Zehn Fragen an fünf Konstanzer OB-Kandidaten: Uli Burchardt

Unternehmensberater will auf den OB-Sessel – Er fährt mit dem Fahrrad über die Fahrradbrücke

Name: Uli Burchardt

Alter: 41 Jahre

aktuell ausgeübter Beruf: Unternehmensberater (strategisches Marketing)

Parteizugehörigkeit: CDU

Uli Burchardt antwortet 

See-Online: Stellen Sie sich vor, Sie wären OB in Konstanz und Bildhauer Peter Lenk würde in einer dunklen Nacht heimlich mit seinem Flaschenzug die mächtige Papst-Figur wieder in die Mobilitätszentrale im Konstanzer Bahnhofsgebäude hieven. Was würden Sie tun? Dürfte der Gaukler sitzen bleiben oder bekäme das Päpstlein erneut Hausverbot?

Antwort: Ich bin kein Freund dieser Nacht-und-Nebel-Aktionen, insbesondere dann nicht, wenn es um die Gestaltung des öffentlichen Raumes in Konstanz geht. Mit den Figuren von Lenk habe ich aber grundsätzlich kein Problem und bin der Meinung, dass Konstanz das aushalten kann.

See-Online: Stellen Sie sich vor, Sie gewinnen die Oberbürgermeisterwahl. Wie möchten Sie in Zukunft in Konstanz wohnen?

Antwort: Entweder richtig in der Innenstadt oder ganz am Rand. Beides zieht mich an und macht mir Freude – Stadtflair genauso wie Natur.

See-Online: Sie haben einen Termin im Juze in der Jägerkaserne, verlassen gerade Ihren Schreibtisch in der Kanzleistraße und haben noch eine viertel Stunde Zeit. Anschließend haben Sie einen Termin beim Konstanzer Yachtclub. Wie legen Sie die Strecken zurück?

Antwort: Ganz klar: mit dem Fahrrad über die Fahrradbrücke, den Fortschritt der Bauarbeiten rund um den Bahnhof Petershausen besichtigen, dann ins Juze und anschließend am Sternenplatz zum See runter und die Seestraße entlang zur Villa Prym.

See-Online: Sind Sie für einen echten Livestream aus Gemeinderatssitzungen? Halten Sie es für eine gute Idee, dass der Südkurier überträgt – oder wäre es besser, die Stadt würde den Livestream selbst ins Internet stellen? Wie mutig sind Sie? Würden Sie notfalls trotz datenschutzrechtlicher Bedenken Gemeinderatssitzungen ins Web übertragen und es auf eine gerichtliche Klärung ankommen lassen?

Antwort: Ich bin dafür, es zu probieren. Anschließend sollten wir sehen, inwiefern der Livestream die Sitzungskultur verändert. Wer die Übertragung technisch durchführt, halte ich für sekundär – sie muss technisch sehr gut und vollständig sein. Eine redaktionelle Bearbeitung oder Kürzung ist journalistisch sinnvoll, aber möglicherweise nicht im Sine des Gemeinderates. Wenn, dann ganz, ist meine momentane Haltung dazu. Ich behalte mir aber explizit vor, erst selbst Erfahrungen mit dem Livestream zu machen und dann endgültig über meine Position zu entscheiden. Ja, mutig bin ich und ich habe ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden. Für meine Überzeugungen gehe ich auch ein Risiko ein – das habe ich als Manager so gehalten und das halte ich als Unternehmer und als Autor genauso. Ich denke, mein Buch „Ausgegeizt!“ bezeugt das sehr wirksam.

See-Online: Wie möchten Sie die Bürgerinnen und Bürger in Zukunft über die Stadtpolitik informieren und mit den Menschen kommunizieren? Mit Hilfe der gedruckten Tageszeitung? Über die Website der Stadt, über Facebook oder über ihr persönliches Blog?

Antwort: Ich habe heute eine Website zu pflegen und ich weiß, wieviel Arbeit das macht. Insofern: das würde mir Spaß machen, ich halte das aber aus Zeitgründen nicht für realistisch. Alle anderen genannten Informationswege sind wichtig und geeignet. Ich habe außerdem von Anfang an gesagt, dass ich im Falle meiner Wahl einen direkten Kanal zu mir offenhalten werde, über den mich zum Beispiel auch Jugendliche erreichen können. Facebook könnte dafür ein geeigneter Weg sein.

See-Online: Nennen sie ein Argument für und ein Argument gegen einen Bürgerhaushalt?

Antwort: Pro: Bürgerhaushalte sorgen für Partizipation und sind geeignet, Korruption zu bekämpfen. Sie sind ein originäres Instrument der Bürgerbeteiligung. Contra: Bürgerhaushalte sind sehr langwierig aufzustellen, erfordern sehr viel Lernen, Engagement und Zeit der Bürgerinnen und Bürger.

See-Online: Was darf in Wahlkampfzeiten in Ihrem Kühlschrank auf keinen Fall ausgehen?

Antwort: Milch (für Cappucino) und Bier (für den Feierabend). Und natürlich gekühlte Kinder-Schokolade-Riegel.

See-Online: Haben Sie einen Lieblingsplatz im öffentlichen Raum in Konstanz?

Antwort: Da fallen mir auf Anhieb mindestens 20 ein ;-) aber ich will mich mal auf zwei beschränken: Das Schwaketenbad (zusammen mit meiner Tochter) und das Hörnle – ganzjährig als Ort zum Luftholen unschlagbar.

See-Online: Erklären Sie kurz, was Sie unter Bürgerbeteiligung konkret verstehen? Sollen wir in Zukunft unsere Wochenenden in Foren verbringen?

Antwort:

A) Ich halte Foren für vereinzelte große Projekte oder große Fragen für sinnvoll (wie zum Beispiel das Mobilitätsforum oder ein Forum zum zukünftigen Veranstaltungshaus. Zu viele Foren überfordern aber alle Beteiligten.

B) Bürgerbeteiligung ist auch: frühzeitige, gut erreichbare und gut aufgearbeitete Informationen zur Verfügung zu stellen. So sollte die Verwaltung z.B. betroffene Anwohner ruhig offensiver und sichtbarer über aktuelle Offenlagen o.ä. informieren, die sie betreffen.

C) Bürgerentscheide halte ich für gut, sie sollten aber nicht inflationär werden.

D) Das von mir vorgeschlagene Instrument der Bezirksbeiräte halte ich in besonderem Maße für geeignet, um Bürger zu beteiligen, das Wissen und die Wünsche aus den Stadtteilen in den Gemeinderat zu tragen und die Identität der Ortsteile zu stärken.

See-Online: Werden Sie die Kosten ihres Wahlkampfes transparent machen? Wenn ja, wann und wo?

Antwort: Ja, morgen (26. Juni) im Südkurier – der hat heute angefragt und ich werde die Frage beantworten. Im Falle meiner Wahl werde ich das Ende Juli auf meiner Homepage nochmal abschließend und dann genauer tun.

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