Wie Forscher ihr Wissen bei Open Access teilen: Konstanzer Uni Bibliothek macht's vor

Konstanzer Universitätsbibliothek an zwei weiteren großen Open-Access-Projekten beteiligt

Konstanz (red) „Wissenschaftliches Wissen“ sowohl für die wissenschaftliche Gemeinschaft als auch für die Öffentlichkeit frei zugänglich zu machen ist das Ziel von Open Access. Die Bibliothek der Universität Konstanz ist seit Jahren sehr aktiv in der Umsetzung der „Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen“ von 2003, die das Internet als Instrument für die weltweite freie und kostenlose Nutzbarkeit wissenschaftlicher Informationen postuliert. Mit zwei neuen drittmittelgeförderten Projekten übernimmt sie nun erneut eine Vorreiterrolle.

Publikationen leicher auffindbar machen

Dabei geht es um die Open-Access-Vernetzung: Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanzierte Projekt „Open-Access-Fachrepositorien“ (OAFR) soll wissenschaftliche Online-Publikationen besser auffindbar machen. Die DFG fördert das Projekt in Höhe von 260.000 Euro für einen Zeitraum von zwei Jahren. Das Ziel des von der EU geförderten Projekts „OpenAIRE“ ist die Unterstützung von Wissenschaftlern ihre Publikationen Open Access bereit zu stellen, wenn diese im Rahmen von Projekten der Europäischen Union (EU) gefördert sind.

Zugriff auf Volltexte die an anderen Unis liegen

Bereits an sehr vielen Universitäten gibt es Server, auf denen wissenschaftliche Volltexte eingestellt sind, die an den jeweiligen Universitäten entstanden sind. Allein die Konstanzer Universitätsbibliothek kann mit dem Konstanzer Online-Publikationssystem (KOPS) auf über 10.000 entsprechende Dokumente verweisen. Diese Quellen wissenschaftlichen Arbeitens sollen nun mit Unterstützung der DFG auf fachlicher Ebene miteinander vernetzt werden. „Wir wollen im OAFR-Projekt Wege finden, die Materialien, die bei deutschen Universitätsbibliotheken hinterlegt sind, in die Fachrecherche-Umgebung der einzelnen Wissenschaften zu integrieren“, erklärt Petra Hätscher, die Direktorin der Konstanzer Universitätsbibliothek, wo das Projekt angesiedelt ist.

Texte bei Suchanfragen automatisch finden

Zu diesem Zweck sollen die online hinterlegten Volltexte in die virtuellen Fachbibliotheken oder Datenbanken eingespielt werden, in denen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ohnehin recherchieren. In den Wirtschaftswissenschaften etwa heißt eines dieser Nachweissysteme „RePEc“. Die wirtschaftswissenschaftlichen Publikationen der einzelnen Repositorien werden, so das Projektziel, dort eingespielt, so dass Suchanfragen automatisch auf sie stoßen. Mithilfe zweier neuer Stellen, besetzt mit Bibliotheks- und IT-Fachleuten, werden im Rahmen des Projekts „Open-Access-Fachrepositorien“ Austauschstrukturen entwickelt, unter denen die wissenschaftlichen Arbeiten abgelegt und aufgefunden werden.

Wissenschaftler sollen Publikationen einstellen

Um die effiziente „Ernte“ bei der Recherche nach wissenschaftlicher Fachliteratur geht es auch beim EU-Projekt OpenAIRE. So werden im Rahmen des 7. Forschungsrahmenprogramm der EU die geförderten Wissenschaftler aufgefordert, ihre Publikationen Open Access zur Verfügung zu stellen. Mit dem OpenAIRE-Projekt wird von der EU die praktische Umsetzung dieser Zielsetzung in allen europäischen Ländern gefördert. In einer Datenbank sollen künftig die aus EU-Forschungsprojekten hervorgegangenen Publikationen zentral nachweisbar und im Sinne von Open Access frei verfügbar sein. Beteiligt sind 38 Projektpartner aus 27 europäischen Ländern. Angesichts der großen Anzahl an EU-Forschungsprojekten ist das dreijährige Unternehmen in einem ersten Schritt auf die Fachrichtungen Gesundheit, Energie, Umwelt, Informations- und Kommunikationstechnologie, Forschungsinfrastruktur, Sozial-, Wirtschafts- und Geisteswissenschaften sowie Wissenschaft in der Gesellschaft begrenzt.

Uni-Bibliothek ist nationale Kontaktstelle

Die Bibliothek der Universität Konstanz dient dabei als nationale Kontaktstelle für Deutschland. Sie berät sowohl einzelne EU-Projektinhaber über die Bedingungen der Open-Access-Veröffentlichung, zu der sie sich mit der EU-Förderung verpflichtet haben. Ebenso ist sie Anlaufstelle für die einzelnen Bibliotheken, die das Material an ihren Universitäten einsammeln. Von dort aus wird es über das Prinzip des „Harvesting“ in das zentrale Nachweissystem eingespielt. Die nationale Kontaktstelle in Konstanz wird mit einem Anteil am Gesamtfördervolumen in Höhe von 37.000 Euro gefördert.

Konstanzer Universitätsbibliothek Vorreiter

Die Konstanzer Universitätsbibliothek gehört bereits seit einigen Jahren im Bereich Open Access deutschlandweit zu den federführenden Einrichtungen. So war sie am ebenfalls von der DFG geförderten Gemeinschaftsprojekt mit den Universitäten Göttingen, Bielefeld und der FU Berlin beteiligt, das die Informationsplattform open-access.net erarbeitet hat. Dabei handelt es sich um die zentrale Informationsplattform zu Open Access im deutschen Raum, die viel genutzt wird und nach wie vor von Konstanz aus betreut wird. Die Erfahrungen und Kontakte daraus sollen nun für die neuen Projekte genutzt werden.

Foto: Michael Latz Uni Konstanz

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