bundesweiten Moratorium anzuschließen: „Ich hoffe sehr, dass sich meine Kollegen im Bundestag ebenfalls diesem von CDU und FDP in Baden-Württemberg mitgetragenen Beschluss anschließen und sich für den Schutz unserer Region und unseres Trinkwasserspeichers aussprechen und den Antrag des Landes entsprechend unterstützen.“

Bundesumweltminister Altmaier skeptisch

Am 15. Juni hatte der neue Bundesumweltminister Peter Altmaier in einem Brief an den CDU-Bundestagsabgeordneten Andreas Jung geschrieben, er könne Jungs Bedenken und Vorbehalte gegen Fracking gut verstehen. Auch nach Auffassung Altmaiers sind nicht alle Risiken restlos aufgeklärt. Der Minister verwies auf eine Studie. Noch in diesem Sommer soll ein Ergebnis vorliegen. Anschließend möchte der Bunds handeln. Offenbar möchte auch Altmaier für Transparenz sorgen und auch er hält „zur Gewährleistung einer Beteiligung aller Betroffenen eine Anpassung der UVP-Verordnung Bergbau für die Aufsuchung und Gewinnung von Erdgas bereits jetzt für ausreichend begründet und erforderlich“. Altmaier rät außerdem zu einem generellen Verzicht auf Bohrungen nach unkonventionellen Erdgasvorkommen in Trinkwasserschutzgebieten.

Foto: Herbert Walter Krick PIXELIO www.pixelio.de

3 Kommentare to “Widerstand gegen Fracking am Bodensee in Stuttgart und Berlin”

  1. Fafnir
    29. Juni 2012 at 06:34 #

    Es sind sich wieder mal alle einig, die Panikmaschinerie läuft. Einig sind sich vor allem die, die das Wort „Wissen“ durch „Glauben“ ersetzt haben.

    „Der Untergang durch Waldsterben, Atomstrahlen, Klimakatastrophe, Finanzkrise, Rinderwahnsinn und andere Gefahren steht immer unmittelbar bevor. Es gibt in Krisen kein Innehalten, keine Reflektion, nur das anschwellende Sirenengeheul des Großalarms.“

    http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/der_deutsche_konsens_4/

  2. Mykola Neumann
    1. Juli 2012 at 11:18 #

    Ich spreche mich hier gegen das Fracking am oder gar im Bodensee aus, weil es ein unnötiges Risiko für einen der größten Trinkwasserspeicher Europas darstellt. Wir brauchen kein Fracking. Es gibt genug andere gut erreichbare Erdgasvorkommen. Hier geht es nur um Gewinnmaximierung einiger Konzerne. Neben solchen Ansätzen, mit Chemikalien Erdgas aus dem Boden zu lösen wird ja zudem ernsthaft darüber nachgedacht, CO2 in große Tavernen im Boden zu pumpen (was ich persönlich für einenteuren gigantisch sinnlosen, risikobehafteten Unsinn halte). Aber wenn das tatsächlich jetzt gemacht werden soll, sollte man dieses C02 zur Methanisierung von Wasserstoff einsetzen und in das Erdgasnetz einspeisen. Den Wasserstoff dafür gewinnen wir mit alternativen Energien (Solar, Wind). Der Wirkungsgrad ist da sekundär, da die Sonne gratis scheint. Da richtig Geld einzusetzen macht Sinn, aber nicht für „Fracking“.

  3. Infooffensive
    13. März 2013 at 14:15 #

    Wir haben eine Übersicht zum Thema mit interessanten Links erstellt:

    http://infooffensive.de/2013/03/thema-fracking-oder-politik-und-pr/

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