„Wir müssen in der Altstadt anfangen“

Oberbürgermeisterin will Verkehr verringern

christoph bus kleinÜberlingen (wak) Das Gezerre ist vorbei. Die Stadt Überlingen will ihre historische Altstadt vom Verkehr entlasten. Am Anfang steht eine Bürgerbeteiligung. Das hat Oberbürgermeisterin Sabine Becker in einem Gespräch mit See-Online.info angekündigt.

Verkehrsberuhigte Altstadt ist Top Thema

Seit Jahren steht die Verkehrsberuhigung der Überlinger Altstadt oben auf der Agenda. Doch passiert ist in den vergangenen Jahren tatsächlich nur wenig. Die Franziskaner-, Christoph-, Johann Kessenring- und Hafenstraße sind noch immer stark vom Verkehr belastet, auch wenn die Linienbusse mittlerweile durch die Marktstraße direkt zum Landungsplatz fahren. Die Aufenthaltsqualität in der Altstadt ist außerhalb der Fußgängerzone nicht sehr hoch. Fußgänger und Fahrradfahrer fühlen sich in den viel befahrenen Altstadtstraßen auf schmalen Gehwegen an den Rand gedrängt.

Oberbürgermeisterin will Bürgerbeteiligung groß schreiben

Als Sabine Becker vor noch nicht einmal ganz einem Jahr ihr Amt antrat, war sie zuerst einmal mit der Verkehrsführung in der Aufkircher- und der Zahnstraße beschäftigt. Um diese beiden Straßen soll es nun aber nicht mehr vorrangig gehen. Denn das drängendste Problem ist aus Sicht der Oberbürgermeisterin ein anderes. „Wir müssen in der Altstadt anfangen“, sagte Sabine Becker See-Online.info. Über die Ziele, Wege und künftige Regelungen des Verkehrs in der Innenstadt möchte sie, bevor die Stadt vielleicht 2010 oder 2011 die Pflöcke einschlägt, zunächst einmal mit den Bürgerinnen und Bürgern sprechen. Nur eine einzige Vorgabe seitens der Stadt gibt es und die ist unumstößlich: Nie wieder soll in Überlingen über das so genannte T-Modell gesprochen werden.

T-Modell ist das Auslaufmodell 2009

Das T-Modell – bei dem der gesamte von der Franziskanerstraße kommende Verkehr durch die Marktstraße und dann weiter entweder in West- oder Ostrichtung durch die Johann Kessenringstraße (in westlicher Richtung) oder die Hafenstraße (in östlicher Richtung) stadtauswärts geflossen wäre – hätte zwar die Christophstraße entlastet, aber auch neue Umwegverkehre provoziert. Autofahrer hätten dann von der Bahnhofstraße aus nicht mehr direkt weiter Richtung Hafenstraße und Mantelhafen fahren können. 2010 soll über das T-Modell nicht mehr gesprochen werden. Darüber, dass das T-Modell in Überlingen endgültig ein Auslaufmodell ist, verständigten sich Oberbürgermeisterin und Gemeinderat, wie Sabine Becker See-Online.info sagte, bereits bei der Klausursitzung des Rats vor drei Wochen.

Neuer Verkehrsraum mit Aufenthaltsqualität

Für eine Verkehrsberuhigung der Altstadt ausgesprochen hatte sich auch der Wirtschaftsverbund Überlingen WVÜ. Ziel der Stadt sei es, die Aufenthaltsqualität in der Überlinger Altstadt spürbar zu verbessern, sagte die Oberbürgermeisterin. Dass das auch möglich ist, ohne den Autoverkehr ganz auszusperren machen längst einige Städte in der Schweiz oder auch Ulm und demnächst Konstanz vor, wo so genannte Shared Spaces oder Begegnungszonen entstanden sind oder in Zukunft noch entstehen.

Begegnungszone und Shared Space

So plant zum Beispiel die Stadt Konstanz den gesamten Bahnhofsbereich in eine Begegnungszone zu verwandeln. Autos, Busse, Fahrradfahrer und Fußgänger teilen sich über eine Strecke von etwa einem halben Kilometer eine einzige Verkehrsfläche. Sie sind in solchen Zonen gleichberechtigt. Die Maximalgeschwindigkeit beträgt 20 Stundenkilometer. Kurzzeitparkplätze sind in der Begegnungszone genauso vorgesehen wie Wasserelemente, Sitzgelegenheiten oder Schatten spendende hochstammige Platanen. Die Gestaltung des neuen urbanen Platzes in der Konstanzer Konzilstraße will sich die Stadt Konstanz höchstens 2,5 Millionen Euro kosten lassen. Derzeit diskutiert sie noch Stadt mit Anwohnern und Interessengruppen über die Umgestaltung des Verkehrsbereichs. Shared Space, so wie er in der Schweiz zu besichtigen ist, bedeutet, dass die Öffentlichkeit die Begegnungszone in Workshops tatsächlich aktiv mit plant.

Grenzen der Planer

Auch Oberbürgermeisterin Sabine Becker setzt in der Überlinger Altstadt auf Bürgerbeteiligung. Weniger im Fokus stehen sollen in Zukunft die Bürgerinitiativen aus den Bereichen Zahn- und Aufkircherstraße, die bisher laustark ihre Sonderinteressen vertreten haben. Aufgrund der dramatisch schlechten finanziellen Situation ist der Handlungsspielraum der Stadt – was die Neugestaltung von Plätzen und Straßen betrifft – aber stark eingeschränkt. 2012 drohen der Stadt Überlingen bis zu 40 Millionen Euro Schulden. Allerdings sind sowohl in der Haushaltsplanung 2010 wie auch der mittelfristigen Finanzplanung für die Jahre 2011 Investitionen in den „Stadtring“ vorgesehen – vielleicht kommt es auch der Innenstadt zugute.

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