Wiedemanns sagen dem „Barbarossa“ in Konstanz adieu

Zum 1. Oktober übernehmen Florian und Christiane Miele das Haus – Wiedemanns eröffnen neues Hotel „viva sky“

Konstanz. Am Stammtisch „Liebe Leut” wirkte Noch-„Barbarossa“-Wirt am Sonntagabend ein bisschen melancholisch. Und in der Tat, noch zwei Tage, dann ist endgültig Schluss mit den Wiedemanns und dem „Barbarossa“. Zum 1. Oktober übernehmen Florian und Christiane Miele die traditionsreichste Konstanzer Gastwirtschaft samt Herberge.

Hotel „viva sky“ im Nissenbaum’schen Hochhaus

Von ihren Gästen, die ihnen zum Teil über Jahrzehnte hinweg die Treue hielten, haben sich Bärbel und Jürgen Wiedemann mit einem Festessen und Tanzmusik verabschiedet. Heute ist noch ein Abschiedsfest: Auf der Haltnau feiern es die Wiedemanns mit ihrem Personal. Es ist ihnen ebenfalls treu geblieben, auch wenn es nun grösstenteils zum neuen Pächterehepaar überwechselt. Im Übrigen dürfte es weiter aufwärts gehen: Für die neuen Pächter mit dem „Barbarossa“ und für die Wiedemanns mit ihrem neuen Hotel „viva sky“ im Nissenbaum’schen Hochhaus in der Sigismundstrasse. Für Wiedemanns Neustart spendierten die Mieles ein kleines Kunstwerk, die Skulptur „Stufen des Erfolgs“.

Wieder voll und ganz im Schosse der Familie

Der Pächerwechsel im „Barbarossa“ ist auch eine Rückkehr. Als Alfred (Don Alfredo) Wiedemann 1966, also vor 44 Jahren, den „Barbarossa“ pachtete, übernahm er die Leitung des Hauses von Lore Miele, der Enkelin von Karl Miele, der das Anwesen erworben und zu einem Familienhotel ausgebaut hatte. Lore Miele ist die Grossmutter von Florian Miele, der nun am Obermarkt einsteigt und als Ur-Ur-Enkel Karl Mieles den „Barbarossa“ voll und ganz zurückholt in den Schoss der Familie, die das Haus seit bald 140 Jahren im Eigentum hat.

Club Soroptimist schon gut vertreten

Mit Florian Miele übernimmt das Haus nach dem studierten Küchenmeister und Hotelier Wiedemann erneut ein Fachmann. Praktische Erfahrung erwarb Florian Miele unter anderem im Hotel Riva an der Konstanzer Seestrasse. Auch seine Frau ist Konstanz längst verbunden: Christiane Miele gehört zum Kreis der Konstanzer Soroptimisten, des Clubs, in dem sich berufstätige Frauen zum Zwecke wohltätigen Wirkens zusammengetan haben. Nicht von ungefähr sah man beim sonntäglichen Abschiedsfest im „Barbarossa“ bei Kürbissüppchen, Rindsfilet und Zwetschenknödeln auch Gertrude Karrenbauer (an der Seite ihres Carlo Karrenbauer) und Soroptimist-Schatzmeisterin Evi Ruppaner (an der Seite ihres Brauereigeschäftsführers Karl-Bernhard Ruppaner).

Anrührende Abschiedsszenen mit musikalischer Untermalung

Die teilweise anrührenden Abschiedsszenen, die von Jürgen Waidele und seiner Band immer wieder dramatisch untermalt wurden, wollten manchmal, so schien es, kaum ein Ende nehmen. Als „der dankbare Gast“ schlechthin lobredete Adi Brunner, Ehrenvorsitzender des Konstanzer Wirtekreises, den Wiedemanns. Adi Brunner erinnerte daran, wie sehr sich Erna, Alfred, Jürgen und zuletzt eben auch ganz besonders Bärbel Wiedemann um die professionelle Konstanzer Gastlichkeit verdient gemacht haben.

Kein Verdacht auf Anbiederung

Christiane und Florian Miele sowie weitere Mitglieder der Eigentümerfamilie, die sich an einem strategisch gut positionierten, grossen runden Tisch niedergelassen hatten, verfolgten die Abschiedszeremonien mit Anteilnehme und Aufmerksamkeit, amüsierten sich, hielten sich aber mit Beifallsbekundungen entschlossen zurück. Man wollte offensichtlich jeden Verdacht auf Aünbiederung vermeiden.

Die Kollegen lassen grüssen

Die Stammgäste Wiedemanns, so zeigte dieser Abschiedsabend, bleiben den Mieles wohl erhalten, also auch Impressario Dieter Bös, Theaterintendant Christoph Nix, Möbelhändler Bent Sörensen, die Altherrenrunde mit Klaus Brümmel, Walter Eyermann und Werner Häusler, die „Lieben Leut“ mit Hansi Ley, Gerstensäcke und Alpenvereinler sowieso und auch Herbert Schenk samt Anhang. Von den Rathausparteien mindestens die CDU, für die Alexander Fecker mitspeiste, etliche Schweizer Gäste und – last but not least – einschlägige Kolleginnen und Kollegen wie Fähregastronom Rüdiger Niedswietski, Maurizio und Silvia Canestrini vom Pinocchio oder Luigi Pesaro von Old Mary’s Pub.

„Besser kann’s kaum werden im ,Barbarossa‘“

Als wahrer Segen wird es von der angestammten Gästeschar empfunden, dass die neuen Pächter fast das ganze Personal übernehmen können und wollen. „Wenn die uns erhalten bleiben, bleiben wir auch denen erhalten“, sagte gestern Abend ein Stammgast im „Barbarossa“. Er hofft wie viele andere, dass sich möglichst wenig ändert im „Barbarossa“. Denn: „Besser kann’s kaum werden.“

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