„Wir sind keine Kulturfeinde“

Konzerthausgegner in Konstanz fühlen sich verunglimpft

Konstanz (wak) Wenige Stunden vor dem Bürgerentscheid fühlen sich Konzerthausgegner von Konzerthausbefürwortern verunglimpft. Sie widersprechen entschieden der offenbar aufgestellten Behauptung, Konzerthausgegner seien Kulturfeinde. Der Ton zwischen den Parteien ist noch einmal schärfer geworden.

Querschnitt durch die Bevölkerung engagiert sich

„Auf die schlichte Frage, ob das Konstanzer Konzerthaus auf Klein-Venedig gebaut werden soll, antwortet unsere Initiative mit einem Nein“, so Günther Schäfer, Sprecher der Initiative Nein-zu-Klein-Venedig. Kulturfeinde seien sie deswegen aber noch lange nicht. Mit ihren Aussagen befände sich die Initiative, in der sich Rechtsanwälte genauso engagieren wie Architekten, Bandmitglieder, Selbständige, Hausfrauen oder ein pensionierter Notar „im Einklang mit der Mehrheit der Abstimmenden beim Bürgerentscheid von 2003“. „Wir sind keine Kulturfeinde“, so ein Konzerthausgegner.

Bürgerinitiative empört über Äußerungen von Befürwortern

Inge Egler, der ehemaligen Stadträtin der Freien Grünen Liste und Befürworterin des KKH auf Klein-Venedig, werfen die Gegner vor, gesagt zu haben, nur Kulturfeinde könnten dagegen sein. Erregt hat die Konzerthausgegner auch eine Aussage des ehemaligen Konstanzer Schulleiters und stellvertretenden Fraktionsvorsitzende der CDU im Gemeinderat, Wolfgang Müller-Fehrenbach. Er äußerte sich auf einer Werbeseite im Internet so: Die Konstanzer sollten sich nicht von Menschen, denen Arbeitsplätze, Wirtschaftskraft und Steuereinnahmen gleichgültig sind, irre machen lassen. Wenn man solche „demagogisch agierenden Kreise“ näher betrachte, lebten diese Personen sicher und häufig von der öffentlichen Hand.

Kampagne lenkt von sachlicher Auseinandersetzung ab

„Die Saat zu dieser geplanten stark emotionalisierenden und von Inhalten ablenkenden Kampagne legte die Hamburger Werbeagentur Gürtler Bachmann, die schon in Hamburg für die öffentliche Bewerbung des finanziell völlig aus dem Ruder gelaufenen Projekt Elbphilharmonie verantwortlich zeichnete“, schimpft Günter Schäfer in Richtung der in Konstanz „tonangeben wollenden Bürger“.

Finanzierbarkeit des KKH umstritten

Tatsächlich geht es beim Bürgerentscheid am morgigen Sonntag um die Frage, ob die Mehrheit der Wahlberechtigten ja oder nein zu einem rund 65 Millionen teuren Konzert- und Kongresshaus auf Klein Venedig sagt. Unumstritten ist in Konstanz, dass die Südwestdeutsche Philharmonie keinen Konzertsaal in Konstanz hat, der den Anforderungen des Orchesters genügt. Umstritten ist der Standort Klein Venedig. Das Thema Verkehr halten aber auch Gegner des Konzerthauses für kein unlösbares Problem. Viel Sympathie gibt es für den Entwurf der Vorarlberger Architekten Dietrich und Untertrifaller sowie für die Idee, ein Passivkonzerthaus – es wäre das erste deutschlandweit – zu bauen. Umstritten ist in der Bevölkerung dagegen, ob sich Konstanz den Neubau eines Konzert- und Kongresshauses leisten kann oder ob sich die Stadt langfristig so verschuldet, dass sie in den kommenden Jahren einen harten Sparkurs fahren muss. Noch ist die finanzielle Lage der Stadt nicht besorgniserregend. Beunruhigt sind Konzerthausgegner dennoch angesichts der dramatischen Situation, in der sich viele andere Städte bereits befinden und angesichts der besorgniserregend hohen Neuverschuldung, die auch Konstanz droht. Insgesamt rechnen die deutschen Städte in diesem Jahr mit einem Rekorddefizit von zwölf Milliarden Euro

Foto: wak

Ein Kommentar to “„Wir sind keine Kulturfeinde“”

  1. Fenedig
    20. März 2010 at 11:47 #

    Dass die KKH-Gegner als die erklärten „Kulturbremser“ (etwa nach Inge Egler) gefühlt werden können, ist erklärbar: Ein kulturelles Gegenkonzept zum städtischen Kulturprojekt liegt nicht vor und lässt sich mit einem Schwall von Gegenargumenten dann auch nicht überdecken. Dass es aber sonntags besonders auch um den Versuch geht, die „Leidensgeschichte Konzerthaus Konstanz“ nicht wiedermal dem „Sanktnimmerleinstag“ anheim fallen zu lassen, gehört nun mal zur ganz zentralen Fragestellung, zu der die Stimmbürger aufgerufen sind. Das erweiterte Konzept mit einem angegliederten kongresstauglichen Bereich kann heute – nach Ansicht der Befürworter – zu einer Kultur- und Universitätsstadt, wie Konstanz, als Strategie zur Förderung der Kreativwirtschaft gut passen und lässt sich strategisch mit Aktivitäten anderer Kulturstädte vergleichen (Freiburg, Weimar, usw.). Das dürfte auch von den Gegner argumentativ kaum zu entkräften sein – es sei denn, man opponiert prinzipiell gegen etwas anderes als das, was sich die Stadt erhofft: Die Ausstrahlung und Festigung des Oberzentrums durch eine Bereicherung auch im kulturellen Kontext, was zusammen mit optimierten kongressbezogenen Möglichkeiten zu einer gesamtwirtschaftlichen Stärkung der Stadt führen soll.

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