Wort zum Blog: Sams in Gefahr in Konstanz

Timmo Strohm über die BookCrossing Convention in Konstanz

Konstanz. Die süddeutsche Convention des BookCrossing in Konstanz ging am Feiertag zu Ende. Timmo Strohm vom Organsiatorenteam SuedseeCrossing/Slam hat sich mit einem Blogbeitrag verabschiedet. Wer sich über freigelassene Bücher gewundert haben sollte, hier ist die Erklärung.

Timmo Strohms Wort zum Blog über Bücher auf Bäumen

Das Phänomen BUCH hat sich auf Bäume, in die Körbe nichtsahnender Radfahrer, an die Rückspiegel von Autos und auf Kunstwerke verbreitet. Wenn Sie ein Buch von Isabel Allende an einer Eisenkette oder „Sams in Gefahr“ in echter Gefahr finden (es steht nämlich wacklig auf einem Brückengeländer), dann erleben Sie gerade eines unserer Lieblings-Spiele: das Themen-Release. Dabei werden Bücher in Situationen zurückgelassen, die zum Inhalt passen.

Bedingungslose Aufgabe von Besitz

Die letzten Gäste des „Südsee-Crossing“ verlassen soeben Konstanz. Natürlich unter Zurücklassung weiterer Bücher auf ihrem Reiseweg. Juristisch gesehen nennt man das „Derelinquieren“ – die totale und bedingungslose Aufgabe von Besitz und Eigentum. Finden Sie also ein mit „book-crossing“ markiertes Buch, können Sie damit machen, was Sie wollen. Schön ist, wenn Sie es lesen. Witzig ist, wenn Sie es weitergeben. Interessant ist, wenn Sie es online kommentieren. Und ideal – wenn Sie all das tun.

Erstaunte Passanten

Und was nehmen unsere Gäste mit? Nun, zunächst viele Souvenirs aus Konstanz, darunter einen gebackenen Bodensee. Das Thema „Südsee“ hat allen gefallen, inklusive der Blumenketten zum Umhängen, der See-Säcke als Souvenir-Bags und der kleinen Snacks und Souvenirs. Konstanz zeigte sich beim Release-Spaziergang von seiner besten Seite, die Sonne glitzerte auf den Buchumschlägen, und Touristen fragten erstaunt: „was machen Sie denn da?“. Nach der Erklärung lachten sie und machten Fotos.

Zehn Kilo Rucksack normal

Riesige Mengen Bücher wurden ausgetauscht und verteilt, die Logistik umfasste jedes denkbare Transportmittel. Vom Bollerwagen und Fahrrad-Anhänger voller Bücher bis zum Transporter wurde jedes Vehikel als Buchfrachter verwendet; und die Anreise geschah buchstäblich mit allem vom Fahrrad bis zum Flugzeug. Es fiel auf, dass BookCrosser ihre Autos, Körbe und Taschen wirklich bis zum Anschlag mit Menschen und Büchern vollstopfen; auch ein Rucksack unter zehn Kilo ist beim BookCrossing selten. Dies nur als Seitenhieb gegen alle, die uns für schwächlich halten: Papier mag vielleicht geduldig sein – aber es wiegt.

Poetry Slam im K9 fast ausverkauft

Aus unserer Sicht war die Veranstaltung ein Erfolg: die Lesungen waren gut besucht, Publikum und Autoren und BC war sehr zufrieden und der Poetry Slam war ziemlich ausverkauft (gewonnen hat übrigens Michael Jakob aus Nürnberg). Alle Poeten erhielten herzlichen Applaus, Freigetränke, Buchgutscheine und, natürlich – Bücher. Denn Vielschreiber sind auch Viel-Leser.

BookCrossing Community

BookCrossing ist kein Verein, und es gibt auch (bisher) keine Bücher über uns. Was es gibt, sind Webseiten, lokale, nationale und internationale Treffen, sehr viel Kontakt hinter den Kulissen: wir sind das, was man neudeutsch „Community“ nennt. Das Buch ist unser Ziel und Zweck, unsere Kontaktform, unser Hobby. Wir sind die Menschen, die pro Monat mehr Bücher kaufen als der Durchschnittsmensch pro Jahr. Und wir lesen, hören, tragen und verbreiten das Buch. Wir sind die billigste, chaotischste, kommunikativste und verteilteste Bibliothek, die es gibt; eine Bibliothek auf Beinen, in Regenschutz-Tütchen, an seltsamen Orten und weltweit. Internetgestützt, aber nicht auf das Internet angewiesen. Sie merken, ich bin begeistert. Und ich würde gern noch mehr berichten. Aber ein Buch wartet auf mich.

 

Foto: Timmo Strohm privat

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